Mehrere Walhaie ziehen nahe der Wasseroberfläche durch den Golf vor Floridas Westküste. Mit weit geöffnetem Maul filtern sie Nahrung aus dem Wasser. Neue Aufnahmen der Florida Fish and Wildlife Conservation Commission zeigen die Tiere beim Fressen und gehören zu einem Forschungsprojekt, das eine überraschend schwierige Frage beantworten will: Was genau nehmen die größten Fische der Erde dort auf?
Nach den von Reuters Connect veröffentlichten Angaben sammelten Forschende in diesem Sommer Proben aus solchen Fressgruppen. Im Labor soll genetische Sequenzierung verraten, von welchen Organismen das Material stammt. Beteiligt sind das Fish and Wildlife Research Institute, ein Labor der University of Florida, NOAA, das Blue World Research Institute sowie die Universitäten Southern Mississippi und South Florida.
DNA statt Blickdiagnose
Walhaie sind Filtrierer. Wasser strömt durch das Maul und über spezialisierte Filterstrukturen an den Kiemen; kleine Beute bleibt zurück. Auf Video lässt sich jedoch oft nur erkennen, dass ein Tier frisst. Winzige Fisch- oder Wirbellosenlarven, Eier und Planktonorganismen sind im bewegten Meerwasser kaum zuverlässig auseinanderzuhalten.
Genetische Spuren können diese Lücke verkleinern. Statt jedes Beutetier mit bloßem Auge zu bestimmen, lässt sich DNA aus einer Probe mit bekannten Sequenzen vergleichen. Die Methode kann auch Organismen erfassen, die beschädigt, verdaut oder mikroskopisch klein sind. Sie liefert aber nicht automatisch eine vollständige Speisekarte: Probenahme, DNA-Abbau, Referenzdatenbanken und unterschiedlich gut nachweisbare Arten beeinflussen das Ergebnis.

Frühere Probe enthüllte neue Nahrungsquelle
Dass sich der Aufwand lohnen kann, zeigt ein früherer Fund aus demselben Forschungsumfeld. NOAA Fisheries berichtet von Eiern, die in einer Fressgruppe gesammelt und genetisch untersucht wurden. Die Analyse ordnete sie einer Art zu, die zuvor im Golf nicht als Nahrung von Walhaien dokumentiert worden war. NOAA nennt in der öffentlich zugänglichen Darstellung allerdings nicht den Artnamen.
Solche Befunde können erklären, warum Walhaie bestimmte Orte zeitweise in Gruppen aufsuchen. Entscheidend ist nicht nur, wo die Tiere schwimmen, sondern wann dort konzentrierte Nahrung verfügbar ist. Im nördlichen Golf sind sommerliche Ansammlungen seit Langem bekannt. Die aktuelle Probensammlung soll den Blick nun stärker auf die Beute vor Floridas Westküste richten.
Sichtungsmeldungen führen Forschende zu den Tieren
Walhaie verteilen sich über große Meeresgebiete und sind nicht leicht planbar zu finden. Das Projekt ist deshalb auf Meldungen von Menschen auf dem Wasser angewiesen. Nach Angaben von NOAA halfen Hinweise lokaler Bootsfahrer bereits dabei, eine Fressgruppe nahe Tampa Bay zu lokalisieren und einen Walhai mit einem Satellitensender auszustatten.
Der später „Larry“ genannte Walhai legte innerhalb eines Jahres mehr als 4.800 Kilometer zurück. Solche Senderdaten zeigen Wanderwege und Aufenthaltsräume. Wasser- und Nahrungsproben beantworten eine andere Frage: welche Ressourcen die Tiere an einem konkreten Ort nutzen. Erst die Verbindung aus Sichtungen, Telemetrie und Laboranalysen ergibt ein genaueres Bild ihrer Lebensweise.
Noch keine fertigen Studienergebnisse
Die aktuellen Bilder sind eindrucksvoll, aber sie sind noch kein Ergebnisbericht. Bislang ist öffentlich vor allem beschrieben, dass Proben gesammelt und genetisch analysiert werden. Welche Beutearten die diesjährigen Fressgruppen nutzten, wie häufig einzelne Organismen vorkamen und ob sich die Nahrung zwischen Orten oder Zeitpunkten unterschied, ist noch offen.
Auch die Zahl der gefilmten Tiere erlaubt keine Bestandsschätzung für den Golf von Mexico. Walhaie können sich an ergiebigen Nahrungsstellen versammeln und später weit weiterziehen. Die Aufnahmen dokumentieren daher eine lokale Fresssituation – keine Zunahme der Population. Neue Laborresultate könnten aber zeigen, welche Nahrung solche zeitweiligen Hotspots für die bedrohte Art attraktiv macht.


