Direkt neben dem Malibu Pier in Kalifornien ist am Donnerstagmorgen, 13. August 2026, ein großer Hammerhai aufgetaucht. Aufnahmen zeigen das Tier dicht unter der Oberfläche; Rücken- und Schwanzflosse ragten zeitweise aus dem Wasser. Der Sportfischer Ari Kohanchi filmte die Begegnung. ABC7 Los Angeles veröffentlichte das Video und Augenzeugenberichte in der Nacht zum 15. August.
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Mehr InformationenWährend der Hai am Pier entlangschwamm, wurde er kurz von einem anderen Angler gehakt. Das Tier löste sich wieder und schwamm davon. Die Szene ist spektakulär, doch wissenschaftlich interessanter ist ihr Zeitpunkt: Vor Südkalifornien liegen außergewöhnlich warme Wassermassen, und El Niño verstärkt sich im tropischen Pazifik. Genau unter solchen Bedingungen können warmwasserliebende Arten ihrem Nahrungsangebot weiter nach Norden folgen.
Warum warmes Wasser Hammerhaien den Weg nach Norden öffnet
Nate Jaros, Vizepräsident für Tierpflege am Aquarium of the Pacific, erklärte gegenüber ABC7, dass Oberflächentemperaturen von mehr als 70 Grad Fahrenheit – also gut 21 Grad Celsius – während eines El-Niño-Ereignisses die Voraussetzungen für solche Wanderungen schaffen. Die Haie bewegen sich mit dem warmen Wasser und jagen dort die Beute, die ihrerseits ihr Verbreitungsgebiet verschiebt.
Auch FOX 11 Los Angeles ordnete die Aufnahme als seltene Sichtung ein, die während Warmwasserereignissen vor Südkalifornien vorkommen kann. Das bedeutet nicht, dass Hammerhaie normalerweise vollständig aus der Region fehlen. Einzelne Arten reichen bis in warm-gemäßigte Gebiete. Häufigkeit, Aufenthaltsdauer und Nähe zur Küste können sich bei ungewöhnlichen Temperaturen jedoch deutlich verändern.
NOAA hatte die Nordverschiebung bereits im Juni beschrieben
Die Sichtung passt auffällig zu einer Analyse, die NOAA Fisheries am 12. Juni veröffentlichte. Darin blickte die US-Meeresbehörde auf die Kombination aus der großen marinen Hitzewelle „The Blob“ und dem starken El Niño von 2015/2016 zurück. Damals tauchten Hammerhaie und sogar Walhaie ungewöhnlich weit nördlich vor Südkalifornien auf. Andere Arten verschoben sich noch weiter: Ein Echter Bonito wurde vor Alaska gefangen, und Weißer Thun gelangte bis vor Washington ungewöhnlich nah an die Küste.
Für den Sommer 2026 nannte NOAA bereits ein frühes biologisches Signal. Angler vor Südkalifornien fingen Dorados und Gelbflossenthune deutlich früher im Jahr als üblich. Die Behörde wertete dies als Hinweis, dass die erwarteten Nordverschiebungen begonnen haben könnten. Der Hammerhai am Malibu Pier ist nun ein besonders sichtbares Beispiel für genau dieses Muster – aber kein Beweis, dass NOAA den Besuch dieses einzelnen Tieres oder diesen konkreten Ort vorhergesagt hätte.
Nicht nur El Niño erwärmt die Westküste
Die Ursache lässt sich nicht auf ein einziges Klimaphänomen reduzieren. NOAA verfolgte im Juni zwei marine Hitzewellen an der Westküste, die nicht direkt durch El Niño entstanden waren und das Wasser bereits über Monate überdurchschnittlich warm gehalten hatten. El-Niño-bedingte Erwärmung wirkt anders: Sie kommt stärker aus dem Süden und aus tieferen Wasserschichten. Ihr Einfluss sollte nach der damaligen Prognose in Richtung Herbst zunehmen.
Vor Malibu überlagern sich damit mehrere Prozesse: eine bestehende marine Hitzewelle, der sich verstärkende El Niño, lokale Strömungen und die Verteilung von Beutefischen. Die Hammerhai-Sichtung ist mit dieser Entwicklung vereinbar. Aus einem einzelnen Video lässt sich aber nicht bestimmen, welcher Faktor das Tier letztlich an den Pier geführt hat.
Eine Sichtung ist noch keine neue Population
Ein Hammerhai in Malibu bedeutet deshalb nicht, dass sich vor Kalifornien eine neue Population etabliert hat. Haie sind hochmobile Tiere. Wenn ein Korridor aus warmem Wasser und geeigneter Beute entsteht, können einzelne Tiere ihr saisonales Areal schnell erweitern. Kühlt das Wasser wieder ab oder wandert die Beute zurück, kann sich die Verschiebung ebenso schnell umkehren.
Für eine dauerhafte Ausbreitung wären wiederholte Nachweise über mehrere Jahre, Daten zu Aufenthaltsdauer und Wanderwegen sowie Hinweise auf regelmäßige Nutzung oder Fortpflanzung nötig. Solche Daten liegen für die aktuelle Beobachtung nicht vor. Auch wie lange Hammerhaie in diesem Sommer in den ungewöhnlich nördlichen Gewässern bleiben, ist offen.
Welche Hammerhaiart war es?
Einige Folgeberichte halten einen Glatten Hammerhai für wahrscheinlich. Das wäre biogeografisch plausibel, denn diese Art kommt sowohl in subtropischen als auch in gemäßigten Meeren vor und ist aus kalifornischen Gewässern bekannt. Die belastbaren lokalen Berichte von ABC7 und FOX 11 legen sich anhand der Aufnahmen jedoch nicht auf eine Art fest.
Für eine sichere Bestimmung müssten Merkmale wie die Form der Kopfkante und der Flossen ausreichend deutlich zu erkennen sein. Deshalb bleibt die vorsichtige Bezeichnung „Hammerhai“ die fachlich saubere Wahl. Eine wahrscheinliche Art darf als Möglichkeit genannt werden, sollte aber nicht als bestätigte Identifikation in Überschrift oder Metadaten erscheinen.
Update: Zweiter Hammerhai weiter nordwestlich bei Gaviota
Nur drei Tage nach der Aufnahme am Malibu Pier filmte Juan Morales von Sky Angel Drones am Sonntag, dem 16. August 2026, einen weiteren Hammerhai vor Gaviota Beach im Santa Barbara County. KEYT veröffentlichte das Drohnenvideo am 18. August und stellte ausdrücklich den Bezug zur Malibu-Sichtung her. Auch bei Gaviota legte sich der lokale Bericht nicht auf eine Art fest.
Die zweite Sichtung deutlich weiter nordwestlich passt zu der erwarteten Ausdehnung warmwasserliebender Arten während der aktuellen Warmwasserphase. Zwei Videos innerhalb weniger Tage sind jedoch noch kein Beleg für eine dauerhafte Arealverschiebung oder einen wachsenden Bestand. Dafür wären wiederholte, standardisierte Nachweise über längere Zeit nötig.

