Kleine Schwarzspitzenhaie (Carcharhinus limbatus) können Unterwasserschall aus beträchtlicher Entfernung wahrnehmen und ihre Schwimmrichtung anpassen. In einer Feldstudie vor Florida reagierten frei schwimmende Tiere auf tiefe Testtöne, indem sie plötzlich vom Lautsprecher wegdrehten. Die größte beobachtete Reaktionsentfernung betrug laut der Florida Atlantic University bis zu 74 Meter.
Ein Lautsprecher im Wasser, eine Drohne darüber
Das Forschungsteam untersuchte die Haie in flachen Küstengewässern vor Palm Beach County. Ein Unterwasserlautsprecher spielte Signale in drei Frequenzbereichen ab: 100 bis 200, 200 bis 400 sowie 400 bis 800 Hertz. Ein Kontrollton mit 10.000 Hertz lag außerhalb des bekannten Hörbereichs der Tiere. Die Testsignale waren so laut gewählt, dass sie eine Schreckreaktion auslösen sollten.
Eine Drohne verfolgte die Schwimmwege aus etwa 40 bis 50 Metern Höhe. Das Forschungsvideo der Universität zeigt den Versuchsaufbau und die Richtungswechsel der Haie.
Die Haie drehten von der Schallquelle weg
Bei den niederfrequenten Signalen änderten die Tiere ihre Richtung um etwa 20 bis 160 Grad und schwammen rasch weg. Auf den hochfrequenten Kontrollton reagierten sie nicht. Von 209 ausgewerteten Reaktionen traten 71,6 Prozent im akustischen Fernfeld auf. Diese Zahl bezeichnet Reaktionen, nicht 209 verschiedene Haie.
Im Fernfeld ist die direkte Untersuchung des Hörvermögens besonders interessant: Haie besitzen keine gasgefüllte Schwimmblase, die bei vielen Knochenfischen zur Wahrnehmung von Schalldruck beiträgt. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die Haie auch dort die mit dem Schall verbundene Teilchenbewegung wahrnehmen. Welcher Mechanismus genau dahintersteht, bleibt weiter zu untersuchen.
74 Meter sind keine allgemeine Hörgrenze
Die gemessene Entfernung hängt von den verwendeten Signalen, ihrer Lautstärke und den Bedingungen im Versuch ab. Sie lässt sich weder auf jeden Hai noch auf beliebige Geräusche übertragen. Die Studie zeigt eine Ausweichreaktion auf Testtöne; sie belegt nicht, dass Haie Beute aus genau dieser Entfernung hören oder zuverlässig angelockt werden.
Die Untersuchung erschien bereits im Juni 2026. Die Universität stellte sie im September vor. Ihr besonderer Beitrag liegt darin, die Reaktionen wild lebender Haie mit kontrollierten Schallmessungen und einer Beobachtung aus der Luft zu verbinden.


