Die Universität der Azoren untersucht im europäischen Projekt LIFE CIBBRiNA, wie sich der unbeabsichtigte Fang von Tiefseehaien verringern lässt. Wie Diário dos Açores am 25. September berichtet, sind dafür elektrische Abschreckgeräte, Sensormarken und räumliche Analysen vorgesehen. Im Mittelpunkt stehen die örtlichen Fischereien mit Haken und Leinen.
Tests an Bord und Daten aus der Tiefe
Der Bericht stützt sich auf eine im September veröffentlichte Ausschreibung der Universität. Sie beschreibt Versuche auf professionellen Fischereibooten mit Handleinen und Grundleinen. Marken mit dreidimensionaler Beschleunigungsmessung sowie Druck- und Temperatursensoren sollen helfen, das Verhalten der Tiere und ihre Kontakte mit den Fanggeräten zu untersuchen.
Neben Beifängen geht es auch um Fangraub: Haie können bereits gehakte Fische fressen. Karten des Fischereiaufwands und Modelle zur Verwundbarkeit verschiedener Tiefseehaiarten sollen außerdem zeigen, welche technischen, räumlichen oder zeitlichen Maßnahmen aussichtsreich sind.
Mit der Fischerei gemeinsam Lösungen entwickeln
Das LIFE-Projekt läuft von 2023 bis 2029 und bringt Beteiligte aus 13 europäischen Ländern zusammen. Fischerei, Forschung und Behörden sollen Verfahren gemeinsam entwickeln, prüfen und verbessern. Entscheidend sind dabei sowohl der Schutz gefährdeter Meerestiere als auch die praktische Umsetzbarkeit im Fischereialltag.
Beifang kann für Arten besonders schwer wiegen, die spät geschlechtsreif werden und nur wenige Nachkommen haben. Verluste lassen sich dann nur langsam ausgleichen. CIBBRiNA will deshalb auch die Überwachung verbessern und zuverlässigere Grundlagen für die Bewertung solcher Fänge schaffen.
Wirksamkeit auf den Azoren noch offen
Für die auf den Azoren vorgesehenen Verfahren nennt der Zeitungsbericht bislang keine belastbaren Minderungsraten. Beschriebene Arbeitsschritte sind daher noch kein Nachweis, dass elektrische Abschreckung oder andere Maßnahmen den Beifang dort tatsächlich reduzieren.
Einen anderen Teil des regionalen Spannungsfelds beleuchtet die bereits vorgestellte Studie zu Haitourismus und Fischerei. Sie behandelt vor allem Blauhaie und Kurzflossen-Makos. Der jetzige Ansatz richtet sich dagegen auf Tiefseehaie in der Haken-und-Leinen-Fischerei.

