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Weißer Hai statt Megalodon: Fossiler Zahn belegt Vorkommen in Portugal

Eine Studie von 2010 bestimmte einen Museumszahn neu: Er belegt einen Weißen Hai in Portugal vor rund 3,5 Millionen Jahren.

Ronny K19. September 2026
Dreieckige, gezähnte Zähne in einem erhaltenen Kiefer eines Weißen Hais
Weißhai-Kiefer, Auckland Museum, Sammlungsexemplar AM MA120955. Vergleichsbild, nicht das Fossil aus Portugal. Auckland Museum / Wikimedia Commons · CC BY 4.0 · Zugeschnitten und verkleinert.

Ein einzelner Zahn aus einer portugiesischen Museumssammlung erzählt von Weißen Haien im Atlantik vor rund 3,5 Millionen Jahren. Lange wurde das Fossil dem Megalodon zugerechnet. In ihrer Studie von 2010 bestimmten Miguel Telles Antunes und Ausenda Cáceres Balbino es jedoch als Zahn eines Weißen Hais (Carcharodon carcharias). Damit beschrieben sie den ersten damals anerkannten fossilen Nachweis dieser Art in Portugal.

Vom Brunnenbau in die Museumssammlung

Der Zahn stammt aus Matos, etwa anderthalb Kilometer südöstlich von Marinha Grande in Westportugal. Er wurde beim Graben eines Brunnens gefunden und gelangte mit weiteren Fossilien an die Universität Coimbra. Bereits 1941 wurde er als Carcharodon megalodon erwähnt – unter diesem Namen wurde der Megalodon damals geführt.

Jahrzehnte später machte Pedro Callapez das Stück in der Sammlung in Coimbra für eine erneute Untersuchung ausfindig. Es trägt die Sammlungsnummer 496. Die Veröffentlichung von 2010 beruht somit auf der Neubestimmung eines lange bekannten Fundes.

Was den Zahn als Weißen Hai erkennen lässt

Antunes und Balbino ordneten das Fossil als seitlichen Zahn aus dem rechten Oberkiefer ein. Für den Weißen Hai sprechen nach ihrer Untersuchung unter anderem die vergleichsweise flache, dünne Zahnform, die unregelmäßige Zähnelung der Schneiden und die flache Wurzel. Außerdem fehlt eine deutlich abgesetzte, vertiefte Zone an der zungenseitigen Kronenbasis, wie sie für Megalodon-Zähne typisch ist.

Die Zahnkrone ist 31,3 Millimeter hoch und 33,2 Millimeter breit. Aus dem Größenvergleich mit einem Weißen Hai bekannter Länge schätzten die Forschenden die Gesamtlänge des Tieres auf ungefähr vier Meter. Das ist eine aus dem Zahn abgeleitete Schätzung; ein zugehöriges Skelett liegt nicht vor. Abnutzung und kleine Schäden an den Schneiden deuteten sie als Hinweise darauf, dass der Zahn nach Gebrauch ausgefallen war.

Ein Nachweis aus dem Pliozän

Die fossilführenden Sande und Konglomerate entstanden, als das Meer Teile des heutigen Festlands überflutete. Anhand der begleitenden Weichtierfossilien und kalkigen Mikrofossilien ordnete die Studie die Ablagerungen dem späten Zancleum bis frühen Piacenzium zu. Diese Abschnitte gehören zum Pliozän; als ungefähres Alter nennen die Autoren 3,5 Millionen Jahre. Der Zahn selbst wurde dabei nicht radiometrisch datiert.

Der Fund ergänzt das Bild der damaligen Verbreitung des Weißen Hais im östlichen Atlantik. Er zeigt, dass die Art bereits im Pliozän in den Gewässern des heutigen Portugals vorkam. Wann sie dort erstmals auftrat, lässt sich daraus nicht ableiten: Der erste erkannte Fossilnachweis muss nicht dem tatsächlichen Beginn ihres Vorkommens entsprechen.

Was ein einzelner Zahn offenlässt

So aussagekräftig die Neubestimmung für den Nachweis der Art ist, so begrenzt bleibt ihre Aussage über den damaligen Bestand. Ein Zahn verrät nicht, wie häufig Weiße Haie in dieser Region waren. Der Fund zeigt vor allem den Wert wissenschaftlicher Sammlungen: Auch ein seit Jahrzehnten aufbewahrtes Fossil kann durch eine erneute Untersuchung die bekannte Verbreitung einer Art erweitern.

Erwähnte Arten

Weißer hai carcharodon carcharias im blauwasser

Weißer Hai

Quellen

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