Fleckhai - Galeus melastomus

Der Fleckhai besitzt einen sehr schlanken, langgestreckten Körper mit flachem Kopf und langer, zugespitzter Schnauze. Die ovalen Augen stehen seitlich am Kopf; dahinter liegen kleine Spritzlöcher. Fünf kurze Kiemenspalten sitzen vor den Brustflossen, von denen die letzten beiden über deren Ansatz liegen.

Namensgebend ist die fast vollständig schwarze Innenseite des Mauls. Auf dem graubraunen Rücken liegen dunkle Sättel und Flecken mit hellen Rändern. Besonders charakteristisch ist nach dem FAO-Artenkatalog für Haie des Nordatlantiks ein Kamm vergrößerter Hautzähnchen entlang der Oberkante der Schwanzflosse, der wie eine feine Säge wirkt.

Schwarzes Maul und sägeartige Schwanzkante

Beide Rückenflossen liegen weit hinten am Körper. Die erste beginnt ungefähr über dem hinteren Teil der Bauchflossen, die zweite über der langen Afterflosse. Der Schwanzstiel ist schmal, die untere Schwanzflossenhälfte nur schwach ausgebildet. Diese Proportionen passen zu einem bodennah lebenden, eher langsam schwimmenden Tiefseehai.

Weibchen können etwa 90 Zentimeter lang werden, Männchen bleiben meist kleiner und erreichen ungefähr 75 Zentimeter. Häufig sind Tiere um 50 Zentimeter. Das höchste veröffentlichte Gewicht liegt bei etwa 1,4 Kilogramm. Für eine Bestimmung sind das schwarze Maul, die hell gerandeten Rückenflecken und der Zahnkamm am Schwanz wichtiger als die Größe allein.

Das Verbreitungsgebiet reicht im Atlantischen Ozean von Norwegen und den Färöern südwärts über die Nordsee sowie die Gewässer vor Portugal und Marokko bis zum Senegal. Außerdem lebt die Art im gesamten Mittelmeer.

Verbreitungskarte des Fleckhais (Galeus melastomus)
Chris_huh, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons; verlustfrei nach WebP konvertiert

Das norwegische Institut für Meeresforschung beschreibt den Fleckhai als kleinen Tiefseehai der Kontinentalhänge. Meist hält er sich zwischen etwa 150 und 1.000 Metern auf, besonders häufig zwischen 200 und 500 Metern. Nachweise reichen jedoch von ungefähr 55 bis 1.873 Meter Tiefe.

Kontinentalhänge im östlichen Atlantik

Typische Böden bestehen aus Schlamm, Sand oder Kies am äußeren Kontinentalschelf und am oberen Kontinentalhang. Jungtiere leben im Durchschnitt flacher als große juvenile und ausgewachsene Tiere. Kaltwasserkorallen können als Ablageplatz für Eikapseln dienen; solche Bereiche sind daher nicht nur Aufenthaltsraum, sondern auch Kinderstube.

Die Karte zeigt ein grobes historisches Verbreitungsbild und keine aktuelle Fundhäufigkeit. Einzelne Randnachweise, Bestandsverschiebungen und die Abgrenzung zum ähnlichen Atlantischen Sägekatzenhai können auf älteren Karten fehlen. Für die Einordnung heutiger Funde sind deshalb aktuelle wissenschaftliche Erhebungen wichtiger als die scharfe Kante einer Flächenkarte.

Fleckhaie schwimmen meist langsam dicht über dem Meeresboden und suchen dort nach Beute. Sie sind keine Nahrungsspezialisten: Gefressen werden Krebstiere, Kalmare und andere Kopffüßer sowie kleine Knochenfische. Mit zunehmender Größe und Tiefe kann sich die Zusammensetzung der Nahrung deutlich verändern.

Eine wissenschaftliche Übersicht zur Ernährung im Mittelmeer beschreibt die Art als opportunistischen Räuber und Aasfresser. Neben bodennaher Beute werden auch mesopelagische Fische gefressen. Fischereiabfälle am Grund können zusätzlich genutzt werden, wodurch Schleppnetzfischerei indirekt das Nahrungsangebot verändert.

Eierlegender Jäger des Kontinentalhangs

Die Fortpflanzung erfolgt durch Eikapseln. Weibchen können mehrere Kapseln gleichzeitig in den Eileitern tragen; dokumentiert sind bis zu zwölf oder dreizehn. Die etwa fünf bis sechs Zentimeter langen Kapseln besitzen keine langen Ranken wie die Eier mancher küstennaher Katzenhaie und werden an geeignetem Hartsubstrat oder Korallen befestigt.

Eine Studie aus italienischen Gewässern bestätigt den eierlegenden, wiederholt reproduzierenden Lebenszyklus und untersuchte zugleich Plastik in Mägen und Geweben. Geschlechtsreife wird regional bei unterschiedlichen Größen erreicht; Daten aus dem Nordostatlantik nennen etwa 56 Zentimeter für Männchen und 60 Zentimeter für Weibchen.

Die IUCN Red List bewertet den Fleckhai global als nicht gefährdet. Die Einschätzung von 2020 beschreibt die Art in weiten Teilen ihres Areals als häufig und fand keine Hinweise auf einen Rückgang, der eine höhere Gefährdungskategorie rechtfertigen würde.

Die wichtigste menschengemachte Belastung ist der Beifang in Grundschleppnetzen, Stellnetzen und Langleinen. Viele Tiere werden wieder über Bord gegeben, doch Fangtiefe, Verletzungen und lange Sortierzeiten können die Überlebenschancen mindern. Unvollständige Meldungen und Verwechslungen mit nah verwandten Arten erschweren die Bestandsbeobachtung.

Häufiger Beifang trotz stabiler Gesamtbewertung

Der aktuelle Bericht von NatureScot nennt für Teilgebiete des Nordostatlantiks schwankende bis zunehmende Bestände, weist aber zugleich auf Schutz- und Fangbeschränkungen hin. Kaltwasserkorallenriffe mit Eikapseln verdienen besonderen Schutz vor grundberührenden Fanggeräten.

Der globale Status ist daher kein Freibrief für unbegrenzten Fang. Entscheidend sind artspezifische Daten, die Schonung bekannter Eiablageplätze, wirksame Beifangvermeidung und eine schnelle, möglichst schonende Rücksetzung lebender Tiere. Regionale Regeln können strenger sein als es die weltweite Rote-Liste-Kategorie vermuten lässt.

Für Taucher ist der Fleckhai kein typischer Begegnungshai. Sein Schwerpunkt liegt weit unterhalb normaler Sporttauchtiefen am Kontinentalhang. Sichtungen im erreichbaren Flachwasser sind selten und regional; selbst Forschungstauchgänge treffen die Art eher an besonderen Tiefwasser- oder Kaltwasserkorallenstandorten.

Von diesem kleinen Hai geht für Menschen keine relevante Gefahr aus. Er besitzt zwar zahlreiche kleine Zähne zum Greifen glatter Beute, zeigt aber kein Verhalten, das ihn zu einem Risiko für Schwimmer oder Taucher machen würde. Wie jedes Wildtier sollte ein beobachtetes Tier weder angefasst noch bedrängt werden.

Kein typischer Hai für Tauchbegegnungen

FishBase ordnet die Art als Fischerei von geringer kommerzieller Bedeutung ein. Größere Exemplare werden örtlich frisch oder getrocknet und gesalzen genutzt; historisch wurde auch die Haut verarbeitet. Der weitaus häufigere Kontakt entsteht jedoch als unbeabsichtigter Fang in der Tiefseefischerei.

Für Forschung und Bestandskontrolle sind korrekt bestimmte Beifänge wertvoll. Fotos von Maulinnenseite, Rückenzeichnung und Schwanzkante sowie Angaben zu Ort, Tiefe und Fanggerät helfen, Verwechslungen zu vermeiden. Lebende Tiere sollten ohne unnötige Verzögerung und mit möglichst wenig körperlichem Kontakt zurückgesetzt werden.

Steckbrief

  • Erstbeschreibung:Rafinesque, 1810
  • Max. Größe:0,90m
  • Tiefe:55 - 1.873m
  • Max. Alter:15 Jahre
  • Max. Gewicht:1,4kg
  • Wassertyp:Salzwasser
  • IUCN Status:Nicht gefährdet

Systematik

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