Breitnasen-Siebenkiemerhai - Notorynchus cepedianus

Körperbau, Merkmale & Anatomie
Der Breitnasen-Siebenkiemerhai Notorynchus cepedianus gehört zu den Hexanchiformes und zur Familie Hexanchidae. Sein auffälligstes Merkmal sind sieben Kiemenspalten auf jeder Seite; die meisten bekannten Haiarten besitzen nur fünf. Dazu kommen ein breiter, stumpfer Kopf, kleine Augen und nur eine einzelne Rückenflosse, die weit hinten auf dem Körper sitzt.
Das Australian Museum beschreibt die Art als großen, breitköpfigen Kammzähnerhai, der mindestens 3 Meter Länge erreicht. Die Oberseite ist silbrig grau, olivbraun oder rötlich braun, die Unterseite hell. Auf Körper und Flossen liegen viele kleine dunkle und helle Punkte, die besonders bei Jungtieren und in klarem Wasser gut sichtbar sein können.
Zähne und Kiefer
Die unteren Zähne sind breit und kammartig, während die oberen Zähne stärker zum Festhalten geeignet sind. Diese Kombination passt zu einem kräftigen Räuber, der Fische, andere Knorpelfische und größere Beute greifen, schneiden und zerteilen kann. Gerade die kammförmigen Unterkieferzähne unterscheiden die Art deutlich von vielen fünfkiemigen Hochsee- und Riffhaien.
Einordnung
Innerhalb der Squalomorphi steht die Gattung Notorynchus für eine sehr eigene Linie der modernen Haie. Für Taucher ist das praktisch: Wer einen großen, gefleckten Hai mit breiter Schnauze, nur einer Rückenflosse und sieben Kiemenspalten sieht, hat ein sehr starkes Bestimmungsmerkmal.
Verbreitung & Lebensraum
Der Breitnasen-Siebenkiemerhai ist weit verbreitet, aber lückig in gemäßigten und subtropischen Küstenmeeren. Sein Verbreitungsbild verbindet den südlichen Atlantischen Ozean, den Indischen Ozean und den Pazifischen Ozean; im Nordatlantik und im Mittelmeer fehlt die Art.
FishBase nennt für die Art ein circumglobales Küstenmuster: im Südwestatlantik von Brasilien bis Argentinien, im Südostatlantik von Namibia bis Südafrika, im Westpazifik von Japan über China, Taiwan, Australien und Neuseeland sowie im Ostpazifik von Kanada über die USA, Mexiko und Peru bis Chile. Auch Uruguay liegt im südwestatlantischen Zusammenhang.

Küsten, Buchten und Schelfkanten
Die Art nutzt marine und brackige Lebensräume von der Wasseroberfläche bis etwa 570 Meter Tiefe, kommt aber häufig in flachen Küstengewässern vor. Buchten, Ästuare, tiefe Rinnen, felsige Böden, Sand- und Schlammböden gehören zum Spektrum. Jungtiere halten sich oft in flachen, geschützten Bereichen auf, während große Tiere auch tiefer und weiter draußen vorkommen.
Wichtig ist: Die weite Weltverbreitung bedeutet nicht automatisch, dass alle Tiere zu einem zusammenhängenden Bestand gehören. Genetische und markierungsbasierte Arbeiten deuten auf getrennte regionale Bestände hin, die lokal unterschiedlich stark von Fischerei und Küstenveränderung betroffen sein können.
Lebensweise, Ernährung & Fortpflanzung
Breitnasen-Siebenkiemerhaie sind aktive, opportunistische Räuber und Aasnutzer. Sie patrouillieren oft langsam nahe am Grund, können beim Angriff aber schnell beschleunigen. Ihr breites Nahrungsspektrum macht sie in vielen kühlen Küstenökosystemen zu wichtigen Räubern innerhalb der Haie.
Das Florida Museum beschreibt die Art als kräftigen Cowshark, der Fische, Rochen, andere Haie, Meeressäuger und Aas nutzen kann. Bei größerer Beute wurde auch Gruppenjagd beschrieben; zugleich können einzelne Tiere aus der Deckung heraus überraschend schnell angreifen.
Fortpflanzung
Die Art ist ovovivipar: Die Embryonen entwickeln sich im Muttertier und ernähren sich zunächst vom Dotter, bis die Jungtiere lebend geboren werden. Würfe können außergewöhnlich groß sein und mehrere Dutzend Jungtiere umfassen. Die Geburt erfolgt offenbar in flachen Buchten, die als Kinderstuben dienen können.
Die Weibchen werden spät geschlechtsreif, in manchen Auswertungen erst deutlich nach dem ersten Lebensjahrzehnt. Zusammen mit der langen Lebensdauer erklärt das, warum lokale Entnahmen nicht beliebig schnell ausgeglichen werden, selbst wenn die Art in einem Gebiet regelmäßig beobachtet wird.
Jungtiere und Kinderstuben
Jungtiere werden etwa 40 bis 53 Zentimeter lang geboren und nutzen flache, geschützte Küstenbereiche. Gerade solche Buchten und Ästuare sind zugleich Orte mit Fischerei, Badebetrieb, Bootsverkehr und Küstenentwicklung. Schutz und Beobachtung dieser Lebensräume sind deshalb besonders wichtig.
Bedrohung & Schutzstatus
Global ist der Breitnasen-Siebenkiemerhai in der IUCN Red List als gefährdet beziehungsweise Vulnerable eingestuft. Der fish.gov.au Shark Report unterscheidet davon die australische Bewertung: Dort wird die Art lokal als Least Concern und der Bestand im aktuellen Fischereibericht als nachhaltig bewertet.
Wichtigste Belastungen
- Küstenfischerei: Die Art wird als Beifang gefangen und regional auch gezielt genutzt.
- Gillnetze und küstennahe Fanggeräte: In Australien wird besonders die hohe Verwundbarkeit gegenüber Kiemennetzen hervorgehoben.
- Späte Reife: Weibchen werden spät geschlechtsreif; dadurch reagieren Bestände empfindlich auf dauerhafte Entnahme erwachsener Tiere.
- Kinderstuben in Buchten und Ästuaren: Flache Küstenhabitate sind produktiv, aber auch von Küstenentwicklung, Verschmutzung und Nutzung betroffen.
- Getrennte Populationen: Die weltweite Verbreitung ist nicht automatisch ein zusammenhängender Sicherheitsfaktor, weil regionale Bestände unterschiedlich reagieren können.
Für den Schutz sind artgenaue Fangdaten, sichere Rücksetzpraxis, Management von Kiemennetzen und der Schutz flacher Kinderstuben entscheidend. In Australien zeigen Beschränkungen und Monitoring offenbar Wirkung; global bleibt die Art wegen Fischereidruck und lückenhafter Datenlage deutlich sensibler.
Breitnasen-Siebenkiemerhai & Mensch
Der Breitnasen-Siebenkiemerhai ist kein typischer Strandhai, aber eine große, kräftige Küstenart, die Menschen ernst nehmen sollten. Er gilt vor allem dann als riskant, wenn er provoziert, gefangen, bedrängt oder mit Futter in Verbindung gebracht wird.
Für Taucher ist die Art faszinierend, weil sie anders wirkt als viele klassische Riffhaie: urtümlicher Körperbau, sieben Kiemenspalten, eine einzelne Rückenflosse und ein ruhiger, bodennaher Suchflug. Begegnungen können in Kelpwäldern, Buchten, kühlen Riffen und produktiven Küstenzonen besonders eindrucksvoll sein.
Begegnungen beim Tauchen
Bei Sichtungen gilt: nicht bedrängen, nicht füttern, nicht anfassen und dem Hai Fluchtwege lassen. Große Siebenkiemerhaie können neugierig und direkt wirken, besonders wenn Futter, Fischereiabfälle oder gefangene Fische im Wasser sind. Ruhige, kontrollierte Beobachtung ist sicherer und liefert die besseren Begegnungen.
Fischerei und Nutzung
Regional werden Fleisch, Haut und Leberöl genutzt; in einigen Gebieten wird die Art auch von Anglern gefangen. Gerade weil sie küstennah lebt, spät reift und in flachen Buchten Jungtiere zur Welt bringt, sollte ihre Nutzung vorsichtig gemanagt werden.
Für Haitauchen ist Notorynchus cepedianus ein gutes Beispiel dafür, dass nicht nur tropische Riffhaie für Taucher wichtig sind. Kühle Küstenmeere, Kelp, Buchten und Ästuare können ebenso eindrucksvolle Hai-Begegnungen ermöglichen und verdienen denselben Schutzblick.
Steckbrief
- Erstbeschreibung:
- Max. Größe:
- Tiefe:
- Max. Alter:
- Max. Gewicht:
- Wassertyp:
- IUCN Status:
Systematik
- Reich:
- Stamm:
- Unterstamm:
- Infrastamm:
- Parvstamm:
- Klasse:
- Teilklasse:
- Überordnung:
- Ordnung:
- Familie:
- Gattung:


