Schlinghai - Centrophorus granulosus

Körperbau, Merkmale & Anatomie
Der Schlinghai besitzt einen mäßig kräftigen, lang gestreckten Körper mit breitem Kopf und einer kurzen bis mäßig langen, abgerundeten Schnauze. Die Oberseite ist gleichmäßig braun, graubraun oder dunkelgrau, die Unterseite etwas heller. Auch die dunkle Auskleidung des Mauls kann bei der Bestimmung auffallen.
Nach der Beschreibung von Fishes of Australia trägt die Art zwei Rückenflossen mit kräftigen Stacheln. Die erste Rückenflosse ist höher als die zweite; ihre Basis ist lang und ihr freies Hinterende ausgezogen. Wie für Dornhaie typisch fehlt eine Afterflosse.
Zähne und raue Haut
Die Zähne beider Kiefer besitzen jeweils eine Hauptspitze, unterscheiden sich aber deutlich in der Größe. Oben stehen kleinere, eher aufrechte bis leicht geneigte Zähne. Die unteren Zähne sind wesentlich größer, stark schräg gestellt und bilden gemeinsam eine schneidende Kante.
Bei ausgewachsenen Tieren liegen die Hautzähnchen dicht nebeneinander. Ihre flachen, rundlichen bis tropfenförmigen Kronen erzeugen die körnige Oberfläche, auf die der Artname granulosus anspielt. Jungtiere besitzen stärker aufgerichtete, dreispitzige Hautzähnchen.
Größe und Geschlechtsunterschiede
Weibchen werden deutlich größer als Männchen. Die maximale belegte Gesamtlänge liegt bei ungefähr 176 Zentimetern; große Männchen erreichen etwa 124 Zentimeter. Auch die lang ausgezogenen Hinterränder der Brustflossen und der robuste Kopf helfen bei der Abgrenzung von kleineren Arten der Familie.
Die aktuelle Taxonomie in WoRMS führt Centrophorus acus und Centrophorus niaukang als Synonyme. Ältere Fotos, Fangmeldungen und Bestandsdaten unter diesen Namen können daher dieselbe Art betreffen; bei historischen Angaben bleibt eine erneute Prüfung der Bestimmung trotzdem wichtig.
Verbreitung & Lebensraum
Der Schlinghai ist fleckenhaft im Atlantik sowie im Indischen Ozean und im westlichen Pazifik verbreitet. Gut belegte Vorkommen liegen unter anderem vor Portugal, Südafrika und Australien. Im östlichen Pazifik ist die Art nicht nachgewiesen.

Bewohnt werden äußere Kontinentalschelfe, Kontinentalhänge und die Hänge ozeanischer Inseln. Der Hai schwimmt meist dicht über dem Boden oder in der bodennahen Wassersäule. Nachweise reichen ungefähr von 50 bis 1.500 Meter Tiefe, der Schwerpunkt liegt vielerorts zwischen 300 und 1.100 Metern.
Kühle Tiefenhänge statt flacher Küsten
Die weite horizontale Verbreitung darf nicht mit einem gleichmäßig besiedelten Areal verwechselt werden. Geeignete Tiefen, Temperatur, Nahrungsangebot und die Struktur der Hänge begrenzen das Vorkommen auf getrennte Lebensräume. Innerhalb einer Region können Geschlechter und Reifestadien außerdem unterschiedliche Tiefen nutzen.
Die Bestandsbewertung von OSPAR weist für den Nordostatlantik ausdrücklich auf Bestimmungsschwierigkeiten hin. Frühere Anlandungen fassten mehrere Schlinghaiarten unter einem Namen zusammen. Auch historische Meldungen aus dem Mittelmeer können teilweise den ähnlichen Kleinen Schlinghai betreffen.
Verbreitung bleibt lückenhaft bekannt
Tiefseeerhebungen sind räumlich ungleich verteilt und viele Fänge werden nur als Centrophorus sp. gemeldet. Karten zeigen deshalb eher bestätigte Fundgebiete als eine geschlossene Verbreitungsfläche. Neue morphologische und genetische Prüfungen können einzelne Randvorkommen künftig noch verändern.
Lebensweise, Ernährung & Fortpflanzung
Schlinghaie leben überwiegend einzeln und suchen am Boden sowie in der darüberliegenden Wassersäule nach Nahrung. Ihre großen unteren Zähne schneiden Beute, während die kleineren oberen Zähne sie festhalten. Die nährstoffarme Tiefsee begünstigt eine energiesparende Lebensweise.
FishBase nennt vor allem Knochenfische wie Seehechte, Laternenfische, Dorsche und Grenadierfische als Beute. Hinzu kommen Kalmare und Krebstiere. Die Nahrung verbindet damit Organismen des Meeresbodens mit Beute aus der mesopelagischen Wassersäule.
Lebendgeburt mit wenigen Jungen
Die Art ist aplazental lebendgebärend. Die Embryonen entwickeln sich im Uterus ohne Plazentaverbindung und werden vor allem über einen großen Dottervorrat ernährt. Untersuchte Würfe umfassten ein bis sieben Junge; häufig wurden vier bis sechs Embryonen gefunden.
Eine Studie in Deep Sea Research Part II ermittelte im Mittel 5,3 Embryonen und Größen bei Geschlechtsreife von etwa 111 Zentimetern für Männchen und 143 Zentimetern für Weibchen. Die Arbeit dokumentierte zudem stärker durchblutete Uterusstrukturen während der Entwicklung, ohne eine Plazenta nachzuweisen.
Späte Reife und lange Generationen
Weibchen erreichen die Reife schätzungsweise erst mit rund 16,5 Jahren. Das höchste dokumentierte Alter liegt bei ungefähr 39 Jahren, die Generationslänge bei 27,75 Jahren. Diese langsame Lebensgeschichte erklärt, warum selbst begrenzte zusätzliche Sterblichkeit über Jahrzehnte zu deutlichen Bestandsverlusten führen kann.
Bedrohung & Schutzstatus
Die IUCN Red List bewertet den Schlinghai seit der Neubewertung von 2024 global als stark gefährdet (Endangered, Kriterium A2bd). Über drei Generationen beziehungsweise rund 83 Jahre wird ein Rückgang von 50 bis 79 Prozent angenommen.
Tiefseefischerei trifft eine langsame Art
Die Art wird mit Grund- und Mittelwassertrawls, Tiefsee-Langleinen, Kiemennetzen und Stellnetzen gefangen. Sie kann Zielart sein oder als Beifang an Bord kommen. Der Druck wirkt besonders stark, weil späte Geschlechtsreife, lange Generationen und kleine Würfe eine schnelle Erholung verhindern.
- Leberöl: Tiefsee-Schlinghaie werden wegen ihres squalenreichen Öls gezielt genutzt.
- Beifang: Tiere aus großer Tiefe überleben Fang, Druckänderung und lange Handhabung häufig nicht.
- Fehlbestimmungen: zusammengefasste Fangmeldungen verdecken artspezifische Rückgänge.
- Unregulierte Fischereien: in Teilen des Verbreitungsgebiets fehlen Fanggrenzen und belastbare Kontrollen.
Schutz und internationaler Handel
Im Nordostatlantik gelten Verbote oder starke Beschränkungen für gezielte Fischerei und Anlandungen mehrerer Tiefseehaie. Solche Regeln verringern den Druck regional, schützen aber keine Populationen in Gebieten mit weiterhin intensiver oder schlecht erfasster Tiefseefischerei.
Auf der CITES-Vertragsstaatenkonferenz 2025 wurde nach dem veröffentlichten CoP20-Ergebnis die gesamte Familie der Schlinghaie in Anhang II aufgenommen. Wegen der vereinbarten Übergangsfrist tritt die Listung erst am 5. Juni 2027 in Kraft. Ab dann muss internationaler Handel legal und mit dem Fortbestand der Bestände vereinbar sein.
Schlinghai & Mensch
Für Schwimmer und Sporttaucher stellt der Schlinghai keine relevante Gefahr dar. Sein Lebensraum liegt fast immer weit unter normalen Tauchtiefen, und es gibt keine Hinweise auf ein gegenüber Menschen aggressives Verhalten. Direkte Begegnungen erfolgen überwiegend bei Tiefsee-Forschung oder Fischerei.
Begegnungen meist an Bord
Die als Titelbild verwendete Aufnahme zeigt ein totes Exemplar auf dem Deck eines Forschungsschiffs. Solche Fotos sind für Bestimmung und Dokumentation wichtig, dürfen aber nicht mit einer natürlichen Unterwasserbegegnung verwechselt werden. Lebende Tiere sollten wegen der Rückenflossenstacheln und scharfen Zähne nicht angefasst werden.
Leberöl, Fleisch und Flossen
Der wichtigste Kontakt zum Menschen ist wirtschaftlich. Das Leberöl enthält Squalen und wird unter anderem für Kosmetik, Nahrungsergänzung und industrielle Anwendungen gehandelt. Regional werden außerdem Fleisch und Flossen genutzt; ein Teil der Fänge wird jedoch verworfen.
Der offizielle CITES-Vorschlag beschreibt Schlinghai-Fischereien als typisches Boom-and-bust-Muster: Hohe Preise fördern eine rasche Erschließung, bis die lokalen Fänge stark einbrechen. Produkte verschiedener Arten sind anschließend kaum voneinander zu unterscheiden, was Rückverfolgbarkeit und Kontrolle erschwert.
Für den Tauchtourismus ist die Art kaum planbar zu beobachten. Ihr Wert liegt vielmehr als Teil wenig erforschter Tiefseeökosysteme und als Beispiel dafür, wie unsichtbar Überfischung in großen Tiefen stattfinden kann. Wissenschaftliche Fangdaten, korrekte Artbestimmung und eine transparente Lieferkette sind deshalb entscheidend.
Steckbrief
- Erstbeschreibung:
- Max. Größe:
- Tiefe:
- Max. Alter:
- Max. Gewicht:
- Wassertyp:
- IUCN Status:
Systematik
- Reich:
- Stamm:
- Unterstamm:
- Infrastamm:
- Parvstamm:
- Klasse:
- Teilklasse:
- Überordnung:
- Ordnung:
- Familie:
- Gattung:

