Vor der Isle of Man erleben Beobachter 2026 eine Saison, die noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar schien. Wie The Guardian berichtet, wurden bis Mitte August bereits mehr als 100 Riesenhai-Sichtungen gemeldet. Besonders häufig tauchen die großen Rückenflossen im Südwesten der Insel rund um Port Erin Bay, Bradda Head und Fleshwick auf.
Die öffentliche Sichtungsdatenbank von Manx Whale and Dolphin Watch sammelt solche Meldungen seit 2005. Die aktuellen Einträge dokumentieren schwimmende, kreisende, mutmaßlich fressende und vereinzelt springende Tiere an mehreren Küstenorten. Das ist ein deutliches Signal für ein außergewöhnliches Beobachtungsjahr, aber noch keine Zählung unterschiedlicher Individuen.
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Mehr InformationenVon 885 Sichtungen zu einem einzigen Tier
Der Kontrast zu den vergangenen Jahren ist drastisch. 2009 wurden rund um die Insel 885 Sichtungen registriert. Danach brachen die Meldungen ein, bis 2022 nur noch ein einzelner Riesenhai erfasst wurde. Die damalige Forschung mit markierten Tieren wurde eingestellt, weil für weitere Arbeiten kaum noch Haie vor Ort waren.
Normalerweise ziehen Riesenhaie zwischen Mai und August durch die Gewässer der Insel. Sie folgen saisonalen Nahrungsfeldern und können über große Entfernungen wandern: Markierte Tiere aus dem nordöstlichen Atlantik wurden später in Regionen bis vor Marokko und Neufundland nachgewiesen. Ob sie sich auch bei der Isle of Man fortpflanzen, wird vermutet, ist aber nicht belegt.
Warum eine Copepodenblüte Riesenhaie anlockt
Der Riesenhai (Cetorhinus maximus) ist der zweitgrößte Fisch der Erde, ernährt sich jedoch von winzigen Organismen. Mit geöffnetem Maul schwimmt er durch planktonreiches Wasser und filtert vor allem Zooplankton. Besonders wichtig sind Copepoden, kleine Ruderfußkrebse, die bei günstigen Bedingungen dichte Schwärme bilden.
Nach Angaben der örtlichen Fischereifachleute gab es in diesem Sommer eine gute Copepodenblüte. Das liefert eine plausible Erklärung für die vielen oberflächennahen Beobachtungen: Wo sich Nahrung konzentriert, können sich mehrere Haie zeitweise im selben Gebiet aufhalten und über längere Zeit an der Oberfläche fressen. Ein direkter Ursache-Wirkungs-Nachweis ist das allein jedoch nicht.
Sichtungen sind keine Zählung einzelner Haie
Mehr als 100 Sichtungen bedeuten nicht automatisch mehr als 100 verschiedene Tiere. Ein Riesenhai kann an mehreren Tagen oder von mehreren Standorten aus gemeldet werden. Auch Wetter, Wassertrübung, Beobachtungsaufwand und Hinweise in sozialen Medien beeinflussen, wie viele Meldungen eingehen. In einem klaren, ruhigen Sommer werden Rückenflossen leichter entdeckt als bei rauer See.
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Mehr InformationenTrotzdem sind opportunistische Beobachtungen wissenschaftlich wertvoll. Über viele Jahre zeigen sie, wann und wo Riesenhaie regelmäßig erscheinen und wie sich die relative Häufigkeit verändert. Fotos von Rückenflossen können außerdem helfen, einzelne Tiere an Kerben, Narben und ihrer Flossenform wiederzuerkennen. Für eine belastbare Bestandsentwicklung braucht es zusätzlich standardisierte Erhebungen und möglichst eine individuelle Fotoidentifikation.
Die Kabelhypothese bleibt ungeklärt
Als die Sichtungen einbrachen, wurden mehrere Erklärungen diskutiert: weniger Nahrung, wärmeres Wasser und elektromagnetische Felder von Unterseekabeln. Letztere könnten die empfindliche Orientierung von Haien beeinflussen und Tiere von Wanderkorridoren abhalten. Dass die Haie 2026 trotz vorhandener Kabel zurückkehren, spricht gegen eine einfache dauerhafte Vertreibung.
Widerlegt ist ein möglicher Kabeleffekt damit nicht. Nahrungsangebot, Strömung, Temperatur und Wanderbewegungen verändern sich gleichzeitig, und ein starkes Planktonjahr kann andere Einflüsse überlagern. Um den Anteil einzelner Faktoren zu bestimmen, müssten Telemetriedaten, Kabelbetrieb und Umweltmessungen über mehrere Jahre gemeinsam ausgewertet werden.
So helfen Beobachtungen dem Schutz
Viele Sichtungen gelingen von Land aus, ohne die Tiere im Atlantik zu stören. Gute Beobachtungspunkte sind erhöhte Küstenabschnitte; vom Boot aus sollten Geschwindigkeit und Abstand so gewählt werden, dass der Schwimmweg frei bleibt. Riesenhaie dürfen nicht verfolgt, berührt oder zum Ändern ihrer Richtung gezwungen werden.
Für Meldungen sind Datum, Uhrzeit, genauer Ort, Anzahl, geschätzte Größe und Verhalten besonders hilfreich. Fotos oder Videos verbessern die Prüfung, wenn sie mit ausreichend Abstand entstanden sind. So wird aus einer spektakulären Saison mehr als eine Reihe schöner Begegnungen: ein langfristiger Datensatz, der Rückkehr, Wanderwege und wichtige Nahrungsgebiete sichtbar machen kann.


