Vor Mauritius ist eine bislang unbekannte Haiart wissenschaftlich beschrieben worden: Etmopterus bulbosus, ein kleiner Laternenhai mit einer auffällig bauchigen Schnauze. Die neue Studie stützt sich auf Körpermerkmale und DNA-Daten. Bislang ist allerdings nur ein einziges Exemplar bekannt – über die Verbreitung und den Bestand der Art lässt sich deshalb noch wenig sagen.
Ein Fund aus 400 bis 500 Metern Tiefe
Das Tier wurde am 7. Juni 2025 während einer Forschungsfahrt der Dr. Fridtjof Nansen mit einem Schleppnetz im freien Wasser gefangen. Der Fund stammt aus dem südwestlichen Indischen Ozean vor Mauritius, vermutlich aus etwa 400 bis 500 Metern Tiefe. Das Netz befand sich über einem steilen Meereshang; die Fangtiefe ist deshalb nicht mit der Wassertiefe am Meeresboden gleichzusetzen.
Es handelt sich um ein Weibchen, das vor der Konservierung 21,5 Zentimeter lang war und danach noch 21 Zentimeter maß. Das ist die Länge dieses einzelnen Tieres, keine gesicherte Maximalgröße der neuen Art. Auch die Größe bei Eintritt der Geschlechtsreife ist unbekannt. Als Holotypus, also als Referenzexemplar für den Artnamen, wird es in der Fischsammlung des South African Institute for Aquatic Biodiversity aufbewahrt.
Schnauze und Hautzähnchen machen den Unterschied
Der Name bulbosus verweist auf die knollenartig gewölbte Schnauze. Auf Englisch nennen die Forschenden die Art „Big-nosed Lanternshark“. Entscheidend für die Abgrenzung ist jedoch eine Kombination mehrerer Merkmale: die Schnauzenform, ein deutliches Feld vergrößerter, dornenartiger Hautzähnchen oberhalb des Brustflossenansatzes sowie die Form dunkler Zeichnungen an Flanken und Schwanz.
Besonders ähnlich ist Etmopterus sentosus, ein Laternenhai aus Gewässern vor Ostafrika und Madagaskar. Ihm fehlt die bauchige Schnauze; außerdem stehen seine vergrößerten Hautzähnchen in zwei oder drei geraden Reihen. Bei E. bulbosus bilden sie dagegen ein flächiges, nicht geradlinig geordnetes Feld. Auch die Zeichnungen unterscheiden sich. Das Forschungsteam ordnet die neue Art der Etmopterus pusillus-Gruppe zu.
DNA stützt die neue Art, klärt aber nicht alle Verwandtschaften
Zusätzlich untersuchten die Forschenden einen Abschnitt des mitochondrialen COI-Gens, das häufig zur genetischen Unterscheidung von Arten verwendet wird. Gegenüber den verfügbaren Vergleichssequenzen anderer Arten betrug der kleinste gemessene Unterschied 10,29 Prozent. Zusammen mit den anatomischen Merkmalen stützt das die Anerkennung als eigenständige Art.
Der genaue Platz im Stammbaum bleibt dennoch offen. Die Verzweigungen innerhalb der untersuchten Gruppe waren statistisch nur schwach abgesichert. Der deutliche genetische Abstand ist somit ein Argument für die Eigenständigkeit von E. bulbosus, liefert aber noch keine verlässliche Antwort darauf, welche Art sein nächster Verwandter ist.
Ein einzelnes Tier sagt wenig über den Bestand
Bisher ist die neue Art ausschließlich vom Fundort vor Mauritius bekannt. Das bedeutet nicht, dass sie nur dort vorkommt oder zwangsläufig selten ist. Weitere Fänge und Untersuchungen müssen zeigen, wie weit sie verbreitet ist, welche Lebensräume sie nutzt und ob die Fischerei ihre Bestände beeinflusst. Aus diesem einen Nachweis lässt sich weder eine Gefährdung noch Entwarnung ableiten.
Die Autorinnen und Autoren betonen deshalb den Nutzen besserer Bestimmungshilfen und geschulter Fischereibeobachter. Wenn kleine Tiefseehaie als Beifang nicht zuverlässig auf Artniveau erfasst werden, fehlen wichtige Grundlagen für Bestandsüberwachung und Schutzmaßnahmen.
Wie unterschiedlich neue Erkenntnisse über Laternenhaie ausfallen können, zeigt auch eine andere, bereits vorgestellte Untersuchung: Vor Albanien lieferten 319 untersuchte Tiere Hinweise auf eine mögliche Tiefsee-Kinderstube. Dort ging es um eine bekannte Art und eine größere Stichprobe; vor Mauritius beginnt die Erforschung der neuen Art gerade erst.


