Dieser Artikel erschien am 15. April 2026 und wurde am 29. August 2026 aktualisiert.
Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im „Journal of Applied Ecology“, unter der Leitung von Twan Stoffers von der Wageningen University & Research, weist auf einen Rückgang von Riffhaien in karibischen Korallenriffen mit intensiver Tauchaktivität und starker Küstenentwicklung hin.
Die Untersuchung basierte auf 995 Unterwasservideoaufnahmen (BRUVs), die zwischen 2012 und 2017 in sieben verschiedenen Riffsystemen der Niederländischen Antillen sowie der Saba Bank gemacht wurden. Während die Saba Bank, die nur minimaler menschlicher Störung ausgesetzt ist, eine natürliche Verteilung der Haie zeigte, war die Präsenz in besiedelten Riffgebieten stark mit der menschlichen Aktivität korreliert.
Auswirkungen auf verschiedene Haiarten und die Riffökologie
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass insbesondere Karibische Riffhaie (Carcharhinus perezi) empfindlicher auf menschliche Präsenz reagieren. Diese Art ist bekanntermaßen anfällig für Lärm und Störungen. Im Gegensatz dazu zeigten bodenbewohnende Ammenhaie (Ginglymostoma cirratum) und Südliche Stachelrochen eine geringere Empfindlichkeit gegenüber der menschlichen Aktivität.
Karibische Riffhaie spielen eine wichtige Rolle in ihrem Ökosystem, indem sie das Gleichgewicht der Arten aufrechterhalten und die Gesundheit der Korallenriffe fördern. Ihre Abwesenheit kann weitreichende Folgen für die gesamte Riffgemeinschaft haben. Ammenhaie hingegen sind oft toleranter gegenüber Störungen, da sie mehr Zeit auf dem Meeresboden verbringen und weniger von Oberflächenaktivitäten betroffen sind.
Die Erkenntnisse der Studie legen nahe, dass selbst Freizeitaktivitäten, die oft als wenig störend eingestuft werden, einen Einfluss auf Haipopulationen haben können. Twan Stoffers betonte in diesem Zusammenhang: „Diese Studie zeigt, dass der Schutz von Riffhaien nicht nur den Fischereidruck berücksichtigen muss, sondern auch nicht-extrahierende Aktivitäten wie Tauchtourismus und Küstenentwicklung.“ Dies erfordert eine umfassendere Betrachtung des Naturschutzes, die über reine Fischereibeschränkungen hinausgeht.
Update vom 29. August 2026
Eine neue lokale Auswertung der Ergebnisse für Curaçao lenkt den Blick auf die Größenordnung der Unterschiede. Die Studie im Journal of Applied Ecology umfasste 995 Köderkameras, die zwischen 2012 und 2017 an sechs bewohnten Inseln der niederländischen Karibik und auf der abgelegenen Saba Bank eingesetzt wurden. Nach nu.CW wurden dabei 455 Haie und Rochen aus elf Arten registriert. Curaçao kam auf durchschnittlich 0,04 Haie je Kameraeinsatz, die deutlich weniger gestörte Saba Bank auf 0,47.
Die Werte belegen keinen einfachen Ursache-Wirkungs-Satz nach dem Muster ‚Tauchen vertreibt Haie‘. Die Modelle verknüpfen die räumliche Verteilung mit mehreren Faktoren, darunter Küstenbebauung, Tauchintensität, Tiefe und Habitatstruktur. Besonders der Karibische Riffhai reagierte empfindlich auf die menschlichen Belastungsindikatoren, während Ammenhaie und Südliche Stachelrochen stärker mit Habitatmerkmalen verbunden waren. Für Schutzplanung bedeutet das, Tourismus und Küstenentwicklung zusätzlich zum Fischereidruck zu berücksichtigen.


