Massachusetts reagiert auf mehrere dokumentierte Vorfälle rund um Nantucket: Wer von der Inselküste aus angelt, darf vorübergehend keine schweren Montagen mehr verwenden, die sich besonders zum Fang großer Haie eignen. Die Notregel soll das gezielte Angeln auf Weiße Haie erschweren und zugleich gefährliche Situationen für Badegäste und andere Strandbesucher verhindern.
Die Massachusetts Division of Marine Fisheries (DMF) veröffentlichte die Regelung am 31. Juli 2026. Sie erweitert eine bereits für Cape Cod Bay und die Ostküste von Cape Cod geltende Beschränkung auf die Küstenlinie der Town of Nantucket.
Welche Ausrüstung auf Nantucket betroffen ist
Entscheidend ist die Kombination zweier Merkmale: Verboten sind Metall- oder Drahtvorfächer mit einer Länge von mindestens 18 Zoll, wenn sie mit einem Haken verbunden werden, dessen Öffnung mehr als 5/8 Zoll misst. Umgerechnet sind das mindestens rund 45,7 Zentimeter Vorfachlänge und eine Hakenöffnung von mehr als etwa 1,6 Zentimetern.
Die Vorgabe ist damit kein allgemeines Angelverbot und auch kein pauschales Verbot jeder Haifischerei. Uferangler dürfen weiterhin regelkonformes Gerät verwenden und damit auf andere erlaubte Haiarten fischen. Die Behörde setzt gezielt bei jener schweren Ausrüstung an, die besonders geeignet ist, große Weiße Haie zu haken und vom offenen Wasser in Richtung Strand zu ziehen.
Die Notregel gilt zunächst 90 Tage. Die DMF kündigt zugleich an, eine dauerhafte Ausweitung des räumlichen Geltungsbereichs für 2027 zu prüfen. Damit bleibt die Maßnahme vorerst befristet, kann aber zum Ausgangspunkt für eine längerfristige Regelung werden.
Warum Nantucket 2025 zunächst ausgenommen war
Massachusetts hatte die Kombination aus großem Haken und langem Metall- oder Drahtvorfach bereits 2025 an Cape Cod Bay und entlang der östlichen Cape-Cod-Küste beschränkt. Nantucket blieb damals ausgenommen. Die Strände der Insel haben eine lange Tradition der Uferfischerei auf verschiedene andere Haiarten, und der Behörde lagen nur wenige Hinweise darauf vor, dass Angler dort gezielt Weiße Haie fingen.
Diese Einschätzung änderte sich im Frühjahr und Sommer 2026. Nach Angaben der DMF gab es mehrere dokumentierte Vorfälle, bei denen Uferangler auf Nantucket Weiße Haie gezielt anangelten und fingen. Dabei entstanden gefährliche Situationen für Schwimmer und Strandbesucher. Die Behörde begründet ihr kurzfristiges Eingreifen ausdrücklich mit diesem akuten Risiko für die öffentliche Sicherheit.
Weiße Haie durften schon vorher nicht gezielt gefangen werden
Das gezielte Anlocken und Fangen Weißer Haie ist in Massachusetts bereits untersagt – unabhängig davon, ob vom Ufer oder von einem Boot aus geangelt wird. In der Praxis ist jedoch schwer zu erkennen, ob eine schwere Montage einem erlaubten Fang oder tatsächlich einem Weißen Hai gilt. Die neue Gerätegrenze gibt Kontrolleuren deshalb ein klareres Kriterium an die Hand.
Weitere Regeln ergänzen diesen Ansatz. Beim einschlägigen Uferangeln ist das Anfüttern zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang eingeschränkt. Außerdem dürfen Köder vom Ufer nicht mit mechanisierten, druckluftbetriebenen oder ferngesteuerten Geräten ausgebracht werden. Dazu zählen etwa Köderkanonen, Drohnen und ferngesteuerte Boote, mit denen sich ein Köder weit hinter der Brandung platzieren ließe.
Parallele zu den Notregeln in Kalifornien
Ein sehr ähnlicher Konflikt führte wenige Wochen zuvor an der US-Westküste zu neuen Vorgaben. Wie im Haitauchen-Beitrag Kalifornien schränkt Uferfischerei auf große Haie ein beschrieben, begrenzt Kalifornien seit Juni 2026 große Haken und metallische Leinen oder Vorfächer in stark genutzten Küstenbereichen. Auch dort geht es zugleich um den Schutz Weißer Haie und um das Risiko, das ein gehakter, gestresster Hai in der Nähe von Schwimmern und Surfern erzeugt.
Die Details unterscheiden sich: Kalifornien arbeitet mit einer anderen Hakengröße, einem bis zu 1.000 Yards breiten Küstenstreifen und einem langen Abschnitt vom Pigeon Point bis zur mexikanischen Grenze. Massachusetts erweitert dagegen eine bereits bestehende regionale Regel gezielt um Nantucket. Gemeinsam ist beiden Maßnahmen, dass sie riskante Fangmethoden begrenzen, ohne jede Form der Uferfischerei zu untersagen.
Schutzmaßnahme ohne Alarmismus
Die Vorfälle auf Nantucket sind kein Hinweis darauf, dass Weiße Haie Strandbesucher gezielt suchen. Das zusätzliche Risiko entsteht vielmehr, wenn Menschen die Tiere anlocken, haken und unter hoher Belastung in belebte Uferbereiche bringen. Ein großer Hai an einer gespannten Leine kann unkontrolliert drehen, in die Brandung geraten oder beim Landen Menschen und Tier verletzen.
Gerade deshalb ist der enge Zuschnitt der Regel sinnvoll: Sie reagiert auf eine dokumentierte Praxis, statt die bloße Anwesenheit Weißer Haie zum Problem zu erklären. Ob Massachusetts den räumlichen Geltungsbereich 2027 dauerhaft erweitert, dürfte davon abhängen, wie gut sich die Notregel durchsetzen lässt und ob die Konflikte an Nantuckets Stränden tatsächlich zurückgehen.


