Falscher Marderhai - Pseudotriakis microdon

Körperbau, Merkmale & Anatomie
Der Falsche Marderhai ist ein großer, schwer gebauter Tiefseehai mit auffallend weicher Muskulatur. Der breite Kopf endet in einer kurzen, rundlichen Schnauze. Die schmalen Augen sind mehr als doppelt so lang wie hoch und besitzen nur schwach entwickelte Nickhäute; direkt dahinter liegen sehr große Spritzlöcher.
Der FAO-Artenkatalog für den Nordatlantik nennt als besonders markantes Merkmal die langgestreckte, niedrige erste Rückenflosse. Ihr Ansatz ist deutlich länger als bei den meisten Grundhaien und wirkt wie ein flacher Kiel. Die zweite Rückenflosse und die Afterflosse sitzen weit hinten; der untere Schwanzflossenlappen ist nur schwach entwickelt oder fehlt nahezu.
Weicher Körper und ungewöhnlich lange Rückenflosse
Im großen, bogenförmigen Maul stehen sehr viele kleine Zähne. Im Oberkiefer sind 96 bis 294, im Unterkiefer 108 bis 335 Zahnreihen beschrieben. Die meisten Zähne tragen eine schmale Hauptspitze und kleine Nebenspitzen; weiter hinten werden sie kammartig. Trotz des Namens sind also nicht wenige, sondern besonders zahlreiche kleine Zähne typisch.
Die Färbung ist überwiegend einheitlich dunkelbraun, graubraun oder fast schwarz, ohne auffällige Fleckenzeichnung. Große Weibchen erreichen etwa 2,95 bis 2,96 Meter, Männchen nach den verfügbaren Messungen bis ungefähr 2,69 Meter. Die Kombination aus massigem weichem Körper, langer erster Rückenflosse und sehr kleinem Gebiss erlaubt die sicherste Bestimmung.
Verbreitung & Lebensraum
Die Art ist in tiefen Randbereichen des Atlantischen Ozeans, des Indischen Ozeans und des Pazifischen Ozeans nachgewiesen. Das Areal wirkt weltweit, besteht aber aus weit voneinander entfernten Fundpunkten und darf nicht als geschlossen besiedelte Fläche verstanden werden.

FishBase führt im westlichen Atlantik Funde vor den USA, im Nordostatlantik unter anderem vor Portugal und Senegal. Im Indopazifik reichen dokumentierte Vorkommen von Australien über Japan und Taiwan bis Neuseeland und Hawaii.
Weit verbreitet, aber nur punktuell nachgewiesen
Der Falsche Marderhai lebt am oder knapp über dem Grund der äußeren Kontinental- und Inselschelfe sowie an Hängen, Tiefseeriffen, Seebergen und untermeerischen Rinnen. Gesicherte Tiefenangaben reichen je nach Quelle von etwa 129 beziehungsweise 173 Metern bis 1.890 Meter. Die meisten Beobachtungen stammen aus deutlich unterhalb der üblichen Grenzen des Sporttauchens.
Die Karte fasst bekannte Vorkommensgebiete stark vereinfacht zusammen. Sie zeigt weder aktuelle Häufigkeiten noch durchgehend geeigneten Lebensraum. Bei einer selten gefangenen Tiefseeart können außerdem neue Kamerasichtungen, Museumsexemplare oder genetisch bestätigte Proben das Verbreitungsbild erweitern, ohne dass sich das tatsächliche Areal verändert haben muss.
Lebensweise, Ernährung & Fortpflanzung
Die weiche Muskulatur und eine sehr große, ölreiche Leber passen zu einem langsamen, energiesparenden Leben in der Tiefsee. Der Falsche Marderhai schwimmt meist bodennah und gilt als wenig aktiver Räuber und Aasfresser. Untersuchte Mägen enthielten vor allem Knochenfische, daneben kleinere Haie, Kalmare, Kraken und weitere Wirbellose.
Ein FAO-Überblick zur Fortpflanzung von Haien beschreibt eine außergewöhnliche Form der aplazentalen Lebendgeburt. Embryonen fressen im Uterus zusätzliche, von der Mutter produzierte Eier oder Eireste. Anders als bei Makrelenhaien lagern sie einen großen Teil dieses Dotters wieder in einem äußeren Dottersack ein.
Embryonen speichern gefressenen Dotter außen am Körper
Zusätzlich können die Embryonen nährstoffreiche Gebärmutterflüssigkeit, oft als Uterinmilch bezeichnet, aufnehmen. Diese Kombination aus Oophagie, Dotterspeicherung und mütterlicher Zusatznahrung ist unter Grundhaien ungewöhnlich. Sie ermöglicht sehr große Jungtiere, geht aber mit geringer Nachkommenzahl einher.
Meist werden zwei Junge pro Wurf genannt, einzelne Quellen geben zwei bis vier an. Für die Geburtsgröße finden sich widersprüchliche Werte: mehrere Angaben liegen bei etwa 70 bis 85 Zentimetern, ältere Berichte reichen bis ungefähr 140 Zentimeter. Tragzeit, Wachstumsrate, Alter und Zeitpunkt der Geschlechtsreife sind weiterhin kaum bekannt.
Bedrohung & Schutzstatus
Global wird der Falsche Marderhai als nicht gefährdet eingestuft. Die Kategorie beruht auf einer sehr weiten Verbreitung und darauf, dass die Art nur selten in Fischereien auftaucht. Sie bedeutet nicht, dass Bestandsgröße oder Trend gut bekannt wären; belastbare Zeitreihen fehlen für die meisten Regionen.
Neue genetische Referenzdaten aus dem Nordatlantik sollen die Artbestimmung und das künftige Monitoring verbessern. Gerade seltene Tiefseehaie werden bei Anlandungen, in Umwelt-DNA oder in verarbeiteten Produkten sonst leicht übersehen oder mit verwandten Arten verwechselt.
Niedrige Fortpflanzungsrate trifft auf lückenhafte Daten
Der wichtigste bekannte Druck ist Beifang in bodennahen Langleinen und Grundschleppnetzen. Das Fleisch, die Flossen, der Knorpel und teilweise das Leberöl können genutzt werden, die Art besitzt jedoch nur geringe wirtschaftliche Bedeutung und wird nicht regelmäßig gezielt befischt. Lokale Tiefseefischereien können einzelne Vorkommen dennoch belasten.
Nur wenige große Jungtiere, vermutlich langsames Wachstum und eine lange Tragzeit begrenzen die Erholung nach Verlusten. Sinnvoll sind deshalb eine genaue Erfassung des Tiefsee-Beifangs, genetisch überprüfte Artbestimmung, schonende Rücksetzung lebender Tiere und vorsorgliche Grenzen für neue oder expandierende Fischereien an Kontinentalhängen und Seebergen.
Falscher Marderhai & Mensch
Für Menschen gilt der Falsche Marderhai als harmlos. Er lebt gewöhnlich so tief, dass Begegnungen mit Schwimmern oder Sporttauchern praktisch ausgeschlossen sind. Trotz seiner Länge von fast drei Metern gibt es keine Hinweise darauf, dass die träge Art eine typische Gefahr für Menschen darstellt.
Das Schmidt Ocean Institute filmte 2026 vor Trinidad und Tobago ein Exemplar in 1.086 Metern Tiefe. Solche ROV-Beobachtungen zeigen lebende Tiere in ihrem Lebensraum, ohne sie für die Untersuchung an die Oberfläche holen zu müssen.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
🔥 False catshark (Pseudotriakis microdon) in deep sea.
by
u/Better_Hair_9673 in
NatureIsFuckingLit
Begegnungen fast nur mit Kameras und Fanggeräten
Ein leuzistischer Falscher Marderhai bei den Azoren wurde ebenfalls mit einer ferngesteuerten Kameraplattform dokumentiert. Für Wissenschaft und Öffentlichkeit sind solche Bilder besonders wertvoll, weil Fänge oft nur einzelne, bereits tote Exemplare liefern und normales Verhalten dann nicht mehr beobachtet werden kann.
Bei einem lebend an Bord gelangten Beifang sind Abstand zum Maul, sichere Arbeitsabläufe und eine möglichst kurze Handhabung wichtig. Auch ein als harmlos geltender Hai kann sich unter Stress kräftig bewegen oder beißen. Fundort, Tiefe, Geschlecht, Länge, Fotos und eine Gewebeprobe können den wissenschaftlichen Wert eines seltenen Nachweises deutlich erhöhen.
Steckbrief
- Erstbeschreibung:
- Max. Größe:
- Tiefe:
- Max. Alter:
- Max. Gewicht:
- Wassertyp:
- IUCN Status:
Systematik
- Reich:
- Stamm:
- Unterstamm:
- Infrastamm:
- Parvstamm:
- Klasse:
- Teilklasse:
- Überordnung:
- Ordnung:
- Familie:
- Gattung:


