In der Saleh Bay auf der indonesischen Insel Sumbawa haben Forschende einen außergewöhnlich kleinen Walhai dokumentiert. Die in der Fachzeitschrift Diversity veröffentlichte Untersuchung beschreibt fünf Sichtungen im August 2024 und den zufälligen Fang eines männlichen Jungtiers am 6. September 2024. Mit geschätzten 1,35 bis 1,45 Metern Länge entsprach es einem neugeborenen Walhai.
Nach Angaben von Conservation International ist dies der erste bestätigte Nachweis eines neonatalen Walhais in Indonesien. Das Tier geriet in ein traditionelles Bagan-Hebnetz, wurde vermessen und anschließend wieder freigelassen. Sein Alter schätzte das Team auf ungefähr vier Monate.
Fünf Sichtungen könnten dasselbe Tier zeigen
Im August war ein 1,2 bis 1,5 Meter langer Walhai fünfmal in der Bucht gesehen worden. Weil die Größe nur visuell geschätzt wurde und keine eindeutigen Fotoidentifikationen für alle Begegnungen vorliegen, lässt sich nicht sicher sagen, ob es sich um mehrere Tiere oder immer um dasselbe Individuum handelte. Die Studie behandelt diese Unsicherheit ausdrücklich.
Auch der Fund beweist noch nicht, dass der Walhai in der Saleh Bay geboren wurde. Ein so kleines Tier könnte aus einem anderen Gebiet in die Bucht gelangt sein. Weltweit ist bis heute kein Ort zweifelsfrei als Geburtsplatz der Art bestätigt. Gerade deshalb sind zuverlässige Beobachtungen neugeborener Tiere so wertvoll.
Warum Walhai-Geburten ein Rätsel bleiben
Walhaie sind die größten Fische der Erde, doch über Paarung, Trächtigkeit und Geburt ist nur wenig bekannt. Neugeborene werden extrem selten gesehen. Das Team verweist auf lediglich 33 neonatale Vorkommen in der wissenschaftlichen Literatur. Der Fund auf Sumbawa liefert deshalb eine seltene Spur für die Frage, wo sich Walhai-Babys aufhalten.
Die Saleh Bay ist eine halbgeschlossene, produktive Bucht mit reichlich Plankton. Solche Bedingungen können kleinen Walhaien Nahrung und vergleichsweise geschützte Flachwasserbereiche bieten. Ob das Gebiet als Kinderstube dient, muss jedoch durch wiederholte Nachweise sehr junger Tiere, Aufenthaltsdaten und möglichst individuelle Fotoidentifikation geprüft werden.
Fischer und Forschende arbeiten zusammen
Bagan-Plattformen ziehen mit Licht kleine Fische an und locken dadurch regelmäßig Walhaie an. Das birgt ein Risiko unbeabsichtigter Fänge, schafft aber auch eine Möglichkeit für systematisches Monitoring. In der Saleh Bay melden Fischer Sichtungen und helfen bei der schonenden Befreiung der Tiere.
Seit 2017 wurden in der Bucht mehr als hundert Walhaie anhand ihres individuellen Fleckenmusters erfasst. Das langfristige Fotoarchiv macht den Standort im Pazifischen Ozean zu einem wichtigen Beobachtungsgebiet, auch wenn vor allem jugendliche und nicht neugeborene Tiere dokumentiert werden.
Mögliche Kinderstube, noch kein bestätigter Geburtsort
Konservasi Indonesia und staatliche Stellen arbeiten an einem Meeresschutzgebiet für Walhaie in der Saleh Bay. Der neue Nachweis stärkt die Begründung, sensible Bereiche, Nahrungsbedingungen und Begegnungen mit der Fischerei genauer zu überwachen. Er allein reicht aber nicht aus, den Status einer Kinderstube wissenschaftlich festzuschreiben.
Die vorsichtige Schlussfolgerung lautet deshalb: Die Saleh Bay bietet offenbar geeignete Bedingungen für einen sehr jungen Walhai und könnte Teil eines bislang verborgenen Aufwuchsgebiets sein. Ob dort tatsächlich Geburten stattfinden, sollen künftige Sichtungen, genetische Proben und Bewegungsdaten klären.


