Dieser Artikel erschien am 8. Juni 2025 und wurde am 18. Oktober 2026 aktualisiert.
Update vom 18. Oktober 2026
Die Folgen der Algenblüte für Haie und Rochen sind inzwischen umfassender dokumentiert. Ein neuer Bericht unter Leitung der Meeresökologin Janine Baker erfasst rund 8.255 tote Tiere aus 31 Arten in betroffenen Gewässern Südaustraliens. Die Auswertung bezieht sich überwiegend auf Meldungen von Januar 2025 bis Juni 2026. Sie beschreibt keine neue Massenstrandung allein im Oktober.
Grundlage sind Beobachtungen aus dem Bürgerforschungsprojekt auf iNaturalist sowie Zählungen und Meldungen von Behörden. Bekannte Doppelmeldungen und Fälle mit Hinweisen auf fischereibedingte Todesursachen wurden ausgeschlossen. Dennoch ist die Zahl eine dokumentierte Mindestbilanz: Nicht alle Kadaver werden angespült oder gefunden, und die Beobachtungsdichte unterscheidet sich zwischen Küstenabschnitten.
Besonders betroffen sind bodennah lebende Arten, darunter Geigenrochen, Port-Jackson-Stierkopfhaie und Teppichhaie. Der Bericht nennt Verluste sowohl erwachsener Tiere als auch von Jungtieren. Wie stark einzelne lokale Bestände geschrumpft sind und wie lange ihre Erholung dauern könnte, ist noch nicht zuverlässig quantifiziert.
Auch die Einordnung der Algenart hat sich seit unserem ursprünglichen Bericht verändert. Eine Forschungsmitteilung der University of Technology Sydney vom 9. Juli 2026 beschreibt Karenia cristata als dominierende Karenia-Art der untersuchten Blüte. Das Team wies Brevetoxine und starke Wirkungen auf untersuchte Organismen beziehungsweise Fischkiemen-Zellkulturen nach. Unter den verwendeten Testbedingungen erwies sich die Art als außergewöhnlich toxisch; daraus folgt keine allgemeingültige Rangliste aller Algen.
Die frühere Zuordnung zu Karenia mikimotoi im nachfolgenden Text dokumentiert den Wissensstand von Juni 2025. Die neueren Untersuchungen unterscheiden mehrere beteiligte Karenia-Arten. Eine Ursache für jedes einzelne verendete Tier lässt sich aus Strandfunden allein nicht ableiten.
Bericht vom 8. Juni 2025 – damaliger Wissensstand
Eine tödliche Algenblüte sorgt derzeit an der Südküste Australiens für ein dramatisches Massensterben unter Meereslebewesen. Besonders betroffen sind Regionen rund um den Bundesstaat South Australia – darunter auch beliebte Naturparadiese wie Kangaroo Island, die Yorke Peninsula und die Fleurieu Peninsula.
Küsten voller Kadaver: Tierschützer schlagen Alarm
Die Fischschutzorganisation Ozfish berichtet von alarmierenden Zuständen: Hunderte Tiere wie Haie, Rochen, Krabben und Tintenfische seien der giftigen Alge Karenia mikimotoi bereits zum Opfer gefallen. „Unsere Ehrenamtlichen erzählen, sie seien nur einen Kilometer am Strand entlanggelaufen und hätten dabei über hundert tote Rochen und andere Meeresbewohner gezählt“, schildert ein Mitarbeiter der Organisation. Auch tote Haie wurden dokumentiert.
Ein erschütterndes Bild: Die Strände sind übersät mit Kadavern, was nicht nur dramatische ökologische Folgen hat, sondern auch die Küstengemeinden in Aufruhr versetzt. Touristen, die für die Artenvielfalt kommen, stehen nun vor gespenstisch-leeren Stränden voller toter Tiere.
Alte Bekannte – mit verheerender Wirkung
Die Algenart Karenia mikimotoi ist Wissenschaftlern bereits seit den 1930er-Jahren bekannt. Sie wurde in der Vergangenheit unter anderem vor den Küsten Japans, Norwegens, der USA und Chinas nachgewiesen. Doch wo sie auftaucht, folgen regelmäßig schwere ökologische und wirtschaftliche Schäden – vor allem für Fischerei und Tourismus. Experten schätzen, dass die Schäden durch solche Blüten weltweit jährlich in die Millionen gehen.
Die Alge produziert toxische Substanzen, die nicht nur Fische, sondern auch andere Meeresorganismen schwer schädigen oder töten können. Derzeit untersuchen australische Behörden und Umweltorganisationen die Ursachen des Ausbruchs und versuchen, das Ausmaß des Schadens zu erfassen.

