Im Ostmeer vor Südkoreas Küste sind seit Jahresbeginn 2026 bereits 61 Haie registriert worden. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 19. Das berichtet der südkoreanische Sender MBC unter Berufung auf das National Institute of Fisheries Science (NIFS).
Die Zahl umfasst unterschiedliche Nachweise wie Fänge und tot in Netzen oder an der Küste gefundene Tiere. Sie belegt deshalb nicht automatisch, dass sich der Haibestand im Ostmeer verdreifacht hat. Sie zeigt zunächst, dass in diesem Jahr deutlich mehr Tiere dokumentiert wurden.
Kurzflossen-Makos und Blauhaie unter den Funden
Nach dem Bericht handelte es sich bei vielen registrierten Tieren um große Hochseearten. Genannt werden insbesondere Kurzflossen-Makos (Isurus oxyrinchus) und Blauhaie (Prionace glauca). Vor Uljin in der Provinz Nord-Gyeongsang wurde im Juli ein großer Kurzflossen-Mako gefangen.
MBC zeigt außerdem ältere Beispiele: Rund drei Monate zuvor wurde ein Hammerhai tot in einem Netz gefunden. Bereits 2025 war vor Busan der Kadaver eines Fuchshais entdeckt worden. Diese Einzelfälle veranschaulichen die Bandbreite der Funde, erlauben aber für sich genommen keine Aussage über langfristige Bestandsentwicklungen.
Ostmeer erwärmt sich besonders schnell
Der MBC-Bericht nennt als möglichen Hintergrund die starke Erwärmung des Ostmeers. In den vergangenen rund 50 Jahren sei die Wassertemperatur dort um 2,04 Grad Celsius gestiegen. Demnach etwa 2,7-mal so schnell wie im weltweiten Meeresdurchschnitt.
Höhere Temperaturen können nicht nur Haie direkt beeinflussen, sondern auch ihre Beutetiere. Fachleute des NIFS vermuten, dass sich warmwasserliebende Arten wie Makrelen verlagert haben und dadurch mehr Nahrung für große Haie in der Region verfügbar ist. Besonders deutlich sei der Temperaturanstieg im Sommer.
Eine plausible Erklärung, noch kein Kausalnachweis
Der Zusammenhang ist bislang eine Arbeitshypothese. Mehr dokumentierte Haie können auch durch Fischereiaufwand, Meldeverhalten, Beobachtungsbedingungen oder kurzfristige Wanderbewegungen beeinflusst werden. Aus den beiden Jahreszahlen allein lässt sich daher nicht ableiten, welcher Anteil der Zunahme tatsächlich auf die Erwärmung zurückgeht.
Auch die Bezeichnung als gefährliche oder aggressive Haie, die im Fernsehbeitrag mehrfach verwendet wird, beschreibt keine einheitliche biologische Kategorie. Für die ökologische Einordnung sind Art, Größe, Lebensraum, Jahreszeit und Fundumstände entscheidender als ein pauschales Gefahrenetikett.
Forschungsinstitut plant ökologische Untersuchungen
Das NIFS will die Entwicklung deshalb systematischer untersuchen. Geplant sind Analysen zur Verteilung der Arten sowie zu Nahrung und möglicher Fortpflanzung im Ostmeer. Damit soll geklärt werden, ob die Tiere die Region nur saisonal aufsuchen oder ob sich ihre Nutzung des Lebensraums dauerhaft verändert.
Erst längere Zeitreihen mit einheitlicher Erfassung können zeigen, ob 2026 ein Ausreißer ist oder Teil eines stabilen Trends. Die bislang vorliegenden Beobachtungen sind damit ein wichtiges Signal für weitere Forschung, aber noch kein Beleg für eine dreifach größere Haipopulation.



