Wo früher Küstenwälder und Feuchtgebiete lagen, finden heute Meerestiere Unterschlupf. Eine neue Studie beschreibt flache Torfriffe im Bazaruto-Archipel vor Mosambik. In dem verfestigten Pflanzenmaterial leben zahlreiche Fische und Wirbellose; auch Haie und Rochen nutzen diese Lebensräume. Die Untersuchung zeigt, dass ökologisch wichtige Riffe nicht immer von Korallen aufgebaut werden.
Alter Waldboden wird zum Meereslebensraum
Torf entsteht aus angesammelten Pflanzenresten. Steigt der Meeresspiegel, können frühere Küstenböden unter Wasser geraten. Wellen und Strömungen tragen darüberliegenden Sand ab und legen festere Torfschichten frei. Im Bazaruto-Archipel bilden solche Ablagerungen strukturreiche Flächen in einer ansonsten vielfach sandigen Umgebung.
Nach Angaben des Bazaruto Center for Scientific Studies untersuchte das Team drei Torfriffe und ein benachbartes Korallenriff. Radiokarbondatierungen ergaben für Torfproben ein Alter von ungefähr 300 bis 5.000 Jahren. Auf dem Torf wachsen Seegras und Algen; Spalten und Vorsprünge bieten unter anderem jungen Fischen Schutz. Lebende Korallen fehlen dort.
Haie und Rochen gehören zu den Besuchern
Die Forschenden erfassten den Bewuchs, Wirbellose, kleine Fische und größere Tiere. Haie, Rochen und Meeresschildkröten wurden in beiden Rifftypen beobachtet. Das zeigt, dass sich die Nutzung des Küstenraums nicht auf Korallenriffe beschränkt. Die Lebensgemeinschaften waren allerdings nicht identisch: Besonders bei den am Untergrund lebenden Organismen unterschieden sich die Rifftypen.
Viele Jungfische sprechen für eine Bedeutung als Aufwuchsraum. Eine nachgewiesene Hai-Kinderstube lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Dafür müsste unter anderem untersucht werden, ob junge Haie solche Flächen regelmäßig und über längere Zeit nutzen. Die vorliegende Arbeit vergleicht Lebensgemeinschaften; sie verfolgt keine individuellen Haiwanderungen.
Kohlenstoffreicher Torf ist noch keine nachgewiesene Klimasenke
Einzelne Proben enthielten bis zu 40 Prozent organischen Kohlenstoff bezogen auf die Trockenmasse. Dieser Anteil beschreibt das untersuchte Material, nicht den gesamten Kohlenstoffvorrat der Riffe. Ob heute zusätzlich Kohlenstoff gespeichert wird oder Erosion zur Freisetzung beiträgt, ist offen. Dafür sind weitere Messungen nötig.
Ein ergänzender Lebensraum braucht Aufmerksamkeit
Die Torfriffe liegen laut BCSS nur etwa zwei bis vier Meter tief. Gezeiten, Sandverlagerungen und Stürme können sie freilegen, überdecken oder abtragen. Sie sind deshalb kein dauerhafter Ersatz für geschädigte Korallenriffe. Die Autoren regen an, sie in Küstenkarten und Schutzplanungen stärker zu berücksichtigen.
Die neue Arbeit baut auf dem Bazaruto-Beobachtungsprogramm auf, dessen Langzeitdaten wir bereits vorgestellt haben. Für den Schutz mobiler Meerestiere ist der Blick auf verschiedene benachbarte Lebensräume hilfreich: Wer nur Korallenflächen betrachtet, kann andere genutzte Strukturen übersehen. Die Untersuchung liefert dafür einen konkreten Ausgangspunkt, aber noch keine umfassende Bestandsaufnahme aller Torfriffe der Region.
Küstenlandschaft im Bazaruto-Archipel, aufgenommen 2016; die untersuchten Torfriffe sind nicht zu sehen. Bildausschnitt. Cornelius Kibelka / Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0.

