Nordsee-Kinderstube: Mehr junge Glatthaie vor Zeeland

Vor Zeeland werden immer mehr junge Weißgefleckte Glatthaie beobachtet. Bei Sharkatag 2026 markieren Forschende ausgewählte Tiere, um Wanderrouten und Aufwuchsgebiete zu verstehen – und wichtige Lebensräume besser zu schützen.

Sharky11. Juli 2026
Weißgefleckter Glatthai wird auf Boot untersucht und getagt
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=pHc3COdahqM

Vor der niederländischen Küste schwimmen nicht nur vereinzelte Haie. Rund um Neeltje Jans in Zeeland treffen Forschende im Sommer auf zahlreiche Weißgefleckte Glatthaie – darunter immer mehr Jungtiere. Beim Sharkatag 2026 wurden ausgewählte Tiere gefangen, vermessen, markiert und unmittelbar wieder freigelassen.

Ein Bericht des NOS Jeugdjournaal begleitete die Arbeit vor Ort. Haiforscher Niels Brevé erklärt darin, warum ausgerechnet die kleinsten und die großen weiblichen Tiere für das Projekt besonders interessant sind.

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Ein kleiner Nordseehai statt eines tropischen Räubers

Im Beitrag geht es um den Weißgefleckten Glatthai (Mustelus asterias). Die niederländische Bezeichnung gevlekte gladde haai beschreibt die hellen Punkte auf dem Rücken. Die Art lebt bodennah auf dem Schelf des Nordostatlantiks und kommt regelmäßig in der südlichen Nordsee vor.

Für Badende und Tauchende stellen diese Glatthaie keine Gefahr dar. Ihr Körperbau erinnert zwar unverkennbar an einen Hai, doch ihre kleinen, eher abgeflachten Zähne sind auf bodenlebende Beute wie Krebse und andere Wirbellose ausgelegt – nicht auf große Beutetiere.

Fangen, messen, markieren, freilassen

Die Tiere werden mit kleinen Haken und Ködern gefangen. An Bord bestimmen die Teams Geschlecht und Länge, fotografieren die Haie und entscheiden, ob eine Markierung sinnvoll ist. Danach kommen die Tiere so schnell wie möglich zurück ins Wasser. Im Video wird beispielsweise ein 68 Zentimeter langes Tier ohne Tag wieder freigelassen, weil es nicht in die diesjährige Zielgruppe fällt.

2026 liegt der Schwerpunkt auf Jungtieren unter 50 Zentimetern sowie auf großen Tieren über einem Meter, bei denen es sich häufig um erwachsene Weibchen handelt. Die beiden Gruppen können Hinweise darauf liefern, wo die Haie ihre Jungen zur Welt bringen und welche Gebiete die Weibchen dafür aufsuchen.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen verschiedenen Tags. Ein einfacher äußerer Floy-Tag sendet nicht fortlaufend eine GPS-Position. Er trägt eine Kennung und liefert neue Ortsdaten, wenn ein Tier später wiedergefangen und gemeldet wird. Elektronische oder satellitengestützte Sender können dagegen deutlich mehr Bewegungsdaten aufzeichnen. Die Projektinformationen unterscheiden daher zwischen äußeren Marken und Sendern.

Mehr als 5.000 Haie in 15 Jahren markiert

Das Programm läuft seit rund 15 Jahren. Nach Angaben im NOS-Beitrag wurden inzwischen mehr als 5.000 Haie markiert. Solche Langzeitdaten sind besonders wertvoll, weil einzelne Wiederfänge erst nach Monaten oder Jahren zeigen, welche Routen die Tiere nutzen und ob sie an bekannte Sommergebiete zurückkehren.

Die bisherigen Daten zeichnen ein nach Geschlechtern unterschiedliches Wanderungsmuster. Viele erwachsene Weibchen verlassen die Gewässer Zeelands nach dem Sommer in südlicher Richtung und können bis in die Biskaya oder nach Nordspanien ziehen. Ein großer Teil der Männchen wandert dagegen nordwärts in Richtung Schottland und Norwegen. Im Frühjahr erscheinen viele Tiere wieder in der Zeeuwse Voordelta.

Warum die Jungtiere so wichtig sind

Der NOS-Beitrag nennt als grobe, auf ein Jahr umgerechnete Größenordnung zwei bis zehn Junge pro Weibchen. Diese Angabe belegt jedoch nicht, dass jedes Weibchen in jedem Jahr gebärt: Eine Studie an Tieren aus britischen Gewässern ermittelte vier bis 20 Embryonen je trächtigem Weibchen, während eine Studie zur nordostatlantischen Population eine etwa zwölfmonatige Tragzeit mit anschließender, ungefähr zwölfmonatiger Ruhephase und damit einen rund zweijährigen Fortpflanzungszyklus beschreibt. Wegen dieser geringen Fortpflanzungsrate ist es besonders wichtig, flache Küstengewässer zu erkennen und zu schützen, die als Geburts- und Aufwuchsgebiete dienen.

Die Sportvisunie beschreibt die Voordelta als bedeutende Kinderstube für den Weißgefleckten Glatthai, den Hundshai und den Gewöhnlichen Stechrochen. Auf Grundlage verschiedener Datensätze wurde das Gebiet zudem als Important Shark and Ray Area (ISRA) abgegrenzt. Eine solche wissenschaftliche Einstufung kennzeichnet einen wichtigen Lebensraum; sie ist jedoch nicht automatisch mit einem rechtlich verbindlichen Schutzgebiet gleichzusetzen.

Belegen wärmere Meere den Anstieg?

Der NOS-Beitrag nennt wärmeres Meerwasser als möglichen Grund dafür, dass die Art häufiger vor Zeeland beobachtet wird. Temperatur beeinflusst tatsächlich, wann Glatthaie die flachen Küstengewässer nutzen. Aus dem kurzen Bericht lässt sich aber nicht ableiten, welcher Anteil des beobachteten Anstiegs direkt auf den Klimawandel zurückgeht.

Auch Fangaufwand, gezieltere Suche, bessere Meldesysteme und wechselnde Umweltbedingungen beeinflussen, wie viele Haie registriert werden. Mehr beobachtete Jungtiere sind deshalb ein wichtiges positives Signal, aber noch keine vollständige Bestandszählung und kein alleiniger Beweis für eine bestimmte Ursache.

Aus Bewegungsdaten muss Schutz werden

Das Tagging beantwortet nicht nur die Frage, wohin einzelne Haie schwimmen. Es kann zeigen, welche Buchten, Mündungsgebiete und Wanderkorridore in bestimmten Jahreszeiten besonders wichtig sind. Daraus lassen sich gezieltere Maßnahmen ableiten – etwa räumlicher Schutz für Kinderstuben, ein schonenderer Umgang mit Beifang oder Regeln, nach denen gefangene Haie lebend zurückgesetzt werden.

Die erfreuliche Rückkehr der Weißgefleckten Glatthaie vor Zeeland ist deshalb kein Grund, die Art als gesichert abzuhaken. Gerade weil die Tiere langsam Nachwuchs bekommen und weite Grenzen überschreitende Wanderungen unternehmen, brauchen sie verlässliche Daten und abgestimmte Schutzmaßnahmen. Die wichtigste Botschaft der Aufnahmen lautet dabei nicht, dass Menschen Angst vor Nordseehaien haben müssen – sondern dass ihre Kinderstuben Aufmerksamkeit verdienen.

Erwähnte Arten

Weißgefleckter Glatthai Mustelus asterias in südlicher Nordsee

Weißgefleckter Glatthai

Quellen

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