Texas: Junge Bullenhaie wandern im Winter bis zu 259 Kilometer

Akustische Sender zeigen: Junge Bullenhaie nutzen Galveston Bay vor allem im Sommer und Herbst. Im Winter wanderten einzelne Tiere bis zu 259 Kilometer nach Süden.

Sharky4. September 2026
Bullenhai carcharhinus leucas über sand

Eine neue Studie in Marine Biology zeigt, wie deutlich junge Bullenhaie ihre Nutzung des Galveston-Bay-Systems mit den Jahreszeiten verändern. Im Sommer und Herbst hielten sich die markierten Tiere häufig in der großen Flussmündung auf. Im Winter wurden sie dort fast nicht mehr erfasst; einzelne Haie wanderten südwärts bis in die Aransas Bay. Die längste nachgewiesene Strecke betrug 259 Kilometer.

Das Untersuchungsgebiet liegt im US-Bundesstaat Texas am nordwestlichen Golf von Mexiko. Ästuare wie Galveston Bay verbinden Flüsse, Buchten und Küstengewässer. Für junge Bullenhaie sind solche Übergangsräume wichtige Lebensräume, zugleich ändern sich dort Temperatur, Salzgehalt und Nahrungsangebot stark. Die Studie macht sichtbar, dass für den Schutz nicht nur einzelne Buchten, sondern auch die Verbindungen zwischen ihnen relevant sind.

Drei Räuberarten zwei Jahre lang akustisch verfolgt

Das Forschungsteam stattete jeweils 20 Bullenhaie, Alligatorhechte (Atractosteus spatula) und Atlantische Stechrochen (Hypanus sabinus) mit akustischen Sendern aus. Empfänger im Galveston Bay Complex und in benachbarten Gewässern registrierten die individuellen Signale zwischen September 2023 und September 2025. Innerhalb der Bucht wurden 13 Alligatorhechte, zwölf Bullenhaie und elf Stechrochen mindestens einmal erkannt.

Insgesamt flossen 16.048 gültige Ortungen in die Auswertung ein. Bullenhaie stellten 75 Prozent dieser Nachweise und wurden im Mittel an mehr Empfängerstationen registriert als die beiden anderen Arten. Alle erfassten Bullenhaie waren Jungtiere. Beim Markieren maßen sie zwischen 92,6 und 152 Zentimetern, im Mittel 122,2 Zentimeter.

Viele Ortungen bedeuten allerdings nicht automatisch viele Haie. Ein Tier kann an derselben Station wiederholt registriert werden, während ein anderes die Reichweite des Empfängernetzes verlässt. Die Studie vergleicht deshalb Bewegungs- und Raumnutzungsmuster; sie ist keine Bestandszählung.

Im Winter zog es Bullenhaie nach Süden

Von den Bullenhai-Ortungen entfielen 43,1 Prozent auf den Herbst und 36,8 Prozent auf den Sommer. Im Frühjahr waren es 19,7 Prozent, im Winter weniger als ein Prozent. Sieben der 20 markierten Bullenhaie wurden außerhalb des Galveston Bay Complex registriert. Sämtliche Nachweise lagen südlich der Bucht, unter anderem in Matagorda Bay und Aransas Bay.

Vier dieser sieben Tiere, also 57 Prozent, kehrten später in das Galveston-Bay-System zurück. Ein 103,5 Zentimeter langer Bullenhai verließ die West Bay im Oktober 2023, wurde im Dezember in Matagorda Bay erkannt und tauchte im März 2024 wieder in Galveston Bay auf. Dieser einzelne Verlauf veranschaulicht die saisonale Verbindung, ohne zu beweisen, dass jedes Jungtier dieselbe Route nimmt.

Die Autoren sehen die winterliche Abwesenheit im Einklang mit früheren Arbeiten zum Einfluss der Wassertemperatur auf Bullenhaie. Temperatur, Salzgehalt, Beute und Fortpflanzung wurden in dieser Studie aber nicht als Ursachen getestet. Sie bleiben plausible Erklärungen für die beobachteten saisonalen Verschiebungen, keine direkt nachgewiesenen Auslöser.

Bullenhaie und Alligatorhechte teilten besonders viel Raum

Mit einer Netzwerkanalyse untersuchten die Forschenden, welche Tiere innerhalb eines Zeitfensters von 24 Stunden an derselben Station registriert wurden. Die stärkste Überschneidung zwischen Arten zeigte sich bei Bullenhaien und Alligatorhechten. Mit Atlantischen Stechrochen war die räumliche Überlappung geringer.

Auch innerhalb der eigenen Art überlappten die Bullenhaie besonders stark. Die Forschenden vermuten, dass dadurch Konkurrenz zunehmen und eine größenabhängige Aufteilung des Lebensraums begünstigt werden könnte. Das ist eine ökologische Interpretation der Ortungsmuster; direkte Konkurrenz oder Vertreibung wurde nicht beobachtet.

Alligatorhechte blieben, Stechrochen wurden selten erkannt

Alligatorhechte waren das ganze Jahr über im Galveston Bay Complex nachweisbar. Zwei Tiere wanderten in das Brazos-Ästuar, eines davon rund 18 Kilometer flussaufwärts. Nach dieser Verlagerung wurden beide im Studienzeitraum nicht mehr in Galveston Bay registriert.

Die Atlantischen Stechrochen wurden fast ausschließlich im Sommer und nur in West Bay erkannt. Daraus lässt sich keine sichere ganzjährige Gebietsbindung ableiten: 88,2 Prozent ihrer Ortungen entstanden in den ersten zwei Monaten nach dem Markieren. Reichweite und Standort der Empfänger, möglicher Senderverlust und Prädation können das Bild zusätzlich beeinflusst haben.

Warum West Bay mit Vorsicht zu interpretieren ist

Bei allen drei Arten lag der größte Teil der Ortungen in West Bay. Dort waren viele Tiere markiert worden und dort konzentrierte sich auch ein Teil des Empfängernetzes. Die Autoren warnen deshalb davor, die starke Nutzung von West Bay ohne Einschränkung auf die gesamten Populationen zu übertragen.

Akustische Telemetrie liefert zudem keine lückenlose GPS-Spur. Sie zeigt, wann ein Tier in Reichweite einer Station kam. Wege zwischen zwei Empfängern bleiben unbekannt, und ein fehlendes Signal kann Abwanderung, eine Netzlücke, Senderverlust oder den Tod des Tieres bedeuten. Die kleine Zahl nachgewiesener Individuen begrenzt außerdem die Verallgemeinerung.

Schutz braucht Verbindungen zwischen Bucht und Küste

Trotz dieser Grenzen ist das Muster für das Management aufschlussreich: Junge Bullenhaie nutzen nicht nur eine einzelne Kinderstube, sondern wechseln saisonal zwischen Ästuar und Küstenbuchten. Schutzmaßnahmen, Fischereiregeln und die Bewertung von Bau- oder Küstenprojekten sollten deshalb Wanderkorridore und benachbarte Buchten mitdenken.

Die Studie unterstreicht damit einen Grundsatz ökosystembasierten Managements: Entscheidend ist nicht allein, wo eine Art häufig registriert wird, sondern auch, welche Wege sie im Jahresverlauf benötigt und mit welchen anderen Räubern sie Lebensräume teilt. Für Galveston Bay sind längere, räumlich breiter angelegte Telemetrie-Reihen der nächste Schritt, um die nun sichtbaren Muster zu prüfen.

Erwähnte Arten

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Bullenhai

Quellen

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