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Weißer Hai Joe überrascht Forscher in der Abel-Tasman-Region

Der zehnjährige Weiße Hai Joe ist nach Reisen durch subantarktische Gewässer, Tasmansee und Korallenmeer in der Abel-Tasman-Region aufgetaucht. Seine Route erweitert das Bild der Wanderungen neuseeländischer Weißer Haie.

Ronny K3. August 2026
Weißer hai von vorne mit scharfen zähnen

Ein junger Weißer Hai mit dem Namen Joe liefert Forschern ein neues Puzzleteil zu den Wanderungen der Art rund um Neuseeland. Der etwa zehnjährige Hai tauchte am Wochenende in der Abel-Tasman-Region im Norden der Südinsel auf – nur eine Woche, nachdem sein Sender ihn noch vor der Westküste Aucklands geortet hatte.

Das berichtet Stuff am 3. August 2026. Der Meeresbiologe Dr. Riley Elliott, der seit mehr als 15 Jahren Haie erforscht, bezeichnete Joe als den ersten Weißen Hai, den er per Sender bis in die Abel-Tasman-Region verfolgt hat. Damit ist nicht die erste Sichtung der Art in der Region gemeint, sondern eine neue Route innerhalb seines Tracking-Datensatzes.

Tausende Kilometer seit Ende Januar

Joe wurde Ende Januar 2026 mit einem Sender markiert. Seither legte er Tausende Kilometer zurück, überquerte die Tasmansee und bewegte sich zwischen Neuseeland und Australien. Seine bisherigen Ortungen reichen von subantarktischen Gewässern bis in das Korallenmeer. Für einen einzelnen Hai ergibt sich damit eine ungewöhnlich abwechslungsreiche Reiseroute.

Besonders überraschend war die Geschwindigkeit seines jüngsten Ortswechsels. Noch rund sieben Tage zuvor wurde Joe an der Ninety Mile Beach an Neuseelands Nordinsel registriert. Elliott hatte erwartet, dass er möglicherweise in den Kaipara Harbour ziehen würde. Stattdessen schwamm der Hai weiter nach Süden und erschien kurz darauf im Gebiet von Abel Tasman.

Eine Route ist noch kein allgemeines Wanderungsmuster

Für die Forschung liegt der Wert der Beobachtung gerade darin, dass Joe nicht einem einfachen Schema folgt. Je mehr Tiere markiert werden, desto deutlicher zeigt sich nach Elliotts Einschätzung, dass Weiße Haie sehr unterschiedliche Wege wählen. Manche Tiere verbringen lange Zeit in einem bestimmten Gebiet, andere wechseln rasch zwischen gemäßigten, subantarktischen und subtropischen Gewässern.

Joes Spur belegt deshalb nicht, dass sich das Verbreitungsgebiet der gesamten Population plötzlich nach Abel Tasman verschoben hat. Weiße Haie sind grundsätzlich rund um Neuseeland nachgewiesen. Neu ist hier der detaillierte, zeitlich zusammenhängende Blick auf ein bekanntes Individuum, das sehr verschiedene Regionen miteinander verbindet.

Sind junge Robben der Grund für den Abstecher?

Nach Joes Ankunft meldeten Nutzer von Elliotts Hai-Tracking-App, dass es in der Region zu dieser Jahreszeit junge Robben gebe. Daraus ergibt sich eine plausible Frage: Könnte Joe einem bislang wenig beachteten Nahrungsgebiet folgen? Noch ist das lediglich eine Hypothese. Eine einzelne Ortung zeigt weder, ob der Hai dort jagt, noch wie lange er bleibt.

Der Steckbrief des neuseeländischen Department of Conservation ordnet ein, dass Weiße Haie in Neuseeland besonders häufig in der Nähe großer Robbenkolonien beobachtet werden. Zu ihrer dokumentierten Nahrung gehören neben Fischen und anderen Haien auch mehrere Robbenarten. Das macht die Vermutung biologisch nachvollziehbar, ersetzt aber keinen direkten Nachweis für Joes Verhalten.

Senderdaten zeigen auch die Gefahren unterwegs

Die Route führt nicht nur durch unterschiedliche Lebensräume, sondern auch durch Gebiete mit intensiver Fischerei. Laut Stuff passierte Joe auf seiner Reise Regionen mit großen internationalen Trawlern, australischen Haischutznetzen und zahlreichen Stellnetzen vor Northland. Dass sein Sender weiterhin Daten liefert, zeigt zumindest, dass er diese Abschnitte bislang überstanden hat.

Für Elliott gehören deshalb auch abgebrochene Spuren zum Gesamtbild des Projekts. Wenn ein Sender dauerhaft verstummt, kann ein gefangener oder getöteter Hai dahinterstehen. Ein fehlendes Signal allein ist allerdings noch kein sicherer Todesnachweis: Sender können sich lösen, ausfallen oder zeitweise keine verwertbare Position übertragen. Entscheidend sind zusätzliche Daten oder ein wiedergefundener Sender.

Weiße Haie sind in Neuseeland vollständig geschützt

Neuseeland schützt Weiße Haie seit 2007. Das Department of Conservation führt die Art national als bedroht und landesweit gefährdet; international gilt sie als gefährdet. Fischerei bleibt trotzdem eine zentrale Bedrohung, weil die weit wandernden Tiere Staatsgrenzen, Schutzregime und sehr unterschiedlich regulierte Meeresgebiete durchqueren.

Frühere genetische Untersuchungen und Satellitenmarkierungen haben bereits Bewegungen zwischen Neuseeland, Australien und dem südwestlichen Pazifik gezeigt. Joes Reise passt in dieses großräumige Bild, ergänzt es aber um eine für Elliotts Projekt bislang nicht dokumentierte Verbindung zur Abel-Tasman-Region. Genau darin liegt der wissenschaftliche Wert eines einzelnen, über viele Monate verfolgten Tieres.

Was die Ortung für Menschen an der Küste bedeutet

Die Position eines Weißen Hais vor Nelson-Tasman ist kein Beleg für eine plötzliche Zunahme der Tiere und auch keine automatische Warnung vor einem Angriff. Küstengewässer, Buchten und Flachwasserbereiche gehören zum natürlichen Lebensraum junger und erwachsener Weißer Haie. Einzelne Senderpunkte sagen wenig darüber aus, wie häufig ein Gebiet genutzt wird.

Für die Forschung ist Joe dennoch wertvoll: Seine Spur verbindet weit voneinander entfernte Lebensräume, macht die Geschwindigkeit solcher Ortswechsel sichtbar und liefert neue Fragen zu möglichen Nahrungsplätzen. Erst wenn weitere Tiere ähnliche Wege wählen, lässt sich beurteilen, ob Abel Tasman ein regelmäßig genutzter Korridor oder nur eine Station auf der außergewöhnlichen Reise eines besonders mobilen Hais ist.

Erwähnte Arten

Weißer hai carcharodon carcharias im blauwasser

Weißer Hai

Quellen

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