Stumpfnasen-Sechskiemerhai - Hexanchus griseus

Körperbau, Merkmale & Anatomie
Der Stumpfnasen-Sechskiemerhai Hexanchus griseus ist einer der größten heute lebenden Kammzähnerhaie. WoRMS führt den Namen als gültige Art; auf Haitauchen steht sie innerhalb der Selachii, der Squalomorphi, der Hexanchiformes, der Familie Hexanchidae und der Gattung Hexanchus.
FishBase beschreibt die Art als schweren, breitköpfigen Sechskiemerhai mit bauchständigem Maul, sechs Reihen klingen- bis kammförmiger Unterkieferzähne auf jeder Seite, grauer bis brauner Oberseite, heller Unterseite, hellen Flossenrändern und lebend oft auffallend grün schimmernden Augen.
Sechs Kiemenspalten und eine Rückenflosse
Das wichtigste Erkennungsmerkmal sind sechs sehr lange Kiemenspalten pro Seite. Die meisten bekannten Haie haben fünf. Dazu kommt nur eine einzelne Rückenflosse, die weit hinten am Körper nahe der Schwanzwurzel sitzt. Der Kopf ist breit und stumpf, die Schnauze kurz gerundet, der Körper kräftig und spindelförmig.
- Oberkieferzähne greifen und halten, während die breiten Unterkieferzähne wie eine Schneidkante arbeiten.
- Die Analflosse ist kleiner als die Rückenflosse; der Schwanz ist kräftig und passt zu einem langsamen, aber durchsetzungsfähigen Schwimmer.
- Erwachsene Tiere können deutlich über drei Meter lang werden; einzelne Quellen nennen Maximalwerte bis etwa sechs Meter.
- Jungtiere und kleinere Tiere werden eher in flacheren Bereichen dokumentiert, große Tiere meist tiefer und lichtärmer.
Für die Bestimmung ist diese Kombination sehr stark: großer, massiger Tiefseehai, stumpfe Schnauze, sechs Kiemenspalten, nur eine weit hinten liegende Rückenflosse und kammartige Unterkieferzähne. Der kleinere Großaugen-Sechskiemerhai wirkt schlanker, hat relativ größere Augen und bleibt deutlich kleiner.
Verbreitung & Lebensraum
Der Stumpfnasen-Sechskiemerhai ist weltweit, aber lückenhaft verbreitet. Shark-References fasst die Art als tropisch bis gemäßigt circumglobal zusammen: im westlichen und östlichen Atlantik, im Indischen Ozean, im westlichen Pazifik von Ostasien bis Neuseeland und Hawaii sowie im östlichen Pazifik von Alaska und den Aleuten bis Baja California und Chile.
Die weite Verbreitung darf nicht als überall häufig verstanden werden. Die Art ist patchy verteilt, wird in vielen Regionen nur gelegentlich nachgewiesen und hängt stark an steilen Schelfrändern, Tiefseezugängen, Inselhängen, Seamounts und oberen Kontinentalabhängen. Auch im Mittelmeer wird sie registriert, bleibt dort aber eine große, selten sichtbare Tiefwasserart.
Tiefe, Temperatur und Tagesrhythmus
Typisch sind äußere Schelfe, obere Hänge und tiefe Rinnen. Der dokumentierte Tiefenrahmen reicht von sehr flachem Wasser bis etwa 2.500 Meter; regelmäßiger werden erwachsene Tiere im tiefen, kühleren Bereich genannt. Jungtiere können näher an der Küste vorkommen, besonders dort, wo tiefe Hänge, Buchten oder Fjorde nah an flache Kinderstuben anschließen.
Für Taucher heißt das: Begegnungen sind möglich, aber nicht das klassische Riffhai-Szenario. Plausibel sind sie vor allem an Orten mit unmittelbarem Tiefwasserzugang, bei Nacht, in trübem oder planktonreichem Wasser, bei Remote-Video-Systemen, Submersibles oder speziellen Tiefwasser-Beobachtungen. Normale Sporttauchgänge sehen die Art nur ausnahmsweise.
Lebensweise, Ernährung & Fortpflanzung
Stumpfnasen-Sechskiemerhaie sind große, opportunistische Räuber und Aasnutzer der Tief- und Hangzonen. Sie ruhen oder patrouillieren häufig nahe am Grund, können aber vertikal wandern und nachts höher in die Wassersäule oder Richtung Oberfläche kommen.
Ein Fallbericht in Mediterranean Marine Science dokumentierte einen im Golf von Valencia gefangenen reifen männlichen Stumpfnasen-Sechskiemerhai aus 550 bis 730 Metern Tiefe; im Magen wurden Reste eines Streifendelfin-Kalbs molekular bestimmt. Solche Befunde passen zu einer Art, die sowohl aktiv jagt als auch Kadaver und Fischereireste nutzen kann.
Breites Beutespektrum
Zum Nahrungsspektrum gehören Knochenfische, Rochen, andere Haie, Chimären, Kopffüßer, Krebstiere, Aas und größere Meerestiere. Der breite Kopf, die kräftigen Kiefer und die kammförmigen Unterkieferzähne erlauben Greifen, Sägen und Zerteilen. Dadurch kann die Art sehr unterschiedliche Beutequellen nutzen, statt auf ein enges Jagdmuster festgelegt zu sein.
Fortpflanzung und Jungtiere
Die Art ist lebendgebärend. Die Embryonen entwickeln sich im Muttertier zunächst über den Dotter, und die Würfe können außergewöhnlich groß sein; in Übersichten werden mehrere Dutzend bis über hundert Jungtiere genannt. Neugeborene sind bereits große Jungfische und nutzen offenbar flachere, geschützte Küsten- oder Schelfbereiche als Kinderstuben.
Diese Lebensgeschichte verbindet zwei Gegensätze: große Würfe auf der einen Seite, aber langsames Wachstum, späte Reife und eine lange Lebensdauer auf der anderen. Deshalb können lokale Bestände trotz weiter Verbreitung empfindlich reagieren, wenn regelmäßig große, geschlechtsreife Tiere entnommen werden.
Bedrohung & Schutzstatus
Die IUCN Red List stuft den Stumpfnasen-Sechskiemerhai global als potenziell gefährdet ein. Die Einstufung spiegelt nicht eine einzelne akute Bedrohung überall wider, sondern die Kombination aus großem, aber lückigem Areal, tiefer Lebensweise, späten Lebensgeschichtsmerkmalen und Fischereidruck.
Der fish.gov.au Shark Report nennt die Art für Australien selten, aber überwacht, und bewertet sie dort regional als weniger bedroht als global. Gleichzeitig hebt der Bericht hervor, dass sie als Beifang in mehreren Fanggeräten auftreten kann und bei intensiver, gezielter Nutzung nicht dauerhaft belastbar ist.
Wichtigste Belastungen
- Beifang: Longlines, Handlines, Kiemennetze, Trammelnetze, Fallen sowie pelagische und bodennahe Schleppnetze können die Art erfassen.
- Gezielte Nutzung: Fleisch, Leberöl, Fischmehl und Sportfischerei spielen regional eine Rolle.
- Späte Reife: Große, adulte Tiere ersetzen sich langsam; eine Entnahme reifer Weibchen wirkt deshalb lange nach.
- Lückenhafte Daten: Tiefe Lebensräume, seltene Sichtungen und regionale Bestandsunterschiede erschweren belastbare Trends.
- Kinderstuben: Flachere Jungtierbereiche können zugleich stark genutzte Küstenräume sein.
Guter Schutz braucht artgenaue Fangdaten, vorsichtige Rücksetzpraxis, Beifangminderung, Schonung großer Tiere und Aufmerksamkeit für lokale Vorkommen. Gerade bei weit verbreiteten Tiefwasserhaien ist der entscheidende Punkt oft nicht das globale Areal, sondern die Frage, ob regionale Teilbestände über Jahre stabil bleiben.
Stumpfnasen-Sechskiemerhai & Mensch
Für Menschen ist der Stumpfnasen-Sechskiemerhai kein typischer Strand- oder Riffhai. Er lebt meist tief, erscheint nur gelegentlich in für Taucher erreichbaren Zonen und meidet direkten Kontakt eher, als dass er Menschen aktiv aufsucht.
Das Florida Museum beschreibt die Art als nicht als Gefahr für Menschen geltend, solange sie nicht provoziert wird. Zugleich ist sie ein großer, kräftiger Hai: Tiere sollten nie angefasst, eingekreist, gefüttert oder bei Fang- und Ködersituationen unterschätzt werden.
Begegnungen beim Tauchen
- Abstand halten und den Fluchtweg ins Tiefwasser offen lassen.
- Keine Berührung, kein Ziehen an Schwanz oder Flossen und kein Versuch, das Tier für Fotos zu positionieren.
- Bei Köder, Fischereiresten oder gefangenen Fischen besonders defensiv bleiben.
- Beobachtungen mit Ort, Tiefe, Tageszeit, Verhalten und Foto dokumentieren, weil Sichtungsdaten für tiefe Arten wertvoll sind.
Für Haitauchen ist Hexanchus griseus eine Erinnerung daran, dass Hai-Begegnungen nicht nur an sonnigen Korallenriffen stattfinden. Tiefwasserhänge, Fjorde, Kelpzonen, trübe Schelfränder und technische Beobachtungsmethoden zeigen einen anderen Teil der Haiwelt: weniger planbar, oft kurz, aber biologisch besonders eindrucksvoll.
In der Fischerei ist die Art dagegen viel direkter mit Menschen verbunden. Dort entscheidet gutes Management darüber, ob Fänge dokumentiert, begrenzt und möglichst schonend behandelt werden. Für Taucher und Forschende ist jede ruhige, nicht-invasive Sichtung ein besserer Beitrag als spektakuläre Nähe.
Steckbrief
- Erstbeschreibung:
- Max. Größe:
- Tiefe:
- Max. Alter:
- Max. Gewicht:
- Wassertyp:
- IUCN Status:
Systematik
- Reich:
- Stamm:
- Unterstamm:
- Infrastamm:
- Parvstamm:
- Klasse:
- Teilklasse:
- Überordnung:
- Ordnung:
- Familie:
- Gattung:



