Blindhai - Brachaelurus waddi

Der Blindhai ist ein kompakt gebauter Ammenhaiartiger mit leicht abgeflachtem Kopf, kleinen Augen und einem breiten, vergleichsweise kurzen Körper. Vor dem kleinen Maul stehen gut sichtbare Nasenbarteln; große Spritzlöcher hinter den Augen unterstützen die Atmung, wenn das Tier ruhig auf dem Boden oder in einer Felsspalte liegt.

Erkennungsmerkmale

  • Braune bis fast schwarze Oberseite, häufig mit hellen Flecken und dunklen Sätteln.
  • Gelbliche bis cremefarbene Bauchseite.
  • Zwei ähnlich große Rückenflossen, die weit hinten am Körper ansetzen.
  • Kleine Afterflosse unmittelbar vor der langen Schwanzflosse.
  • Kräftiger Schwanzstiel und eine Schwanzflosse ohne deutlich ausgeprägten unteren Lappen.

Fishes of Australia beschreibt eine maximale Gesamtlänge von etwa 1,2 Metern; viele Tiere bleiben deutlich kleiner. Jungtiere tragen meist kontrastreichere Sattelzeichnungen, während die Muster bei älteren Exemplaren unregelmäßiger und weniger auffällig wirken können.

Der deutsche Name bedeutet nicht, dass die Art blind ist. Die Augen sind funktionsfähig und werden durch kräftige Lider geschützt. Das gedrungene Profil, die Barteln, die weit hinten stehenden Rückenflossen und die Farbzeichnung ergeben zusammen ein gutes Bestimmungsbild.

Bei Beobachtungen sollte besonders auf die Kombination dieser Merkmale geachtet werden, weil im nordöstlichen Australien mit dem Blaugrauen Blindhai eine nahe verwandte Art vorkommt. Einzelne Farben oder Flecken allein reichen für eine sichere Bestimmung nicht immer aus.

Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt im südwestlichen Pazifischen Ozean an der Ostküste von Australien. Als gesicherter Kernbereich gilt die Küste vom südlichen Queensland bis in den Süden von New South Wales. Ältere Meldungen aus Westaustralien und dem Northern Territory werden heute meist als fraglich oder als Verwechslungen bewertet.

Blindhai Brachaelurus waddi Karte Verbreitung
Chris_huh, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons; nach Compagno, Dando & Fowler (2005), aus PNG nach WebP konvertiert

FishBase nennt einen Tiefenbereich von der Gezeitenzone bis etwa 140 Meter. Besonders typisch sind felsige Küsten, Riffe, Brandungszonen, Gezeitentümpel und angrenzende Seegrasflächen. Jungtiere halten sich häufig sehr flach auf, während größere Tiere tagsüber in Höhlen und unter Felsvorsprüngen ruhen.

Küstennaher Spezialist

Die Art lebt überwiegend bodennah und nutzt Struktur statt großer Distanz: Spalten, Überhänge und dunkle Höhlen bieten Deckung, während benachbarte Fels- und Seegrasflächen nachts Nahrung liefern. In flachen Tümpeln kann das Wasser den Körper mitunter nur knapp bedecken.

Die Karte zeigt das traditionelle, grobe Verbreitungsbild und keine punktgenaue aktuelle Fundlage. Für die Einordnung einzelner Sichtungen sind daher Ort, Tiefe, Habitat, Körperzeichnung und Fotos wichtiger als die Nähe zu einer schematischen Grenzlinie.

Blindhaie sind vorwiegend nachtaktiv. Am Tag liegen sie ruhig in Höhlen, unter Überhängen oder zwischen Felsen; nach Einbruch der Dunkelheit suchen sie den Boden und flache Riffbereiche nach Beute ab. Die Nahrung besteht aus kleinen Fischen sowie bodenlebenden Wirbellosen.

Nahrung und Jagd

Zum dokumentierten Nahrungsspektrum gehören Krabben, Garnelen, Tintenfische, Sepien und Seeanemonen. Barteln und Geruchssinn helfen bei der Suche in unübersichtlichen Spalten und auf dem Boden. Kleine Beutetiere werden mit einem kurzen Saugstoß des Mauls gepackt.

Die Reproduktionsstudie aus New South Wales beschreibt eine aplacentale, dottersackversorgte Lebendgeburt: Die Embryonen entwickeln sich im Muttertier ohne Plazenta und werden vollständig entwickelt geboren. Würfe umfassen gewöhnlich sieben oder acht, in anderen Berichten bis zu neun Jungtiere.

Fortpflanzung

Die Geburt fällt in das australische Frühjahr; neugeborene Tiere messen ungefähr 17 Zentimeter. Flache, strukturreiche Küstenbereiche bieten ihnen Schutz und reichlich kleine Beute. Über Wachstum, Alter und räumliche Wanderungen ist weiterhin deutlich weniger bekannt als über Aussehen und Nahrung.

Die geringe Zahl an Jungtieren und die enge Bindung an Küstenhabitate sind für die Bestandsbewertung wichtig. Auch eine lokal häufige Art kann sich nur langsam von anhaltend hoher Entnahme oder dem Verlust geeigneter Kinderstuben erholen.

Die IUCN Red List führt den Blindhai als nicht gefährdet. Sein begrenztes Verbreitungsgebiet liegt zwar an einer dicht besiedelten Küste, doch die Art gilt in geeigneten Lebensräumen als häufig und zeigt keinen bekannten großräumigen Bestandszusammenbruch.

Der Australian Shark Report Card bewertet die Art ebenfalls als vergleichsweise wenig gefährdet, nennt aber regelmäßigen Beifang in Reusen- und Fallenfischereien von New South Wales. Gelegentlich geraten Tiere auch in andere küstennahe Fanggeräte oder werden von Freizeitanglern gefangen.

Mögliche Belastungen

  • Beifang in Reusen, Netzen und anderen bodennah eingesetzten Fanggeräten.
  • Verlust oder Verschlechterung flacher Fels-, Riff- und Seegraslebensräume.
  • Lokale Entnahme in einem räumlich begrenzten Endemiegebiet.
  • Unklare Fangstatistiken, wenn ähnliche kleine Bodenhaie nicht sicher bestimmt werden.
  • Störungen von Tagesverstecken und sehr flachen Jungtierhabitaten.

Der Status „nicht gefährdet“ ist deshalb kein Grund, Fang- und Lebensraumdaten zu vernachlässigen. Sinnvoll sind eine korrekte Artbestimmung, schonende Freilassung von Beifängen, der Schutz strukturreicher Küstenbereiche und langfristige Beobachtung regionaler Fangtrends.

Das Australian Museum beschreibt den Blindhai als für Menschen harmlos. Sein Name geht auf die Gewohnheit zurück, beim Fang außerhalb des Wassers die Augen fest zu schließen. Dieses Schutzverhalten darf nicht mit Blindheit verwechselt werden.

Für Taucher und Schnorchler ist die Art ein ruhiger, gut getarnter Bodenhai. Begegnungen gelingen häufig an Felsriffen, in Höhlen oder unter Überhängen. Ein ruhendes Tier sollte weder angefasst noch aus seinem Versteck gedrängt oder mit Lampen über längere Zeit direkt geblendet werden.

Respektvoll beobachten

  • Seitlich Abstand halten und Fluchtwege aus Höhlen oder Spalten offen lassen.
  • Nicht am Schwanz ziehen, anheben oder für ein Foto umsetzen.
  • In flachen Gezeitentümpeln nicht auf Tiere treten oder sie vom Wasser abschneiden.
  • Gefangene Tiere möglichst im Wasser belassen und ohne unnötige Verzögerung freilassen.

Die Art gilt als robust und kann kurze Zeit außerhalb des Wassers überstehen. Das ist jedoch keine Einladung, einen Fang für Fotos an Land zu halten. Schonende Behandlung verringert Stress, Verletzungen und Schäden an Augen, Kiemen und Haut.

Für die Naturbeobachtung ist der Blindhai besonders interessant, weil er zeigt, wie vielfältig Ammenhaiartige leben: nicht als großer Freiwasserjäger, sondern als kleiner, nachtaktiver Küstenspezialist, der tagsüber fast unsichtbar in der Struktur des Riffs verschwindet.

Steckbrief

  • Erstbeschreibung:(Bloch & Schneider, 1801)
  • Max. Größe:1,2m
  • Tiefe:0 - 140m
  • Max. Alter: Jahre
  • Max. Gewicht:kg
  • Wassertyp:Salzwasser
  • IUCN Status:Nicht gefährdet

Systematik

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