Ein markierter Weißer Hai steht im Mittelpunkt eines Strafverfahrens in Massachusetts. Christopher Stefanou, ein 30-jähriger Angler aus Long Island, wurde am 21. Oktober 2026 vor dem Barnstable Superior Court mit Vorwürfen der Tierquälerei und mehrerer Fischereiverstöße konfrontiert. Nach der bei CapeCod.com veröffentlichten Mitteilung der Staatsanwaltschaft geht es um einen Fang im Oktober 2025. Stefanou bestreitet die Anschuldigungen; es gilt die Unschuldsvermutung.
Was die Staatsanwaltschaft vorwirft
Stefanou und seine Gruppe sollen damals mit einem europäischen Kunden mehrere Tage an der Ostküste von Cape Cod unterwegs gewesen sein, um gezielt einen Weißen Hai zu fangen. Dabei sei der bereits wissenschaftlich markierte „AAron the Shark“ an den Haken gegangen. Die Behörden seien durch Aufnahmen aufmerksam geworden, die Stefanou selbst in sozialen Medien veröffentlicht habe.
Nach Darstellung der Ermittler zeigen die Videos den Einsatz verbotener Ausrüstung einschließlich einer Drohne. Die Männer sollen den Hai auf den Strand gezogen und dort Fotos mit ihm gemacht haben, bevor sie ihn wieder freiließen. Zu den Anklagepunkten zählen unter anderem Tierquälerei, unerlaubter Besitz einer geschützten Art und das mechanisierte Ausbringen von Ködern.
Die Verteidigung widerspricht
Stefanous Anwalt Jon Ciraulo erklärte gegenüber Boston.com, sein Mandant halte an seiner Unschuld fest und werde die Vorwürfe umfassend anfechten. Er verwies auf dessen langjährige Angelerfahrung sowie Beteiligung an Schutz-, Markierungs- und Forschungsprojekten. Diese Darstellung steht den Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft gegenüber; eine gerichtliche Feststellung der Schuld ist damit nicht verbunden.
Nach dem Bericht hinterlegte Stefanou eine Kaution von 10.000 US-Dollar. Zu den Auflagen gehören die Abgabe seiner Angellizenz und Einschränkungen seiner Angelaktivitäten in Massachusetts. Als nächster Gerichtstermin wurde der 11. Dezember 2026 genannt.
Warum Drohnen und schwere Montagen eine Rolle spielen
Die Fischereibehörde von Massachusetts erläuterte bereits im Juli 2025 verschärfte Regeln für das Uferangeln. Bestimmte Kombinationen aus großen Haken und langen Metall- oder Drahtvorfächern wurden an Cape Cod Bay und am Outer Cape untersagt. Außerdem dürfen Köder beim Angeln vom Ufer nicht mit mechanisierten, druckluftbetriebenen oder ferngesteuerten Geräten ausgebracht werden. Dazu zählen Drohnen und ferngesteuerte Boote.
Die Behörde begründet die Vorgaben mit dem Schutz der Fische und der Sicherheit anderer Strandnutzer. Sie sollen insbesondere verhindern, dass Weiße Haie gezielt in Ufernähe gelockt werden. Eine spätere Ausweitung auf Nantucket behandelt ein eigener Haitauchen-Beitrag. Im Verfahren gegen Stefanou geht es dagegen um einen behaupteten Vorfall an Cape Cod aus dem Vorjahr.
Ortungen nach dem mutmaßlichen Fang
AAron war der Forschung schon vor dem Verfahren bekannt. Nach einem Bericht der Cape Cod Times, der bei AOL veröffentlicht wurde, markierten Forschende den damals etwa 2,9 Meter langen Hai am 27. August 2024. Die Zeitung berichtet unter Berufung auf das Logbuch der Atlantic White Shark Conservancy von 21 akustischen Registrierungen im November 2025, also im Monat nach dem mutmaßlichen Fang.
Diese späteren Ortungen sprechen dafür, dass AAron die Begegnung überlebt hat. Sie belegen jedoch nicht, dass er unverletzt blieb. Ob er 2026 erneut vor Cape Cod registriert wurde, war laut dem Bericht vom 24. Oktober noch offen, weil die entsprechenden Empfängerdaten erst nach der Saison ausgewertet werden.


