Kragenhai - Chlamydoselachus anguineus

Der Kragenhai besitzt einen langen, schlangen- bis aalähnlichen Körper und erreicht ungefähr zwei Meter Gesamtlänge. Der Kopf ist abgeflacht, die Schnauze sehr kurz und das große Maul liegt endständig an der Vorderkante des Kopfes. Die Färbung reicht von dunkelbraun bis graubraun; die paarigen Flossen sind klein, während Rücken-, Bauch- und Afterflosse weit hinten am Körper stehen. Die Schwanzflosse besitzt nur einen schwach ausgeprägten Unterlappen.

Das Artenporträt des Australian Museum nennt sechs Paare Kiemenspalten, eine einzelne Rückenflosse und die dreispitzige Bezahnung als zentrale Bestimmungsmerkmale. Anders als bei den meisten Haien treffen die unteren Enden des ersten Kiemenspaltenpaares unter der Kehle zusammen. Hautfalten und die roten, fransenartigen Kiemenränder bilden dort den namensgebenden ‚Kragen‘.

Sechs Kiemenspalten und der namensgebende Kragen

Die sechs Kiemenspalten liegen seitlich und reichen weit zur Unterseite. Besonders die erste Falte umschließt die Kehle beinahe wie ein lockerer Saum. Bei geöffneten Spalten werden die stark durchbluteten Kiemenfilamente sichtbar. Dieses Merkmal unterscheidet Kragenhaie nicht nur von den meisten fünfkiemigen Haiordnungen, sondern auch von den verwandten Kammzähnerhaien innerhalb der Hexanchiformes.

Kragenhai von schräg hinten mit geöffneten Kiemenspalten
OpenCage, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons; in WebP konvertiert

Weites Maul und Reihen dreispitziger Zähne

Das Maul kann sehr weit geöffnet werden. In beiden Kiefern stehen zahlreiche kleine Zähne in lockeren Reihen. Jeder Zahn trägt drei lange, nach hinten gebogene Hauptspitzen; kleine Nebenspitzen können an der Basis hinzukommen. Die hellen Zahnreihen heben sich deutlich vom dunklen Mundraum ab. Abgenutzte Zähne am Kieferrand werden fortlaufend durch nachrückende Zähne aus den hinteren Reihen ersetzt.

Geöffnetes Maul des Kragenhais mit Reihen dreispitziger Zähne
OpenCage, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons; in WebP konvertiert

Die Kombination aus endständigem Maul, beweglichen Kiefern und vielen schlanken Hakenzähnen eignet sich dazu, weiche und glatte Beute wie Tintenfische festzuhalten. Der lange Körper kann sich stark biegen, ist aber nicht wie der eines Aals gebaut: Der Kragenhai bleibt ein Knorpelfisch mit typischer Haihaut, paarigen Brust- und Bauchflossen, Seitenliniensystem und Elektrorezeptoren am Kopf.

  • schlanker, dunkel gefärbter Körper mit sehr kurzer Schnauze
  • sechs Paare fransenartig geränderter Kiemenspalten
  • endständiges, weit zu öffnendes Maul mit dreispitzigen Zähnen
  • eine einzelne, weit hinten sitzende Rückenflosse
  • lange Schwanzflosse ohne deutlich abgesetzten unteren Lappen

Der Kragenhai ist weit, aber ausgesprochen lückenhaft im Atlantik und Pazifik verbreitet. Nachweise liegen unter anderem aus dem östlichen Atlantik von Norwegen bis Westafrika, aus Teilen des westlichen Atlantiks, vor Japan und Neuseeland sowie im östlichen Pazifik von Kalifornien in den USA bis Chile vor. Zwischen diesen Regionen fehlen große Flächen mit gesicherten Funden. Die Verbreitung darf deshalb nicht als zusammenhängender Gürtel verstanden werden.

Verbreitungskarte des Kragenhais Chlamydoselachus anguineus
Chris_huh, aktualisiert von Yzx, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons; nach Compagno, Dando & Fowler (2005), in WebP konvertiert

Äußerer Schelf und Kontinentalhang

FishBase ordnet Chlamydoselachus anguineus als bathydemersale Tiefseeart ein. Die meisten Fänge stammen vom äußeren Kontinental- oder Inselschelf und vom oberen Kontinentalhang. Als gewöhnlicher Tiefenbereich werden etwa 120 bis 1.280 Meter genannt; dokumentierte Einzelfänge reichen bis ungefähr 1.570 Meter. Regional wird die Art besonders häufig zwischen rund 500 und 1.000 Metern nachgewiesen.

Der Hai hält sich über Schlamm- und Sandböden, an steilen Hängen und an den Rändern unterseeischer Rinnen auf. Er kann dicht über dem Boden schwimmen, nutzt aber auch die bodennahe Wassersäule. Temperatur, Topografie, Beuteangebot und die Lage sauerstoffreicher Wasserschichten bestimmen, welche Abschnitte eines Kontinentalhangs tatsächlich genutzt werden.

Eine Karte mit historischem Datenstand

Die hier gezeigte Karte wurde 2007 auf Grundlage von ‚Sharks of the World‘ (2005) erstellt und später grafisch aktualisiert. Sie zeigt den damals zusammengefassten Kenntnisstand, nicht die Häufigkeit der Art. Zudem wurde Chlamydoselachus africana erst 2009 wissenschaftlich beschrieben. Ältere Funde aus dem südlichen Afrika können daher neu bewertet oder einer der beiden Arten nicht sicher zugeordnet worden sein.

Seltene Fänge an der Oberfläche sind kein Hinweis auf einen typischen Flachwasserlebensraum. Sie betreffen meist geschwächte Tiere, besondere hydrographische Bedingungen oder Fänge über steil abfallendem Grund. Für die Einordnung eines Nachweises sind deshalb Fangtiefe, Position, Wassertemperatur und eine überprüfbare Artbestimmung wichtiger als die reine Entfernung zur Küste.

Der Kragenhai lebt langsam und energiesparend in einem lichtarmen Tiefseelebensraum. Sein langgestreckter Körper wirkt beweglich, ist aber nicht auf dauerhafte hohe Geschwindigkeit ausgelegt. Wahrscheinlich nähert er sich Beute ruhig und schlägt auf kurze Distanz zu. Das endständige Maul, die dehnbaren Kiefer und die zahlreichen Hakenzähne helfen, Beute festzuhalten, die im freien Wasser schwer zu greifen ist.

Tintenfische, Fische und andere Knorpelfische

Untersuchte Mageninhalte enthalten vor allem Tintenfische, daneben Knochenfische und andere Knorpelfische. Viele gefangene Tiere haben einen leeren oder stark verdauten Magen, weshalb die genaue Bedeutung einzelner Beutegruppen schwer zu bestimmen ist. Die großen Augen und das empfindliche Seitenlinien- und Elektrorezeptionssystem unterstützen die Jagd, wenn nur wenig Restlicht vorhanden ist.

Wie genau ein Kragenhai angreift, wurde in natürlicher Umgebung kaum beobachtet. Der häufig wiederholte Vergleich mit einem zuschnappenden Schlangenkopf ist daher eine plausible, aber nicht vollständig belegte Deutung. Gesichert ist, dass die Kiefer weit vorgeschoben und geöffnet werden können und dass die nach hinten gerichteten Zahnspitzen ein Entkommen weicher Beute erschweren.

Aplazentale Lebendgeburt

Die Reproduktionsstudie aus der Suruga-Bucht beschreibt eine aplazentale Viviparie: Die Eier verbleiben im Muttertier, die Embryonen schlüpfen im Uterus und leben während ihrer Entwicklung überwiegend vom großen Dottervorrat. Eine Plazenta wie bei manchen Grundhaien entsteht nicht. Würfe umfassen meist wenige Jungtiere; publizierte Angaben reichen ungefähr von zwei bis 15. Bei der Geburt sind die Jungen bereits rund 40 bis 60 Zentimeter lang.

Die Studie zur Embryonalentwicklung fasst Schätzungen zusammen, nach denen die Embryonen nur etwa 10 bis 17 Millimeter pro Monat wachsen. Daraus wurde eine mögliche Tragzeit von bis zu dreieinhalb Jahren abgeleitet; andere Berechnungen liegen bei etwa ein bis zwei Jahren. Weil Paarung, frühe Trächtigkeit und Geburt in der Tiefsee kaum direkt beobachtet werden, sollte die extreme Höchstschätzung nicht als exakt gemessene Dauer dargestellt werden.

Reife Weibchen werden größer als Männchen. Die Kombination aus später Geschlechtsreife, kleinen Würfen und langer Embryonalentwicklung begrenzt die Zahl der Nachkommen. Für das Populationswachstum ist daher nicht nur die Anzahl gefangener Tiere entscheidend, sondern auch, ob unter ihnen große trächtige Weibchen oder Jungtiere aus räumlich begrenzten Aufwuchsgebieten sind.

Die IUCN Red List führt den Kragenhai weltweit als nicht gefährdet (Least Concern). Die Einstufung bedeutet nicht, dass die Art gegen Fischereidruck unempfindlich ist. Sie berücksichtigt das sehr große Gesamtareal, das Fehlen einer bedeutenden gezielten Fischerei und die verfügbaren Bestandsinformationen, die regional allerdings lückenhaft bleiben.

Beifang in der Tiefseefischerei

Kragenhaie geraten gelegentlich in Grundschleppnetze, Kiemennetze und Langleinen, die am äußeren Schelf oder Kontinentalhang eingesetzt werden. Ein Teil der Tiere wird als Fischmehl oder lokal als Speisefisch genutzt, viele Fänge werden verworfen. Auch zurückgesetzte Tiere können an Verletzungen, langer Fangdauer, Druckveränderungen und der Zeit an Deck sterben.

Die Fortpflanzungsbiologie erhöht die Vorsicht: wenige Jungtiere und eine sehr lange Embryonalentwicklung lassen schnelle Bestandserholungen unwahrscheinlich erscheinen. Gleichzeitig schützt die weite, fleckenhafte Verbreitung einen Teil der Population vor lokalem Fischereidruck. Diese beiden Faktoren erklären, warum eine globale Least-Concern-Einstufung und eine hohe biologische Empfindlichkeit nebeneinander bestehen können.

Was für den Schutz besonders wichtig ist

  • Beifänge auf Artebene statt nur als nicht näher bestimmte Tiefseehaie erfassen.
  • Fangtiefe, Geschlecht, Größe und Zustand beim Zurücksetzen dokumentieren.
  • Räumliche Konzentrationen trächtiger Weibchen oder Jungtiere früh erkennen.
  • Fangdauer und Zeit an Deck verkürzen und lebende Tiere möglichst schonend lösen.
  • Tiefseefischerei so steuern, dass empfindliche Hanghabitate nicht dauerhaft überfischt werden.

Bestandstrends sind schwer zu berechnen, weil die Art selten ist, oft nicht bis zur Art bestimmt wird und ältere Datensätze Fänge des erst 2009 beschriebenen Südafrikanischen Kragenhais enthalten können. Langfristige Forschungsserien und überprüfbare Fotos oder Gewebeproben verbessern deshalb nicht nur die Verbreitungskarte, sondern auch die Bewertung regionaler Risiken.

Für Menschen im Wasser stellt der Kragenhai keine bekannte Gefahr dar. Sein typischer Lebensraum liegt weit unterhalb sicherer Sporttauchtiefen, und die Art ist selbst bei Tiefseefahrten selten. Begegnungen entstehen meist als Beifang, bei wissenschaftlichen Probenahmen oder durch Kameras an ferngesteuerten und bemannten Tiefseefahrzeugen.

Der FAO-Artenkatalog beschreibt die Art als für Menschen im Wasser harmlos, weist aber auf die scharfen Zähne hin. Ein gefangenes Tier sollte daher nicht am Maul oder an den Kiemen angefasst werden. Geeignetes Lösewerkzeug, Handschutz, möglichst kurze Luftzeit und die rasche Rückführung in die Fangtiefe verringern Verletzungen für Tier und Mensch.

Keine planbare Art für Haitaucher

Ein gezielter Tauchgang mit Kragenhaien lässt sich nicht seriös anbieten. Das Heraufholen eines Tiefseetiers für Fotos oder Schauzwecke verursacht starken Temperatur- und Druckstress und ist keine verantwortungsvolle Begegnungsform. Aussagekräftiger sind ROV-Aufnahmen in natürlicher Tiefe, bei denen Position, Tiefe, Temperatur und Verhalten dokumentiert werden.

Nutzung, Forschung und öffentliche Wahrnehmung

Kragenhaie besitzen nur geringe kommerzielle Bedeutung. Regional werden Beifänge zu Fischmehl verarbeitet oder als Nahrung genutzt; ein großer Teil hat keinen Marktwert. Für die Forschung sind gut dokumentierte Fänge dennoch wertvoll, weil sie Daten zu Verbreitung, Fortpflanzung und Artabgrenzung liefern. Eine Probe sollte jedoch nie den schonenden Umgang mit einem lebenden Tier ersetzen.

In Medien wird der Kragenhai oft als ‚lebendes Fossil‘ bezeichnet. Der Ausdruck verweist auf einen Körperbau, der an frühe Linien der Haie erinnert, darf aber nicht wörtlich genommen werden: Die heute lebende Art ist kein seit Urzeiten unverändertes Fossil, sondern Teil einer eigenständigen, weiter evolvierenden Linie. Präzise Sprache macht ihre ungewöhnliche Anatomie interessanter, ohne wissenschaftlich unhaltbare Altersangaben zu wiederholen.

  • Sichtung oder Fang mit Datum, Koordinaten, Tiefe und Fotos dokumentieren.
  • Ein lebendes Tier nicht am Maul, an den Kiemen oder am Schwanz hochheben.
  • Verwechslungen mit Chlamydoselachus africana bei südafrikanischen Funden berücksichtigen.
  • ROV-Beobachtungen dem Herausbringen eines Tieres aus der Tiefsee vorziehen.

Steckbrief

  • Erstbeschreibung:Garman, 1884
  • Max. Größe:2,0m
  • Tiefe:17 - 1570m
  • Max. Alter: Jahre
  • Max. Gewicht:kg
  • Wassertyp:Salzwasser
  • IUCN Status:Nicht gefährdet

Systematik

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