Frühe Menschen jagten und aßen bereits vor 7.000 Jahren Haie

Archäologische Entdeckungen im Oman stellen bisherige Annahmen über die Ernährung früher Menschen und die Nutzung mariner Ressourcen infrage.

Ronny K13. Februar 2026
Sandküste im Oman

Archäologen haben überzeugende Hinweise darauf gefunden, dass Menschen bereits vor rund 7.000 Jahren aktiv Haie jagten und verzehrten. Eine Entdeckung, die unser Verständnis früher Küstengesellschaften und ihrer Beziehung zu großen Meeresräubern neu bewertet.

Die Funde stammen aus einer neolithischen Begräbnisstätte in Wadi Nafūn im heutigen Oman. Bei der Analyse menschlicher Überreste stellten Forschende chemische Signaturen fest, die auf eine stark marine geprägte Ernährung hindeuten – einschließlich Spitzenprädatoren wie Haien.

Chemische Hinweise in uralten Zähnen

Aufgrund der extremen Wüstenbedingungen der Region waren organische Überreste nur schlecht erhalten. Um dennoch Aussagen zur Ernährung treffen zu können, nutzten Wissenschaftler die Methode der stabilen Isotopenanalyse an mineralischen Bestandteilen von Zähnen und Knochen. Die Ergebnisse zeigten erhöhte Stickstoff- und Kohlenstoff-Isotopenwerte, wie sie typisch für den regelmäßigen Verzehr von Meerestieren am oberen Ende der Nahrungskette sind.

Die Daten sprechen dafür, dass Haifleisch kein seltener oder zufälliger Bestandteil der Ernährung war, sondern eine bedeutende und wiederkehrende Nahrungsquelle für diese Gemeinschaft darstellte.

Zusätzliche Funde am Fundort, darunter Haizähne und Stachelrochenstacheln, stützen die Annahme, dass die neolithische Bevölkerung marine Ressourcen gezielt nutzte.

Eine maritime Kultur mit Anpassungsfähigkeit

Der Begräbniskomplex, in dem die Überreste von mehr als 70 Individuen entdeckt wurden, war über mehrere Jahrhunderte hinweg in Nutzung. Diese langfristige Belegung deutet darauf hin, dass der Haifang fest in die Lebens- und Ernährungsweise der Gemeinschaft integriert war und keine einmalige Erscheinung darstellte.

Die Ergebnisse stellen die lange vertretene Annahme infrage, dass frühe menschliche Gruppen vor allem auf terrestrische Jagd- und Sammelwirtschaft angewiesen waren, bevor sich die Landwirtschaft verbreitete. Stattdessen zeigt sich das Bild einer anpassungsfähigen Gesellschaft, die in der Lage war, auch große und potenziell gefährliche Meeresräuber gezielt zu nutzen.

Nach Einschätzung der Forschenden könnte es sich um einige der bislang frühesten direkten Belege für eine systematische Haijagd durch den Menschen handeln.

Neue Perspektiven auf die Ernährung früher Gesellschaften

Die Studie reiht sich in eine wachsende Zahl von Forschungsarbeiten ein, die nahelegen, dass prähistorische Küstenpopulationen technologisch versierter und ökologisch differenzierter agierten als lange angenommen.

Weitere Untersuchungen, unter anderem mikroskopische Analysen von Zahnstein, sollen klären, welche Haiarten konkret verzehrt wurden und wie sich die Gesamtzusammensetzung der Ernährung genauer beschreiben lässt.

Die Entdeckung unterstreicht nicht nur die Anpassungsfähigkeit früher Menschen, sondern auch die lange und komplexe Beziehung zwischen Mensch und Hai, eine Verbindung, die sich über Jahrtausende erstreckt.

Quellen

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