Toter Sechskiemerhai vor Follonica: Rätsel um Tiefsee-Fund

Vor Follonica wurde ein rund 4,5 Meter langer Stumpfnasen-Sechskiemerhai tot geborgen. Bei der ersten Untersuchung fanden Fachleute keine offensichtliche Todesursache.

Sharky2. Juli 2026
Stumpfnasen-Sechskiemerhai am Strand von Follonica
Stumpfnasen-Sechskiemerhai am Strand von Follonica. Quelle: YouTube.

Vor der Küste von Follonica in der südlichen Toskana ist ein großer Stumpfnasen-Sechskiemerhai tot geborgen worden. Das Tier wurde nach dem Fund vor der Spiaggia del Tony’s in den Hafen von Scarlino gebracht, wo Fachleute die erste wissenschaftliche Untersuchung vornahmen.

Das italienische Lokalmedium MaremmaOggi berichtet, dass es sich um ein weibliches Exemplar von Hexanchus griseus mit ungefähr 4,5 Metern Länge handelt. Die Sektion wurde von Primo Micarelli vom Centro Studi Squali in Massa Marittima durchgeführt; beteiligt waren außerdem Letizia Marsili von der Universität Siena und das Team des Labors MagiaMare.

Keine offensichtliche Todesursache

Nach der ersten Untersuchung gab es laut Micarelli keine klare äußere Erklärung für den Tod. Das Tier sei nahezu unversehrt geborgen worden, habe erst seit etwa 24 Stunden tot im Wasser gelegen und zeigte dem Bericht zufolge noch keine normalen Spuren fortgeschrittener Verwesung.

Genau diese Ausgangslage macht den Fund wissenschaftlich interessant. Wenn weder Verletzungen noch ein unmittelbar erkennbarer äußerer Auslöser zu sehen sind, müssen Gewebeproben, Laboranalysen und der Zustand innerer Organe klären, ob Krankheit, Alter, Umweltfaktoren oder andere Ursachen eine Rolle gespielt haben könnten.

Proben gehen in mehrere Labore

Das gesammelte biologische Material soll nun in Laboren der Universität Siena, bei Arpat und beim Istituto Zooprofilattico untersucht werden. Erst diese Analysen können zeigen, ob der Fund über den Einzelfall hinaus Hinweise auf Gesundheitszustand, Ernährung, Belastungen oder mögliche Todesursachen des Tieres liefert.

Für eine Einordnung ist wichtig: Der bisherige Befund ist vorläufig. Aus der ersten Sektion folgt nicht automatisch, dass es keine Ursache gab, sondern nur, dass sie äußerlich und unmittelbar nicht erkennbar war. Gerade bei großen Tiefwasserhaien kann die eigentliche Erklärung erst nach Laborarbeit sichtbar werden.

Ein Hai aus der Tiefe

Der Stumpfnasen-Sechskiemerhai ist kein typischer Küsten- oder Badezonenhai. Micarelli ordnet die Art als Tiefwasserbewohner ein, der normalerweise in mehreren hundert Metern Tiefe lebt und nur selten in deutlich flachere Bereiche aufsteigt. Dass ein so großes Tier nahe an die Küste gelangt, bleibt deshalb ungewöhnlich.

Gleichzeitig betonte der Experte gegenüber MaremmaOggi, dass von der Art kein Anlass zur Sorge für Badegäste ausgeht. Das Tier war tot geborgen worden, und der Stumpfnasen-Sechskiemerhai lebt nicht als gewöhnlicher Begleiter von Stränden oder flachen Badebuchten.

Nicht der erste Fund in der Region

Für Micarelli ist ein solcher Fund an der maremmanischen Küste nicht völlig ohne Vorgeschichte. 2016 sei bei Marina di Grosseto bereits ein männlicher Stumpfnasen-Sechskiemerhai von knapp drei Metern Länge geborgen worden; einige seiner Zähne befinden sich heute im Haifischmuseum von Massa Marittima.

Warum einzelne Tiere aus der Tiefe bis in Küstennähe gelangen, bleibt in solchen Fällen schwer zu erklären. Gerade deshalb sind dokumentierte Funde wichtig: Sie liefern seltene Daten über eine Art, die zwar im Mittelmeer vorkommt, aber von Menschen nur gelegentlich gesehen oder geborgen wird.

Warum der Fall für Haitauchen relevant ist

Für Taucherinnen und Taucher ist der Fall weniger eine Begegnungsgeschichte als ein Blick in die verborgene Haiwelt unterhalb der üblichen Sporttiefen. Stumpfnasen-Sechskiemerhaie zeigen, dass das Mittelmeer nicht nur aus sichtbaren Küstenarten besteht, sondern auch mit tief lebenden Haien verbunden ist, die nur in Ausnahmefällen an die Oberfläche der öffentlichen Wahrnehmung kommen.

Der Fund vor Follonica ist deshalb kein Grund zur Dramatisierung, aber ein guter Anlass für genaue Forschung. Wenn die Laboranalysen mehr über Ursache, Gesundheitszustand oder letzte Lebensphase des Tieres zeigen, kann aus einem auffälligen Strandfund ein wertvoller Datensatz zur Biologie großer Tiefwasserhaie im Mittelmeer werden.

Erwähnte Arten

Stumpfnasen Sechskiemerhai Hexanchus griseus in der Tiefsee

Stumpfnasen-Sechskiemerhai

Quellen

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