Vor Anna Maria Island an Floridas Golfküste ist ein ungewöhnlich gescheckter Zitronenhai gefilmt worden. Das am 22. August 2026 aufgenommene Video von Jacob Merrifield zeigt große helle Flächen auf dem sonst gelblich-braunen Körper. Über die Sichtung berichtete Storyful über Yahoo News.
Merrifield sagte dem Videodienst, er habe zuvor noch nie einen solchen Hai gesehen. Zur Länge, zum Geschlecht, zu einer Markierung oder zum genauen Aufnahmeort liegen in der veröffentlichten Meldung keine Angaben vor. Auch eine genetische Probe wurde nicht erwähnt. Das Tier lässt sich daher anhand des Videos beschreiben, aber nicht individuell identifizieren.
Gescheckt ist nicht dasselbe wie Albino
Eine wissenschaftliche Übersicht in Ecology and Evolution definiert Piebaldismus als örtlich begrenzten Pigmentverlust: Auf einem ansonsten normal gefärbten Körper entstehen unregelmäßige weiße oder sehr helle Flecken, während die Augen pigmentiert bleiben. Die Begriffe Piebaldismus und partielle Leuzistik werden dabei gleichbedeutend verwendet. Albinismus bezeichnet dagegen eine andere Störung und sollte nicht als Sammelbegriff für jede helle Färbung dienen.
Piebaldismus kann eine genetische Grundlage haben. Für dieses einzelne Tier ist eine bestimmte Mutation jedoch nicht nachgewiesen. Die Forschenden weisen darauf hin, dass Hautveränderungen auch durch Krankheiten, Ernährung oder Umweltbelastungen beeinflusst werden können. Erst eine Untersuchung des Tieres könnte die Ursache der auffälligen Zeichnung absichern.
Nur 25 wild lebende Fälle in der Übersicht
Die 2025 veröffentlichte Studie sammelte 25 überprüfbare Meldungen von gescheckten Haien aus 17 Arten und elf Familien. Darunter befand sich bereits ein Zitronenhai aus Florida, der 2023 über soziale Medien und Medienberichte bekannt geworden war. Die Zahl beschreibt die dokumentierten Fälle, nicht die tatsächliche Häufigkeit in der Natur. Unbemerkte oder nie veröffentlichte Tiere fehlen zwangsläufig.
Außerdem wurde bereits früher ein gescheckter Zitronenhai bei Captiva Island öffentlich bekannt. Der Miami Herald berichtete über ein mehr als zwei Meter langes, markiertes Tier, das beim Angeln gefangen und wieder freigelassen wurde. Das neue Video enthält zu wenig vergleichbare Merkmale, um zu behaupten, dass vor Anna Maria Island dasselbe Individuum zu sehen ist.
Folgen für den Hai bleiben unbekannt
Eine auffällige Färbung könnte theoretisch Tarnung, Jagderfolg oder Begegnungen mit Artgenossen beeinflussen. Für Haie ist das bislang nicht belegt. In den von der Übersicht ausgewerteten Videos zeigten die Tiere keine ungewöhnlichen Bewegungen oder sichtbaren Fehlbildungen. Mehrere Nachweise erwachsener Tiere sprechen zudem dagegen, dass die Scheckung bei allen betroffenen Arten das Überleben drastisch verkürzt.
Das ist keine Entwarnung für jedes einzelne Tier. Es fehlen Langzeitbeobachtungen, Altersdaten und genetische Untersuchungen. Gerade weil Tiere mit möglichen Nachteilen seltener bis ins Erwachsenenalter beobachtet werden könnten, lässt sich aus den bekannten Sichtungen nur begrenzt auf die unsichtbaren Fälle schließen.
Das Video ist wissenschaftlich vor allem ein neuer Datensatz
Die Forschenden betonen den Wert gut dokumentierter Beobachtungen durch Taucher, Fischer und andere Meeresnutzer. Fotos und Videos sind besonders nützlich, wenn Datum, Ort, Tiefe, Größe und mögliche Markierungen festgehalten werden. Für den neuen Fund wären schärfere Vergleichsbilder und Angaben zu Körpermerkmalen entscheidend, falls das Tier erneut auftaucht.
Anna Maria Island liegt im Golf von Mexiko, wo Zitronenhaie flache Küstenlebensräume nutzen. Die Sichtung ist ein ungewöhnlicher biologischer Nachweis, kein Hinweis auf eine erhöhte Gefahr für Menschen. Sie ergänzt vielmehr die noch sehr kleine Datengrundlage zu Pigmentstörungen bei Haien in den USA.


