Weißgefleckter Glatthai - Mustelus asterias

Der Weißgefleckte Glatthai Mustelus asterias ist ein Grundhai aus der Familie der Triakidae. WoRMS führt den wissenschaftlichen Namen als gültige Art. Auf Haitauchen steht sie innerhalb der Selachii, der Galeomorphi, der Carcharhiniformes und der Gattung Mustelus.

Der englische Name Starry Smooth-hound verweist auf die vielen kleinen weißen Flecken auf dem grauen bis graubraunen Rücken. Die Bauchseite ist deutlich heller. Bei manchen Tieren sind die Flecken kontrastreich, bei anderen schwach oder kaum zu sehen; die Zeichnung allein reicht deshalb nicht immer für eine sichere Artbestimmung.

Erkennungsmerkmale

Der Körper ist langgestreckt und mäßig kräftig, die Schnauze kurz bis mäßig lang und rundlich. Zwei auffällige Rückenflossen ohne Stacheln, große Brustflossen, eine Afterflosse und ein deutlich asymmetrischer Schwanz entsprechen dem typischen Bauplan der Glatthaie. Die Augen liegen seitlich am Kopf; vor dem kleinen Maul sitzen gut entwickelte Nasenlappen.

  • Grauer bis graubrauner Rücken mit kleinen hellen oder weißen Flecken.
  • Helle Bauchseite und schlanker, bodennah beweglicher Körper.
  • Zwei Rückenflossen ohne Dornen sowie eine vorhandene Afterflosse.
  • Kurze, gerundete Schnauze und kleine, zahlreich angeordnete Zähne.
  • In europäischen Gewässern meist deutlich unter 1,4 Meter, große Tiere etwa bis zu dieser Länge.

Zähne, Größe und Verwechslungsgefahr

Die Zähne sind niedrig und eher zum Greifen und Zerdrücken kleiner harter Beute als zum Zerschneiden gebaut. FishBase nennt Krebstiere als wichtigste Nahrung und führt Maximalangaben bis etwa 1,5 Meter; für britische Gewässer werden meist bis rund 1,4 Meter genannt.

Farrell et al. (2009) zeigen, warum Glatthaie im Nordostatlantik historisch häufig nicht zuverlässig nach Arten getrennt wurden. Auch der Weißgefleckte Glatthai wurde dabei mit dem Grauen Glatthai Mustelus mustelus verwechselt. Flecken, Proportionen und Zähne können bei der Bestimmung helfen, sind aber nicht in jedem Fall eindeutig. Besonders bei Fang- und Sichtungsdaten sollte die Art daher nur dann sicher benannt werden, wenn mehrere Merkmale oder genetische Daten zusammenpassen.

Der Catalog of Fishes ordnet den Weißgefleckten Glatthai dem Nordostatlantik zu. Sein nördlicher Bereich reicht von Schottland und dem südlichen Norwegen über die Nordsee, das Vereinigte Königreich, die Niederlande und Frankreich bis nach Spanien und Portugal. Entlang Nordwestafrikas kommt die Art unter anderem vor Marokko und weiter südlich vor.

Weißgefleckter Glatthai Mustelus asterias Karte Verbreitung
Chris_huh, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons; converted to WebP

Zum Verbreitungsgebiet gehören außerdem Insel- und Schelfgewässer im östlichen Atlantik sowie das Mittelmeer; auch aus dem Schwarzen Meer liegen Nachweise vor. Die Häufigkeit ist regional sehr unterschiedlich, und ältere Fangstatistiken trennen die ähnlich aussehenden Mustelus-Arten oft nicht zuverlässig.

Boden, Tiefe und Küstennähe

Die Art lebt bodennah über dem Schelf. Typisch sind Sand-, Kies- und Mischböden vom Flachwasser bis ungefähr 200 Meter Tiefe. Große Buchten, sandige Küsten, äußere Ästuarbereiche und nahrungsreiche Schelfzonen sind besonders wichtig. Jungtiere nutzen oft sehr flache, geschützte Bereiche.

Elektronische Sender von Griffiths et al. (2020) zeichneten bei sechs auswertbaren Tieren Tiefen bis 118 Meter und deutliche saisonale Wechsel auf. Diese kleine Stichprobe beschreibt Bewegungen einzelner Haie und keine harte Artgrenze. Sie passt aber zum Schwerpunkt im flacheren Schelf und zeigt, dass Tiere im Winter tiefer und im Sommer küstennäher leben können.

Jährliche Wanderungen und Geburtsgebiete

Eine niederländische Markierungsstudie von Brevé et al. (2016) zeigte eine jährliche Wanderung zwischen Sommergebieten in der südlichen Nordsee und Wintergebieten im Ärmelkanal und in der Biskaya. Wiederfänge deuten zudem auf Ortstreue hin: Viele Tiere kehren in späteren Jahren in dieselben Sommerregionen zurück.

In der Oosterschelde waren größere Weibchen besonders häufig. Der Fang von 30 neugeborenen Jungtieren mit höchstens 32 Zentimetern bestätigte die Bedeutung des Gebiets als saisonales Geburtsgebiet. Damit ist ein pupping ground belegt; ob das Gebiet alle strengen Langzeitkriterien einer dauerhaften Nursery erfüllt, braucht weitere Daten. Solche flachen Geburts- und Aufwuchsgebiete sind räumlich begrenzt und deshalb besonders schutzrelevant.

Brevé et al. (2020) bestätigte eine räumliche Trennung nach Geschlecht: Im Winter wurden mehr Männchen in der nördlichen Nordsee und mehr Weibchen in der Biskaya erfasst. Geschützte niederländische Meeresarme wurden im Sommer fast ausschließlich von erwachsenen Weibchen genutzt.

Weißgefleckte Glatthaie suchen ihre Nahrung überwiegend am oder dicht über dem Meeresboden. Sie können sich saisonal nach Größe und Geschlecht gruppieren, bleiben dabei aber aktive Küsten- und Schelfhaie, die zwischen Nahrungsräumen, Geburts- und Aufwuchsgebieten sowie Wintergebieten wechseln.

Ernährung

McCully Phillips et al. (2020) untersuchten die Mageninhalte von 640 Tieren aus dem Nordostatlantik. Krebstiere dominierten mit 98,8 Prozent im verwendeten Index der relativen Bedeutung. Besonders wichtig waren Einsiedlerkrebse und Schwimmkrabben; zusammen beschrieben nur wenige Krebstiergruppen den größten Teil der Nahrung.

Größere Glatthaie fraßen häufiger größere Krabbenarten, während kleinere Tiere ein anderes Beutespektrum nutzten. Gelegentlich können auch kleine Fische oder andere bodennahe Tiere aufgenommen werden. Die flachen Zähne und das kleine Maul passen zu einem spezialisierten Jäger harter, bodenlebender Beute.

Fortpflanzung

Die Art ist aplazental lebendgebärend: Die Embryonen entwickeln sich im Muttertier, werden aber nicht über eine Dottersackplazenta versorgt. Stattdessen nutzen sie den Dottervorrat des Eis, bis die vollständig entwickelten Jungtiere lebend geboren werden.

Eine Untersuchung britischer Gewässer von McCully Phillips & Ellis (2015) schätzte die Länge bei 50-prozentiger Geschlechtsreife auf 70,4 Zentimeter bei Männchen und 81,9 Zentimeter bei Weibchen. In den untersuchten Muttertieren lagen vier bis 20 Embryonen; geburtsreife Junge maßen 20,5 bis 32,9 Zentimeter. Größere Weibchen trugen im Mittel mehr und größere Jungtiere.

Im westlichen Ärmelkanal wurden Geburten im Februar, im östlichen Ärmelkanal und in der südlichen Nordsee im Juni und Juli festgestellt. Diese Unterschiede zeigen, dass Fortpflanzungswerte nicht unbesehen von einer Region auf die gesamte Art übertragen werden sollten.

Reproduktionszyklus, Reife und Alter

Farrell et al. (2010) ermittelten für atlantische Tiere eine Tragzeit von ungefähr zwölf Monaten, gefolgt von einer etwa einjährigen Ruhephase. Daraus ergibt sich ein ungefähr zweijähriger Zyklus. Männchen wurden in dieser Studie mit etwa vier bis fünf Jahren, Weibchen mit etwa sechs Jahren geschlechtsreif.

Die Studie von Farrell et al. (2010) wies bei wild gefangenen Tieren ein Höchstalter von 13 Jahren nach; Wachstumsmodelle ließen bei Weibchen etwa 18 Jahre als möglich erscheinen. Die Kombination aus später Reife, langer Tragzeit und Ruhephase begrenzt, wie schnell ein Bestand Verluste ausgleichen kann.

Die IUCN Red List bewertet Mustelus asterias global als Potenziell gefährdet (Near Threatened). Die Bewertung beruht auf einer Beurteilung von 2020 und wurde 2021 veröffentlicht. Sie beschreibt ein erhöhtes Risiko, ist aber keine rechtlich bindende Fangregel.

Nach der von NatureScot zusammengefassten IUCN-Begründung nahm der Weltbestand über drei Generationen beziehungsweise 39 Jahre um geschätzte 20 bis 29 Prozent ab. Als Hauptursache gilt die tatsächliche Fischereientnahme, besonders im Mittelmeer und im Schwarzen Meer.

Regional unterschiedliche Entwicklung

Im Nordostatlantik zeigt sich ein anderes Bild als im globalen Mittel: ICES-Daten deuten auf zunehmende Häufigkeit in der Nordsee, vor Westschottland und in weiteren Teilen des Nordostatlantiks hin. Ein regionaler Anstieg widerlegt den globalen Rückgang nicht, sondern zeigt, wie stark Fischereidruck, Erfassung und Bestandsentwicklung zwischen Meeresgebieten variieren.

Fischerei, Beifang und Datenlücken

Weißgefleckte Glatthaie geraten in Grundschleppnetze, Kiemennetze und Langleinen. Je nach Markt werden sie angelandet, als Köder genutzt oder zurückgeworfen. Bei Schleppnetzfängen sind viele Tiere noch nicht geschlechtsreif; die Überlebensrate nach dem Fang hängt stark von Fanggerät und Behandlung ab.

  • Gezielter Fang und Beifang entnehmen erwachsene Weibchen und Jungtiere.
  • Die langsame, regional teils zweijährige Fortpflanzung verzögert die Erholung.
  • Geburts- und Aufwuchsgebiete in flachen Buchten und Ästuaren liegen in intensiv genutzten Küstenräumen.
  • Verwechslungen mit anderen Glatthaien erschweren artspezifische Fang- und Bestandsdaten.
  • Regionale Zunahmen können lokale Risiken in anderen Teilen des Verbreitungsgebiets verdecken.

Der Beschluss der CITES-CoP20 sieht vor, alle Arten der Gattung Mustelus in Anhang II aufzunehmen; die Aufnahme tritt am 5. Juni 2027 in Kraft und reguliert den internationalen Handel mit Exemplaren dieser Arten. Mustelus asterias ist derzeit weder in der CMS-Artenliste noch in der OSPAR-Liste gefährdeter oder rückläufiger Arten und Lebensräume aufgeführt. CITES ersetzt daher weder Fischereimanagement noch Lebensraumschutz; beides bleibt für einen wirksamen Schutz der Art erforderlich.

Das belgische Forschungsinstitut ILVO stuft den Weißgefleckten Glatthai für Menschen als harmlos ein. Die Art jagt vor allem Krebstiere am Boden und zeigt kein Verhalten, das sie zu einer typischen Gefahr für Badende, Schnorchler oder Taucher machen würde. Wie jedes Wildtier sollte sie trotzdem nicht bedrängt werden.

Für Taucher ist Mustelus asterias kein klassischer Großhai an einem garantierten Beobachtungsplatz. Begegnungen sind eher saisonale Naturmomente über Sand, Kies oder in flachen Buchten. Viele wichtige Lebensräume sind trüb, gezeitengeprägt und zugleich Geburts- und Aufwuchsgebiete, sodass ruhiges Verhalten wichtiger ist als eine möglichst nahe Aufnahme.

Begegnungen respektvoll gestalten

Die allgemeinen Leitlinien des Shark Trust passen auch zu dieser Art: Haie entscheiden selbst über Distanz und Dauer einer Begegnung. In flachen Geburtsgebieten zählt besonders, Gruppen nicht auseinanderzutreiben und den Weg ins tiefere Wasser frei zu halten.

  • Langsam und seitlich annähern, Fluchtwege zum tieferen Wasser offenlassen.
  • Tiere nicht anfassen, verfolgen, einkreisen oder vom Boden aufscheuchen.
  • Jungtiergruppen und große Weibchen in flachen Buchten besonders weiträumig beobachten.
  • Nicht füttern oder für Fotos anlocken; natürliche Bewegungen nicht verändern.
  • Lokale Sperrzonen, Gezeiten, Sicht und Bootsverkehr vor dem Einstieg prüfen.

Markierungsforschung und Wiederfänge

Die niederländische Markierungsstudie zeigt den Wert von Bürgerwissenschaft: Mehr als 2.200 Tiere wurden zwischen 2011 und 2014 in der niederländischen Delta-Region äußerlich markiert. Ein später gemeldeter Wiederfang liefert Ort, Zeit und Wachstum; erst viele solcher Meldungen machen Wanderungen und Ortstreue sichtbar.

Eine äußere Kennmarke ist nicht automatisch ein GPS-Sender. Wer einen markierten Glatthai sieht oder fängt, sollte Nummer, Ort, Datum, Länge und möglichst aussagekräftige Fotos an das auf dem Tag genannte Programm melden. Für eine Artbestimmung helfen Aufnahmen von Körperseite, Rückenzeichnung, Flossen und Kopf; einzelne weiße Flecken allein sind kein sicherer Beweis.

Fischerei und schonende Behandlung

Fachübersichten beschreiben die Art als kommerziellen Beifang und als beliebten Sportfisch. Die Sterblichkeit unterscheidet sich deutlich nach Fangmethode: In Kiemennetzen kann sie hoch sein, während viele mit Langleinen gefangene Tiere zunächst in gutem Zustand ankommen. Zur Sterblichkeit nach sportlichem Fangen und Freilassen fehlen weiterhin belastbare Gesamtdaten.

Wenn eine Rücksetzung vorgesehen und rechtlich erlaubt ist, zählen kurze Handhabungszeit, möglichst wenig Luftkontakt, Unterstützung des gesamten Körpers und eine zügige Freilassung. Für Taucher bleibt die beste Begegnung ohnehin die passive: beobachten, Abstand halten und den Hai selbst entscheiden lassen, wie lange er sichtbar bleibt.

Steckbrief

  • Erstbeschreibung:Cloquet, 1821
  • Max. Größe:1,54m
  • Tiefe:0 - 199m
  • Max. Alter:13 Jahre
  • Max. Gewicht:kg
  • Wassertyp:Salzwasser
  • IUCN Status:Potenziell gefährdet

Systematik

Newsletter

Shark alert in your inbox

Hai-Alarm im Postfach

Echte News statt Mythen!
- Alle 14 Tage neu -