Dornhaie: Früher Wundverschluss, langsamer Aufbau der Haut

Bei Dornhaien bedeckte nach einem Tag eine neue Zellschicht kleine Hautwunden. Nach 35 Tagen fehlten jedoch noch Hautzähnchen.

Sharky9. September 2026
Dornhai Squalus acanthias über Sand

Dornhaie können kleine Hautwunden sehr früh mit einer neuen Zellschicht bedecken. In einer Laborstudie war an allen am ersten Tag untersuchten Wundflächen bereits eine durchgehende neue Epithelschicht vorhanden. Der Wiederaufbau der tieferen Haut und ihrer charakteristischen Hautzähnchen dauerte dagegen wesentlich länger.

Die am 9. September 2026 in Scientific Reports erschienene Untersuchung zur Wundheilung zeigt damit zwei unterschiedliche Schritte: den frühen oberflächlichen Verschluss und die langsamere Wiederherstellung der Gewebestruktur. Von einer vollständig geheilten Wunde innerhalb von 24 Stunden kann daraus nicht gesprochen werden.

20 weibliche Dornhaie unter kontrollierten Bedingungen

Das Team untersuchte 20 weibliche Dornhaie der Art Squalus acanthias. Die Tiere stammten aus kommerziellen Hakenfängen bei Chatham in Massachusetts und wurden am Marine Biological Laboratory in Woods Hole gehalten. Das durchströmende Meerwasser hatte eine Temperatur von etwa 14 Grad Celsius.

Nach einer Eingewöhnungszeit wurden pro Tier sechs standardisierte Hautbiopsien mit vier Millimetern Durchmesser entnommen. So entstanden insgesamt 120 Wunden, die die gesamte Hautdicke betrafen. Die Forschenden dokumentierten die Entwicklung fotografisch über 35 Tage und entnahmen Wundgewebe an den Tagen 1, 14 und 35. Im Rahmen des genehmigten Tierversuchs wurden die Haie am Versuchsende getötet.

Neue Zellschicht nach einem Tag

Die mikroskopische Untersuchung zeigte bereits am ersten untersuchten Zeitpunkt eine zusammenhängende Zellschicht über dem Wundbett. Wann genau innerhalb dieses ersten Tages die Bedeckung entstand, bleibt offen, weil zwischen Verletzung und Tag 1 keine weiteren Gewebeproben untersucht wurden.

Die frühen Veränderungen waren auf gewöhnlichen Fotos noch nicht als vollständige Heilung erkennbar. Die sichtbare Wundfläche nahm über die folgenden Wochen weiter ab. Am Tag 14 war die neue Oberhaut dicker geworden; darunter begannen sich die Basalmembran und kollagenhaltiges Reparaturgewebe neu zu organisieren.

Hautzähnchen fehlten auch nach 35 Tagen

Am Tag 35 zeigten sich eine verdickte Oberhaut und kollagenreiches, narbenähnliches Gewebe. Die ursprüngliche Architektur der tieferen Haut war noch nicht vollständig wiederhergestellt. Auf der reparierten Oberfläche fehlten weiterhin die Hautzähnchen, die der Haihaut ihre typische Struktur geben.

Der frühe Zellüberzug ist somit ein wichtiger Reparaturschritt, aber kein Beleg für eine schon vollständig wiederhergestellte Haut. Wie lange die Rückkehr der Hautzähnchen bei diesen Dornhaien dauert, beantwortet die 35-tägige Untersuchung nicht.

Hinweise auf eine frühe Immunreaktion

Zusätzlich untersuchte das Team die RNA einzelner Zellkerne aus Hautproben. Die Daten erlaubten die Zuordnung verschiedener Zellgruppen, darunter Oberhaut-, Bindegewebs- und Immunzellen. In den zusammengefassten Proben nahm der relative Anteil mehrerer Immunzellgruppen am ersten Tag zu und sank bis Tag 14 meist wieder.

Diese molekularen Ergebnisse sind ausdrücklich beschreibend: Proben von vier Tieren wurden je Zeitpunkt zusammengelegt. Damit fehlen unabhängige Wiederholungen auf Tierebene für statistisch belastbare Vergleiche zwischen den Zeitpunkten. Die RNA-Probe von Tag 35 bestand die Qualitätskontrolle nicht und wurde ausgeschlossen.

Was sich aus dem Versuch ableiten lässt

Die Studie dokumentiert schnelle frühe Reepithelisierung bei weiblichen Dornhaien unter diesen Laborbedingungen. Die Gewebeauswertung erfolgte qualitativ und ohne Verblindung; vergleichende statistische Tests wurden dafür nicht durchgeführt. Auch lässt sich aus den kleinen, standardisierten Verletzungen nicht unmittelbar auf große Bisswunden in freier Wildbahn schließen.

Für die Haibiologie liefert die Arbeit einen zeitlich aufgelösten Einblick in die Hautreparatur einer konkreten Art. Sie belegt weder eine bei allen Haien gleiche Heilungsgeschwindigkeit noch eine unmittelbar nutzbare Behandlung für Menschen. Besonders aufschlussreich ist vielmehr, wie weit früher Wundverschluss und vollständiger Gewebeaufbau zeitlich auseinanderliegen können.

Erwähnte Arten

Dornhai Squalus acanthias über Sand

Dornhai

Quellen

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