Galápagos: Forschung an möglicher Kinderstube Glatter Hammerhaie

Nach mehr als 20 Jahren ohne offiziellen Nachweis wurden bei Isabela junge Glatte Hammerhaie genetisch bestätigt. Ein internationales Team untersucht nun Kinderstube, Wanderungen und Populationsvernetzung.

Sharky27. Juli 2026
Glatter Hammerhai Sphyrna zygaena wird von Greenpeace an der Seite eines Schlaauchboots vermessen
Experten nehmen Messungen am Glatten Hammerhai vor ©Greenpeace

Junge Glatte Hammerhaie (Sphyrna zygaena) sind in einer kleinen Bucht bei der Galápagos-Insel Isabela nachgewiesen worden. Für den Archipel ist das außergewöhnlich: Mehr als zwei Jahrzehnte lang hatte es dort keinen offiziellen Nachweis der Art gegeben. Genetische Analysen bestätigten nun, dass es sich tatsächlich um Glatte Hammerhaie handelt.

Die Entdeckung wird häufig als neue Kinderstube bezeichnet. Die laufende Forschung soll jedoch erst klären, wie regelmäßig die Jungtiere die Bucht nutzen, wie lange sie dort bleiben und ob weitere Standorte im Archipel eine ähnliche Funktion haben. Es geht deshalb nicht nur um einen bemerkenswerten Fund, sondern um die belastbare Einordnung eines möglicherweise entscheidenden frühen Lebensraums.

Mehr als 20 Jahre ohne offiziellen Nachweis

Die Galápagos Conservancy berichtete bereits im Mai 2024, dass die Direktion des Galápagos-Nationalparks während einer Greenpeace-Expedition junge Glatte Hammerhaie in einer kleinen Bucht vor Isabela gefunden hatte. Sichtungen in diesem frühen Lebensstadium sind selten. Noch im selben Projekt wurde ein halbwüchsiges Weibchen mit einem Satellitensender ausgestattet, um seine Bewegungen über mehrere Monate verfolgen zu können.

Dass die Art so lange nicht offiziell dokumentiert war, bedeutet nicht zwingend, dass sie vollständig verschwunden war. Im Galápagos-Archipel sind vor allem die großen Schulen der Bogenstirn-Hammerhaie bekannt. Glatte Hammerhaie können bei Beobachtungen von der Oberfläche leicht übersehen oder mit anderen Hammerhaiarten verwechselt werden.

Die Kopfform allein reicht nicht

Ein wichtiges äußeres Merkmal steckt im Namen: Dem Glatten Hammerhai fehlt die deutlich ausgeprägte mittlere Einbuchtung an der Vorderkante des Kopfes, die beim Bogenstirn-Hammerhai erkennbar ist. Bei jungen, schnell schwimmenden Tieren im Wasser ist dieser Unterschied jedoch nicht immer sicher zu sehen.

Das Team um Forschende der Universidad San Francisco de Quito überprüfte die Artbestimmung deshalb genetisch. Erst diese Analyse bestätigte, dass die Ansammlung aus juvenilen Glatten Hammerhaien bestand. Damit erhält ein äußerlich schwer zu unterscheidender Fund eine wesentlich solidere wissenschaftliche Grundlage.

Wann ist eine Bucht wirklich eine Kinderstube?

Eine einzelne Ansammlung junger Haie macht einen Ort noch nicht automatisch zu einer Kinderstube. Für eine formale Einordnung sind unter anderem die wiederholte Nutzung durch Jungtiere, eine längere Aufenthaltsdauer und die Bedeutung des Gebiets im Vergleich zu anderen Küstenräumen entscheidend. Genau diese Punkte werden nun untersucht.

Die Bucht bietet offenbar Bedingungen, die junge Tiere anziehen. Noch offen ist aber, warum sie diesen Bereich wählen, wie lange einzelne Haie dort bleiben und ob sie später in andere Teile des Archipels wechseln. Die vorsichtige Bezeichnung als mögliche Kinderstube trägt diesem Forschungsstand Rechnung.

Akustische Sender, Kameras, DNA und Kotproben

Der aktuelle Bericht der Texas A&M University at Galveston stellt die Arbeit der ecuadorianischen Masterstudentin María Antonia Izurieta Burbano De Lara vor. Sie forscht im Shark Biology and Fisheries Science Lab von David Wells und arbeitet in einem internationalen Verbund mit der Universidad San Francisco de Quito, der Nationalparkdirektion, MigraMar und weiteren Partnern.

Juvenile Haie erhalten akustische Sender. Empfänger im Galápagos-Meeresreservat registrieren, wann markierte Tiere bestimmte Bereiche passieren. Unterwasserkameras ergänzen diese Bewegungsdaten, während genetische Proben und Kotproben Hinweise auf Verwandtschaft, Populationszugehörigkeit und Nahrung liefern.

Die Methoden beantworten unterschiedliche Teile derselben Frage: Telemetrie zeigt, wohin sich die Haie bewegen; Video dokumentiert Vorkommen und Verhalten; DNA macht Verbindungen zwischen Populationen sichtbar; Kotproben können zeigen, welche Beute den Jungtieren in der Bucht zur Verfügung steht. Aus der Kombination entsteht ein deutlich vollständigeres Bild als aus einzelnen Sichtungen.

Ist Galápagos eine Brücke im Ostpazifik?

Die genetischen Daten sollen mit Proben aus anderen Teilen des östlichen tropischen Pazifiks verglichen werden. Damit lässt sich prüfen, ob die Tiere von Galápagos eine weitgehend eigenständige Gruppe bilden oder mit Beständen weiter nördlich und südlich verbunden sind.

Eine solche Verbindung hätte große Bedeutung. Galápagos könnte dann nicht nur lokalen Jungtieren Schutz bieten, sondern als biologisches Bindeglied in einem größeren Netzwerk aus Küstengebieten, Inseln und Wanderrouten wirken. Schutzentscheidungen müssten entsprechend über die Grenzen eines einzelnen Reservats hinausgedacht werden.

Ein großes Schutzgebiet ist nicht die ganze Lösung

Glatte Hammerhaie sind weit wandernde Tiere. Innerhalb der galápagosischen Meeresschutzgebiete sind sie geschützt, doch ältere Tiere können auf ihren Wanderungen die Reservatsgrenzen überschreiten. Dort treffen sie auf Fischereidruck und können als Zielart oder Beifang gefangen werden.

Deshalb sind genaue Daten zu Kinderstuben, Auswanderungszeitpunkten und Korridoren so wichtig. Eine geschützte Jungtierbucht hilft nur begrenzt, wenn dieselben Tiere später auf regelmäßig genutzten Routen ungeschützt sind. Umgekehrt kann die Kenntnis zentraler Lebensräume helfen, Überwachung, Fangregeln und grenzüberschreitende Schutzmaßnahmen gezielter auszurichten.

Warum der genaue Fundort nicht im Mittelpunkt steht

Die öffentlich zugänglichen Berichte verorten die Bucht bei Isabela, nennen hier aber keinen genauen Standort. Für einen sensiblen Jungtierlebensraum ist diese Zurückhaltung sinnvoll. Ein größerer Besucherdruck oder gezielte Annäherungen könnten die Tiere und die laufenden Messungen stören.

Für Taucherinnen und Taucher ist daher nicht die Suche nach der Bucht die wichtigste Konsequenz. Wertvoller sind respektvoller Abstand, das Befolgen der Regeln des Nationalparks und sauber dokumentierte Zufallsbeobachtungen mit Datum, allgemeinem Gebiet und möglichst eindeutigen Fotos. Solche Angaben können Forschenden helfen, ohne einen sensiblen Ort zusätzlich zu belasten.

Vom Wiederfund zur Schutzentscheidung

Der Wiederfund verändert das Bild der Hammerhaie von Galápagos: Neben den bekannten Bogenstirn-Hammerhaien könnte der Archipel auch für eine lange übersehene Population Glatter Hammerhaie eine besondere Rolle spielen. Noch ist nicht jede ökologische Frage beantwortet, doch die Forschung kann jetzt von einer genetisch bestätigten Artbestimmung und markierten Einzeltieren ausgehen.

Ob die Bucht die Kriterien einer dauerhaft genutzten Kinderstube vollständig erfüllt, werden wiederholte Daten zeigen. Schon jetzt macht das Projekt deutlich, welche Informationen für wirksamen Haischutz fehlen: Wo beginnen die Tiere ihr Leben, wann verlassen sie geschützte Gewässer und wie eng sind Populationen im Ostpazifik miteinander verbunden?

Erwähnte Arten

Glatter Hammerhai Sphyrna zygaena

Glatter Hammerhai

Quellen

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