Wissenschaftler entdecken bedrohte Hammerhaie, ohne sie zu sehen

Wissenschaftler haben eine innovative eDNA-Methode entwickelt, mit der stark vom Aussterben bedrohte Hammerhai-Arten allein durch Meerwasserproben nachgewiesen werden können – ohne je ein Tier gesehen zu haben.

Ronny K7. Februar 2026
Bogenstirn hammerhai sphyrna lewini schule
Seawatch.org , Attribution, via Wikimedia Commons

Forscher der Florida International University haben eine bahnbrechende Methode vorgestellt, mit der sich seltene und stark gefährdete Hammerhai-Arten anhand von genetischen Spuren im Meerwasser nachweisen lassen – ganz ohne die Tiere direkt zu beobachten oder zu fangen.

Die Technik basiert auf dem Nachweis von environmental DNA (eDNA): Winzige Bruchstücke von genetischem Material, die Haie im Wasser hinterlassen, werden gesammelt und analysiert. Schon ein Tropfen Meerwasser kann genügend Hinweise liefern, um zu erkennen, ob eine bestimmte Art in einem Gebiet vorkommt.

Ein Durchbruch für seltene Küstenhaie

Insbesondere kleine Hammerhai-Arten wie der Scalloped bonnethead, der Scoophead und der Pacific bonnethead gelten laut IUCN als stark gefährdet und sind für Forscher extrem schwer zu finden. Überfischung und der Verlust von Lebensräumen haben ihre Bestände so weit reduziert, dass traditionelle Sichtungs- oder Fangmethoden nur selten Erfolg hatten.

Die eDNA-Methode bietet hier einen Wendepunkt: Forscher können gezielt Küstenbereiche von Mexiko bis Nordperu untersuchen und Hotspots identifizieren, an denen Schutzmaßnahmen am dringendsten nötig sind.

Wie die Methode funktioniert

Die Analyse funktioniert ohne Eingriff in die Lebenswelt der Haie. Statt Netze auszuwerfen oder Tauchteams einzusetzen, werden Wasserproben entnommen und im Labor auf genetische Spuren durchsucht. Diese Spuren entsprechen dem genetischen „Fingerabdruck“ der jeweiligen Haiart und zeigen an, dass ein Tier sich kürzlich im Wasser aufgehalten hat.

Dadurch können Forscher herausfinden, wo sich Haie aufhalten, wie weit ihre Verbreitungsgebiete reichen und welche Regionen besonders schützenswert sind – ohne die Tiere in ihrem ohnehin schon gefährdeten Lebensraum weiter zu belasten.

Bedeutung für Artenschutz und Forschung

Für die betroffenen Arten, die in abgelegenen Küstengewässern leben und seit Jahrzehnten kaum gesehen wurden, ist diese neue Methode ein Hoffnungsschimmer. In einigen Regionen, etwa im Uramba/Bahía Málaga National Natural Park in Kolumbien, konnten Wissenschaftler anhand der neuen Technik genetische Spuren gleich mehrerer Arten nachweisen.

Zudem eröffnet der eDNA-Ansatz Perspektiven für andere schwer nachweisbare Meerestiere: Die Wasserproben können langfristig gespeichert und später erneut ausgewertet werden, um noch mehr über die Biodiversität und Veränderungen in marinen Ökosystemen zu erfahren.

Quellen

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