Vor der Küste der englischen Grafschaft Kent sollen markierte Haie helfen, eine offene Frage zu beantworten: Wie wichtig sind die flachen Küstengewässer für die Geburt und Entwicklung junger Tiere? Das Projekt Sharks of Kent verbindet die Arbeit von Adonis Blue Environmental und Kent Wildlife Trust mit den Erfahrungen örtlicher Angler und Charterboot-Besatzungen. Ein BBC-Bericht vom 14. September 2026 begleitet die Erfassung auf See.
31 Haie erfasst, elf davon markiert
Bei der von der BBC begleiteten Ausfahrt wurden 31 Glatthaie gefangen, vermessen und gewogen. Elf Tiere waren groß genug, um eine Markierung zu erhalten. Anschließend wurden die Haie wieder freigelassen. Die Zahlen beschreiben diese einzelne Ausfahrt, nicht den Gesamtbestand vor Kent.
Projektleiter Max Renton vermutet, dass die Gewässer eine wichtige Rolle als Geburts- und Aufwuchsgebiet spielen. Die Untersuchung soll dafür belastbarere Hinweise liefern. Eine wissenschaftlich bestätigte Hai-Kinderstube meldet der Bericht damit noch nicht.
Was eine Markierung verraten kann
Die Machbarkeitsstudie zum Projekt beschreibt sogenannte Floy-Tags: äußerlich sichtbare Kunststoffmarkierungen mit einer individuellen Kennung. Das Verfahren beruht auf Fang, Markierung, Freilassung und späterem Wiederfang. Werden Standort und Körpermaße erneut dokumentiert, lassen sich Ortswechsel und Wachstum nachvollziehen. Eine lückenlose Schwimmroute liefern solche Kennmarken nicht; sie sind keine Satellitensender.
Die 2025 im Rahmen des Coastal Explorer Internship Programme erarbeitete Studie bündelte mehr als 8.000 Nachweise von insgesamt 20 Hai- und Rochenarten. Das ist eine Datengrundlage, keine Zählung von 8.000 verschiedenen Tieren. Die Autoren benennen deutliche Grenzen: Manche Arten und Orte wurden wesentlich häufiger untersucht als andere. Aus dieser ungleichmäßigen Erfassung lassen sich keine verlässlichen Bestandstrends ableiten.
Angler als Partner der Forschung
Nach einem Projektupdate des Kent Wildlife Trust hat die praktische Arbeit bereits in Ramsgate begonnen. Dort wurden theoretische Schulungen und Übungen an Bord für Küstenangler und Charterboot-Besatzungen angeboten. Der Trust nennt fünf geschulte Angler, zwei beteiligte Charterboote und mehr als 30 markierte Glatthaie als damaligen Zwischenstand. Eine Ausweitung nach Dover ist für später im Jahr angekündigt.
Die Beteiligten sollen dabei helfen, Wissenslücken zur Häufigkeit, Verbreitung und Bewegung der Tiere zu schließen. Der Trust verbindet diese Datensammlung mit dem Ziel, Schutz und Management der örtlichen Hai- und Rochenarten langfristig zu verbessern. Die Teilnahme baut auf Schulung und angeleiteter Praxis auf.
Geopark-Bewerbung läuft noch
Der BBC-Bericht stellt die Haiforschung auch in den Zusammenhang des grenzüberschreitenden Cross-Channel Geopark. Dessen angestrebte UNESCO-Anerkennung ist jedoch noch kein erteilter Status: Laut Kent Downs National Landscape wurde die Bewerbung im November 2025 eingereicht; eine Entscheidung wird im Frühjahr 2027 erwartet. Für die Haiforschung bleibt zunächst entscheidend, genügend wiederholbare Beobachtungen zu sammeln, um die Bedeutung der Küstengewässer genauer einordnen zu können.

