SMART-Drumlines in NSW: Beifangrate fast doppelt so hoch wie bei Zielhaien

Drei Jahre Daten von 20 Standorten in New South Wales zeigen: Die Fangrate von Nichtzielarten lag fast doppelt so hoch wie die der drei Zielhaiarten.

Sharky27. August 2026
Schema einer Catch-Alert-Drumline mit Köderboje, Kommunikationsgerät, Ankerboje und Hai
Schematische Catch-Alert-Drumline; die konkrete Ausführung kann vom NSW-System abweichen. Screenshot aus How Catch Alert Drumlines work von Fisheries Queensland.

Eine neue Studie in Frontiers in Marine Science wertet drei Jahre SMART-Drumline-Fänge an der Küste von New South Wales aus. Zwischen Mai 2022 und Mai 2025 lagen die Geräte an 20 Standorten. Die Forschenden verglichen die drei Zielarten – Weiße Haie, Tigerhaie und Bullenhaie – mit den häufigsten Nichtzielarten.

Das auffälligste Ergebnis ist die Fangrate: Zusammen kamen die Zielhaie auf 0,66 Fänge je 1.000 Hakenstunden, die Nichtzielarten auf 1,23. Damit lag die Beifangrate rund 86 Prozent höher. Die Kennzahl berücksichtigt den unterschiedlichen Fangeinsatz, sagt aber noch nichts darüber aus, wie viele Tiere insgesamt gefangen wurden oder wie sie den Fang und die Freilassung überstanden.

Was eine SMART-Drumline von einer gewöhnlichen Köderleine unterscheidet

Das SharkSmart-Programm von New South Wales beschreibt das System als verankerte, beköderte Hakenleine mit zwei Bojen und einer satellitengestützten GPS-Einheit. Nimmt ein Tier den Köder, wird automatisch ein Alarm ausgelöst. Das Einsatzteam soll innerhalb von 30 Minuten reagieren, das Tier bestimmen und freilassen. Zielhaie werden markiert und etwa einen Kilometer weiter draußen wieder ausgesetzt.

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Das Konzept wird deshalb als nichttödliche Alternative zu Netzen und herkömmlichen Kontrollleinen eingesetzt. Nichttödlich beschreibt jedoch das Ziel des Verfahrens, nicht eine Garantie für jedes Tier. Die neue Arbeit untersucht laut ihrem derzeit verfügbaren Abstract vor allem Fangverteilung und Umweltmuster; eine eigene Bewertung von Sterblichkeit, Verletzungen oder Stress ist dort nicht ausgewiesen.

Weiße Haie im kühleren, Tigerhaie im wärmeren Wasser

Die Fangmuster unterschieden sich deutlich nach Art. Weiße Haie wurden häufiger im Winter und Frühjahr sowie über alle Jahreszeiten hinweg bei vergleichsweise kühlem Wasser unter 21 Grad Celsius gefangen. Tigerhaie traten häufiger im Sommer und Herbst, bei mehr als 20 Grad und ruhiger See auf. Für Bullenhaie nennt der Abstract keinen entsprechend klaren saisonalen Schwerpunkt.

Auch bei den häufigsten Nichtzielarten zeigten sich Unterschiede. Düsterhaie (Carcharhinus obscurus) und Glatte Hammerhaie (Sphyrna zygaena) wurden eher bei Temperaturen über 19 Grad gefangen. Bronzehaie (Carcharhinus brachyurus) traten eher unter 21 Grad auf. Räumlich lagen die höheren Fangraten vor allem an der nördlichen und mittleren Küste von New South Wales.

Saisonale Steuerung kann Beifang verschieben, aber nicht ausschließen

Für das Management sind solche Muster praktisch: Einsatzzeiten und Standorte könnten stärker auf jene Bedingungen abgestimmt werden, unter denen eine bestimmte Zielart wahrscheinlicher ist. Gleichzeitig überlappen die Temperaturbereiche. Eine einfache Saisonregel, die Zielhaie erfasst und Nichtzielarten vollständig vermeidet, lässt sich aus den Ergebnissen nicht ableiten.

Zudem wurden Zielhaie in allen Jahreszeiten in küstennahen Gewässern gefangen. Weniger Fänge in einer Saison bedeuten daher keine Abwesenheit. Für Badegäste bleibt das ein wichtiger Unterschied: Fangstatistiken zeigen Nutzungsmuster, sind aber weder eine kurzfristige Vorhersage für einen einzelnen Strand noch ein Maß für die Wahrscheinlichkeit eines Haiunfalls.

Die Beifangfrage gehört in die Bewertung des Schutzprogramms

Dass die Fangrate der Nichtzielarten fast doppelt so hoch lag wie die der Zielhaie, macht den ökologischen Zielkonflikt sichtbar. Eine Bewertung sollte deshalb nicht nur fragen, wie viele Weiße, Tiger- oder Bullenhaie markiert und verlagert werden. Ebenso wichtig sind Art, Zustand und Überleben der übrigen gefangenen Tiere sowie die Zahl nicht ausgelöster oder verspätet bemerkter Fänge.

New South Wales testet zugleich den Verzicht auf Hainetze an einzelnen Stränden. SMART-Drumlines, Drohnen, akustische Empfänger und Warnsysteme werden damit nicht isoliert, sondern als Bausteine eines größeren Programms diskutiert. Eine frühere Auswertung zeigte bereits, dass auch die Artbestimmung per Drohne im Echtzeitbetrieb fehleranfällig sein kann.

Vollständige Studie steht noch aus

Frontiers hat die Arbeit am 26. August 2026 angenommen. Der Abstract und die bibliografischen Angaben sind bereits online, die endgültig formatierte Vollfassung soll jedoch erst noch erscheinen. Deshalb lassen sich wichtige Details – darunter absolute Fangzahlen, Aufwand nach Standort, Größen- und Geschlechterverteilung sowie mögliche Überlebensdaten – derzeit nicht unabhängig aus dem Volltext prüfen. Die Zahlen im Artikel sollten nach Erscheinen der Endfassung noch einmal mit Tabellen und Methoden abgeglichen werden.

Erwähnte Arten

Bullenhai carcharhinus leucas über sand

Bullenhai

Weißer hai carcharodon carcharias im blauwasser

Weißer Hai

Tigerhai galeocerdo cuvier

Tigerhai

Quellen

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