Ein 4,70 Meter langer Riesenhai (Cetorhinus maximus) ist am 8. August 2026 bei Ålbæk in Nordjütland gestrandet. Wie WELT berichtet, war das Tier zuvor mehrere Tage in flachem Küstenwasser beobachtet worden. Als es tot am Strand lag, wurde es geborgen und im Nordsøen Oceanarium untersucht.
Der Hai war rund 500 Kilogramm schwer und nach Schätzung der Fachleute etwa 10 bis 15 Jahre alt. Für eine Art, die ungefähr zehn Meter Länge erreichen kann, war er damit noch ein vergleichsweise junges Tier.
Das offizielle Video des Nordsøen Oceanariums fasst die Sektion vom 12. August zusammen. Eine längere Übertragung wurde zusätzlich als Facebook-Livestream veröffentlicht.
Erste Untersuchung liefert keine klare Todesursache
An der Untersuchung beteiligten sich Fachleute des Staatlichen Naturhistorischen Museums Dänemarks, des Kattegatcenters, des Museums Sønderjylland und des Nordsøen Oceanariums. Nach dem ersten Befund hatte der Riesenhai keine schweren äußeren Verletzungen.
Auch Verhungern erscheint bislang unwahrscheinlich: Im Magen lagen frische Nahrungsreste. Die festgestellten Parasiten wurden ebenfalls nicht als offensichtliche Todesursache bewertet. Damit bleibt die entscheidende Frage nach der Sektion offen.
Gewebeproben sowie Gehirn und Wirbelsäule werden weiter untersucht. Zusätzliche CT-Aufnahmen sollen mögliche Veränderungen sichtbar machen, die bei der äußeren Untersuchung oder der Sektion nicht erkennbar waren. Erst diese Analysen können zeigen, ob sich die Todesursache noch bestimmen lässt.
Ålbæk liegt im Übergangsraum zur Ostsee
In Schlagzeilen wird der Fund der Ostsee zugeordnet. Geografisch liegt Ålbæk jedoch am nördlichen Kattegat. Dieses Übergangsgewässer verbindet Nordsee und Ostsee. Die präzisere Einordnung ist deshalb: Der Riesenhai strandete im dänischen Übergangsraum zur Ostsee, nicht in deren weiter östlich gelegenen Brackwasserbecken.
Riesenhaie leben vor allem in kühlen bis gemäßigten Meeresgebieten. Im Nordostatlantik werden sie unter anderem vor Großbritannien, Irland, Norwegen und Island beobachtet. Sie folgen planktonreichen Wassermassen und können dabei weite Strecken zurücklegen.
Nach den von WELT wiedergegebenen Angaben wurden seit 2000 nur ungefähr zehn Riesenhaie in dänischen Gewässern nachgewiesen. Der Fund ist daher selten, auch wenn das Kattegat grundsätzlich im Randbereich des bekannten Verbreitungsgebiets liegt.
Ein großer, aber ungefährlicher Planktonfresser
Der Riesenhai ist nach dem Walhai die zweitgrößte heute lebende Fischart. Sein weit geöffnetes Maul wirkt eindrucksvoll, dient aber nicht der Jagd auf große Beute: Das Tier schwimmt durch planktonreiches Wasser und filtert kleine Organismen über seine Kiemenreusen heraus. Für Menschen gilt die Art als ungefährlich.
Gerade die Seltenheit solcher Funde macht die entnommenen Proben wertvoll. Selbst wenn sich die unmittelbare Todesursache nicht mehr rekonstruieren lässt, können Untersuchungen zu Alter, Ernährung, Parasiten und Gewebe Hinweise auf den Gesundheitszustand und die Nutzung dänischer Gewässer liefern.


