Genomanalyse findet Geschwisterpaare unter Weißen Haien

OCEARCH meldet vorläufig drei Vollgeschwister- und sieben wahrscheinliche Halbgeschwisterpaare. Ein peer-reviewtes Fachmanuskript steht noch aus.

Sharky28. August 2026
Weißer Hai unter Wasser bei einer OCEARCH-Expedition vor Nova Scotia
Weißer Hai während einer OCEARCH-Expedition vor Nova Scotia. Foto: OCEARCH / Chris Ross.

Eine vorläufige Genomanalyse von Weißen Haien im westlichen Nordatlantik hat drei Vollgeschwisterpaare und sieben wahrscheinliche Halbgeschwisterpaare identifiziert. Die Ergebnisse stammen aus einem laufenden Projekt von OCEARCH und der Texas A&M University-Corpus Christi. Ein peer-reviewtes Fachmanuskript liegt noch nicht vor, wie die OCEARCH-Mitteilung vom 25. August 2026 ausdrücklich festhält.

Unter den bekannten Tieren befindet sich der männliche Weiße Hai Jekyll, der 2022 markiert wurde. Nach der Analyse ist er ein Vollgeschwister der 2021 markierten Olympia. Ein weiterer Hai namens Simon zeigte zwar ein ähnlich verlaufendes Wanderungsmuster wie Jekyll, erwies sich genetisch aber nicht als dessen Bruder.

Geschwister aus unterschiedlichen Jahrgängen

Eines der drei Vollgeschwisterpaare soll aus demselben Wurf stammen. Bei den beiden anderen Paaren schätzte das Team anhand von Wachstumsmodellen einen Altersabstand von ungefähr fünf beziehungsweise 19 Jahren. Falls sich dies in der vollständigen Analyse bestätigt, hätte sich mindestens ein Elternpaar über viele Jahre wiederholt erfolgreich fortgepflanzt.

Vollgeschwister teilen im statistischen Mittel mehr Erbgut als Halbgeschwister. Eine solche Zuordnung verlangt jedoch hochwertige Genomdaten und eine passende Referenzstichprobe. OCEARCH bezeichnet die sieben weiteren Paare deshalb bewusst als wahrscheinliche Halbgeschwister und plant zusätzliche Sequenzierungen.

Keine Hai-Familie auf gemeinsamer Reise

Die Verwandtschaftsdaten belegen nicht, dass Geschwister gemeinsam wandern, einander erkennen oder ihre Routen voneinander lernen. Die drei Vollgeschwisterpaare wurden zwar jeweils in ähnlichen saisonalen Lebensräumen beprobt: ein Tier im Winter oder Frühjahr im Südosten der USA, das andere im Sommer oder Herbst vor Neuengland oder New York. Daraus lässt sich aber keine gleichzeitige Reise ableiten.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Auch aus anderen Studien ist bekannt, dass Weiße Haie zeitweise soziale Beziehungen zeigen können. Die neue Genomanalyse beantwortet jedoch eine andere Frage. Sie ordnet biologische Verwandtschaft zu, nicht das soziale Verhalten der Tiere während ihrer Wanderungen.

Eine zusammenhängende Population

In der bislang untersuchten Stichprobe fand das Team keine erkennbare genetische Populationsstruktur zwischen South Carolina und Georgia im Süden sowie Neuengland und Nova Scotia im Norden. Das spricht vorläufig für eine miteinander verbundene Population im westlichen Nordatlantik und nicht für mehrere klar getrennte Fortpflanzungsgruppen entlang der Küste.

Diese Aussage bedeutet nicht, dass sich jedes Tier überall gleich häufig aufhält. Satellitenmarkierungen zeigen individuelle Wanderwege und saisonale Schwerpunkte. Genetische Durchmischung kann trotzdem stattfinden, wenn sich Tiere aus unterschiedlichen Aufenthaltsgebieten über Generationen hinweg fortpflanzen.

Was viele Verwandte in einer kleinen Stichprobe bedeuten könnten

Dass in einer begrenzten Stichprobe gleich mehrere nahe Verwandte auftauchten, könnte auf eine relativ kleine Fortpflanzungspopulation hinweisen. OCEARCH stellt dies als mögliche Interpretation dar, nicht als fertige Bestandsschätzung. Für belastbare Aussagen müssten Stichprobengröße, räumliche Auswahl, Überlebensraten und die Wahrscheinlichkeit berücksichtigt werden, verwandte Tiere überhaupt zu fangen und zu beproben.

Gerade bei langlebigen Arten kann genetische Verwandtschaft wichtige Informationen liefern, die reine Sichtungs- oder Markierungsdaten nicht zeigen. Geschwisterpaare aus verschiedenen Geburtsjahren können Hinweise auf wiederholte Fortpflanzung geben; Halbgeschwister können helfen, die Zahl erfolgreicher Elterntiere statistisch einzugrenzen.

Vorläufig bleibt vorläufig

Projektleiter David Portnoy und sein Team wollen weitere Proben sequenzieren und die vollständige Studie zur Begutachtung einreichen. Bis zur Veröffentlichung eines Fachartikels fehlen unter anderem die vollständigen Methoden, die genaue Stichprobengröße und Unsicherheitsbereiche der Verwandtschaftszuordnungen.

Die Meldung ist dennoch bemerkenswert, weil sie konkrete Verwandtschaftsbeziehungen unter individuell bekannten Weißen Haien sichtbar macht. Ihr stärkster Befund ist derzeit die Kombination aus Geschwisterpaaren über mehrere Jahrgänge und fehlender genetischer Trennung entlang der untersuchten Atlantikküste.

Erwähnte Arten

Weißer hai carcharodon carcharias im blauwasser

Weißer Hai

Quellen

Newsletter

Shark alert in your inbox

Hai-Alarm im Postfach

Echte News statt Mythen!
- Alle 14 Tage neu -