Peru hat die zulässige Fangmenge für den gefährdeten Glatten Hammerhai im Jahr 2026 erhöht. Nach der am 2. September veröffentlichten Ministerialresolution Nr. 000311-2026-PRODUCE dürfen landesweit bis zu 466,8 Tonnen Sphyrna zygaena gefangen werden. Zuvor lag die Jahresquote bei 444 Tonnen.
Die Änderung betrifft ausschließlich die zweite Jahreshälfte. Für den Zeitraum vom 11. März bis 30. Juni bleiben 360 Tonnen angesetzt. Vom 1. Juli bis 31. Dezember steigt die erlaubte Menge dagegen von 84 auf 106,8 Tonnen. Das entspricht 22,8 zusätzlichen Tonnen und einer Erhöhung der Teilquote um gut 27 Prozent.
Referenzwert mit 50 Prozent Risiko einer Biomasseabnahme
Grundlage ist eine Bewertung des peruanischen Meeresforschungsinstituts IMARPE. In der amtlichen Begründung heißt es, eine Anhebung auf ungefähr 466,8 Tonnen könne erwogen werden. Dieser Fangwert sei mit einem Risiko von 50 Prozent verbunden, dass die Biomasse gegenüber dem Vorjahr abnimmt.
Damit ist der neue Höchstwert nicht mit einer Garantie gleichzusetzen, dass der Bestand stabil bleibt. Eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent bedeutet vielmehr, dass die verwendete Analyse eine Biomasseabnahme ebenso wahrscheinlich bewertet wie deren Ausbleiben. Welche Bestandsdaten, Modellannahmen und Unsicherheiten hinter dieser Risikozahl stehen, wird in der veröffentlichten Resolution nicht näher ausgeführt.
Das Produktionsministerium beschreibt die Entscheidung dennoch als vorsorgliches und anpassungsfähiges Management. IMARPE hatte seine Einschätzung vor dem Hintergrund einer Küsten-El-Niño-Warnung abgegeben. Die Resolution sieht vor, dass die Fanggrenze anhand weiterer technischer Empfehlungen erneut angepasst werden kann.
Glatte Hammerhaie sind weltweit gefährdet
Der Glatte Hammerhai ist nach der Roten Liste der IUCN weltweit gefährdet. Die Art wächst langsam, wird erst spät geschlechtsreif und bringt vergleichsweise wenige Junge zur Welt. Solche biologischen Eigenschaften machen Hammerhaie besonders anfällig für hohe Fischereisterblichkeit.
Vor der Küste Perus werden Glatte Hammerhaie gezielt und als Beifang in der handwerklichen und industriellen Fischerei gefangen. Fleisch und Flossen gelangen in den Handel. Junge Tiere nutzen küstennahe Lebensräume und können dort besonders leicht mit Stellnetzen und anderen Fanggeräten in Kontakt kommen.
Fangsaison und Kontrollen bleiben bestehen
Die landesweite Fangsaison für Glatte Hammerhaie läuft grundsätzlich vom 11. März bis zum 31. Dezember. Vom 1. Januar bis 10. März ist der Fang verboten. Außerdem dürfen Haie nicht mit bereits abgetrennten Flossen angelandet werden. Anlandungen sind nur an zugelassenen Orten erlaubt und müssen dokumentiert werden.
Die Resolution beauftragt mehrere Fischerei- und Aufsichtsbehörden sowie regionale Stellen und die peruanische Küstenwache mit Bekanntmachung und Kontrolle. Entscheidend für die Wirkung der Quote ist, ob Anlandungen vollständig erfasst, Arten korrekt bestimmt und Überschreitungen rechtzeitig erkannt werden.
Weitere Schonzeiten für Muscheln, Algen und Andenwelse
Zeitgleich meldete die staatliche Nachrichtenagentur Agencia Andina drei weitere Fischereimaßnahmen. Für die Rotalge Chondracanthus chamissoi gilt in Teilen der Region Lambayeque bis Ende September eine Entnahmegrenze von 14,19 Tonnen. Die Miesmuschel Aulacomya atra darf entlang der gesamten peruanischen Küste bis Ende November nicht entnommen oder gehandelt werden.
Im Río Pampas in der Provinz Cangallo wurde zudem eine Fortpflanzungsschonzeit für den Andenwels Rhamdia quelen festgelegt. Sie gilt 2026 bis Ende September und soll ab 2027 jährlich vom 1. Juni bis 30. September wiederkehren. Diese Verbote sollen Reproduktionsphasen schützen, während die Hammerhai-Entscheidung den erlaubten Fang ausweitet.
Entscheidend sind transparente Bestandsdaten
Die Quote von 466,8 Tonnen ist eine Obergrenze, kein Fangziel. Ob sie mit einer Erholung oder zumindest Stabilisierung des Bestands vereinbar ist, lässt sich erst mit zeitnah veröffentlichten Fang- und Bestandsdaten beurteilen. Besonders wichtig sind Angaben zu Größe, Geschlecht und Fanggebiet der angelandeten Tiere sowie zu nicht erfassten Rückwürfen und illegalen Fängen.
Die amtliche Nennung des 50-prozentigen Risikos macht die Abwägung ungewöhnlich deutlich: Peru erlaubt mehr Fang, obwohl das zugrunde liegende Szenario eine sinkende Biomasse keineswegs ausschließt. Ein tatsächlich vorsorglicher Ansatz erfordert deshalb eine engmaschige Überwachung und eine schnelle Korrektur, sobald die Daten eine Verschlechterung anzeigen.


