Patagonien: Siebenkiemerhaie wandern bis nach Uruguay

Acht in der Ría Deseado markierte Weibchen des Breitnasen-Siebenkiemerhais schwammen entlang der argentinischen Küste nach Norden, einige bis Uruguay. Wiederfänge und Satellitendaten stützen damit ein grenzüberschreitendes Wanderungsmodell.

Sharky2. August 2026
Nahaufnahme eines Breitnasen-Siebenkiemerhais unter Wasser
Aaron Scheiner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons. Bearbeitet: Zuschnitt auf 2:1 sowie behutsame Farb-, Kontrast- und Schärfeoptimierung.

Acht weibliche Breitnasen-Siebenkiemerhaie (Notorynchus cepedianus) haben nach ihrer Markierung in der Ría Deseado im Süden Patagoniens denselben groben Kurs eingeschlagen. Nach vorläufigen Ergebnissen eines argentinischen Forschungsprojekts zogen alle Tiere nach Norden, passierten die Küsten der Provinzen Chubut und Buenos Aires und erreichten teilweise die Gewässer Uruguays.

Die Daten stützen die Annahme, dass die Haie einen gemeinsamen Wanderungskorridor im südwestlichen Atlantik nutzen. Damit verbindet ein einzelner Jahreszyklus Lebensräume in mehreren argentinischen Provinzen und mindestens einem weiteren Staat. Schutzmaßnahmen, Fangregeln und Datenaustausch müssten diese grenzüberschreitende Bewegung berücksichtigen.

Acht fortpflanzungsfähige Weibchen mit Satellitensendern

Die entscheidende Markierungskampagne fand vom 29. Januar bis zum 5. Februar 2025 bei Puerto Deseado in der Provinz Santa Cruz statt. Ausgewählte Haie erhielten Satellitensender, die über mehrere Monate Tiefe, Wassertemperatur und Bewegungen aufzeichneten. Nach Ablauf der Messperiode lösen sich diese Marken vom Tier, steigen zur Oberfläche und übertragen die gespeicherten Daten über das Satellitensystem Argos.

Alle acht verfolgten Weibchen bewegten sich nach Norden. Die Übereinstimmung ist auffällig, doch die Stichprobe bleibt klein und umfasst nur fortpflanzungsfähige Weibchen. Ob Männchen, Jungtiere oder Tiere in anderen Jahren dieselbe Route mit der gleichen Regelmäßigkeit nutzen, lässt sich aus diesen ersten Daten noch nicht ableiten.

Ein Wiederfang nach mehr als 1.700 Kilometern

Die Satellitenspuren passen zu älteren Markierungsdaten. CESIMAR-CONICET berichtete bereits im November 2025 von einem Weibchen, das im Februar desselben Jahres in der Ría de Puerto Deseado mit einer konventionellen Marke versehen worden war. Am 10. Oktober wurde es in den Gewässern des uruguayischen Departamento Rocha wiedergefangen, mehr als 1.700 Kilometer vom Markierungsort entfernt.

Die Fischer entdeckten die nummerierte Marke nahe der Rückenflosse und meldeten den Fund an die uruguayische Fischereibehörde DINARA. Das etwa 187 Zentimeter lange Tier hatte die Strecke in rund acht Monaten zurückgelegt. Solche Wiederfänge liefern keine lückenlose Route, bestätigen aber Start- und Endpunkte einer weiträumigen Wanderung.

Am 23. Oktober, nur 13 Tage später, wurde vor La Floresta in Uruguay ein zweiter markierter Breitnasen-Siebenkiemerhai gefunden. Der erwachsene, 191 Zentimeter lange und rund 40 Kilogramm schwere männliche Hai war im Oktober 2022 bei Bahía Blanca markiert worden. Seine Marke stammte aus einem anderen argentinischen Programm. Beide Meldungen zeigen, welchen Wert einheitlich beschriftete Marken und die Zusammenarbeit mit Fischern haben.

Ein Wanderungsmodell wird überprüfbar

Das CESIMAR-Team um Alejo Irigoyen und Gastón Trobbiani hatte über mehr als zehn Jahre Vorkommen in Santa Cruz, Chubut, Río Negro und Buenos Aires untersucht. Daraus entstand ein theoretisches Modell, nach dem Breitnasen-Siebenkiemerhaie entlang des südwestlichen Atlantiks zwischen Argentinien, Uruguay und dem Süden Brasiliens wandern.

Die Wiederfänge in Uruguay und die neuen Satellitenspuren sind voneinander unabhängige Hinweise, die zentrale Teile dieses Modells stützen. Sie belegen jedoch noch keine vollständige Route für die gesamte Population. Dafür braucht es mehr markierte Tiere, mehrere Jahre und eine Analyse der Frage, wann und warum einzelne Haie bestimmte Küstenabschnitte nutzen.

Warum die Ría Deseado wichtig ist

Die Ría Deseado ist ein Schutzgebiet der Provinz Santa Cruz und einer der südlichsten bekannten Orte, an denen sich Breitnasen-Siebenkiemerhaie zeitweise sammeln. Damit ist das Gebiet nicht nur Ausgangspunkt einer langen Wanderung. Es könnte eine wiederkehrende Funktion im Lebenszyklus der Tiere erfüllen.

Das Projekt untersucht deshalb nicht nur die zurückgelegten Distanzen. Es fragt auch, wie Breitnasen-Siebenkiemerhaie und Hundshaie die Ría Deseado sowie weitere Küstenabschnitte von Santa Cruz nutzen und ob einzelne Tiere zu bestimmten Zeiten zurückkehren. Erst diese Verbindung aus Bewegung und Aufenthaltsdauer zeigt, welche Gebiete für Schutzmaßnahmen besonders wichtig sind.

Satelliten, Unterwasserkameras und Fischerwissen

Das Forschungsteam kombiniert Satellitensender mit konventionellen Marken, Längen- und Gewichtsmessungen, Fotoaufnahmen, beköderten Unterwasserkameras und Interviews mit Freizeitfischern. Hinter dem Projekt stehen die Fundación Por el Mar, die Tag a Giant Foundation, das Proyecto Arrecife von CENPAT-CONICET und der Consejo Agrario Provincial von Santa Cruz.

Freizeit- und Berufsfischer spielen dabei eine doppelte Rolle. Sie helfen bei Fang und Freilassung lebender Tiere für die Markierung und können spätere Wiederfänge melden. Ohne diese Rückmeldungen blieben viele konventionelle Marken wissenschaftlich wertlos, weil der zweite Datenpunkt fehlen würde.

Von Patagonien zur Sharks International 2026

Carolina Pantano von der Fundación Por el Mar stellte die ersten Ergebnisse im Mai auf der Sharks International 2026 in Colombo vor. Die Konferenz brachte Forschende, Naturschutzorganisationen und Fachleute für Haie, Rochen und Chimären zusammen. Für das Projekt war die Präsentation eine Gelegenheit, die Ría Deseado als bislang wenig bekannten südpatagonischen Hai-Lebensraum international sichtbar zu machen.

Eine Konferenzpräsentation und Behördenberichte ersetzen allerdings keine vollständige Fachpublikation. Derzeit sind weder sämtliche einzelnen Satellitenspuren noch die statistische Auswertung der acht Weibchen in den verlinkten Mitteilungen veröffentlicht. Die Ergebnisse sollten daher als starke vorläufige Evidenz und nicht als abschließend beschriebenes Wanderungsmuster verstanden werden.

Haischutz muss Grenzen überschreiten

Die zentrale Konsequenz ist dennoch klar: Ein Hai, der im Sommer einen geschützten Sammelplatz in Santa Cruz nutzt, kann Monate später durch Fischereien vor Buenos Aires oder Uruguay schwimmen. Lokaler Schutz kann einen wichtigen Lebensraum sichern, aber nicht alle Risiken während der gesamten Wanderung abdecken.

Für wirksames Management braucht es deshalb abgestimmte Regeln, vergleichbare Fangdaten und einen schnellen Austausch von Markierungsfunden zwischen Argentinien und Uruguay. Künftige Satellitendaten könnten zudem zeigen, wo die Tiere längere Zeit verweilen und an welchen Abschnitten sich ihre Routen mit intensiver Fischerei überschneiden.

Aaron Scheiner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons. Bearbeitet: Zuschnitt auf 2:1 sowie behutsame Farb-, Kontrast- und Schärfeoptimierung.

Erwähnte Arten

Breitnasen-Siebenkiemerhai Notorynchus cepedianus

Breitnasen-Siebenkiemerhai

Quellen

Newsletter

Shark alert in your inbox

Hai-Alarm im Postfach

Echte News statt Mythen!
- Alle 14 Tage neu -