Eine Tauchgruppe hat vor El Hierro eine außergewöhnliche Begegnung erlebt: In nur zwölf Metern Tiefe zog ein etwa vier Meter langer Schildzahnhai an den Taucherinnen und Tauchern vorbei. Das große Weibchen hielt sich mehrere Minuten in ihrer Nähe auf, ohne die Distanz zu der Gruppe deutlich zu verringern. Für eine Haiart, die meist mit wesentlich tieferem Wasser verbunden wird, war das ein bemerkenswerter Auftritt im flachen Küstenbereich.
@elhierrohoy Un tiburón solrayo de unos cuatro metros vuelve a dejarse ver en aguas de El Hierro.
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Canarian Weekly berichtet, dass die Begegnung am Tauchplatz Baja Rosario im Mar de las Calmas stattfand. Der Platz liegt nahe La Restinga an der Südküste von El Hierro. Acht Menschen waren bei dem Freizeittauchgang im Wasser, als das Weibchen am Mittwoch gegen 13:40 Uhr auftauchte.
Sechs bis sieben Minuten mit dem Schildzahnhai
Jon Morán vom Tauchzentrum Buceo La Restinga schilderte, dass der Hai rund sechs bis sieben Minuten bei der Gruppe blieb. Das Tier schwamm nicht auf die Menschen zu, sondern hielt Abstand und zog anschließend wieder in tieferes Wasser. Gerade diese ruhige Szene macht die Sichtung interessant: Sie zeigt ein großes Wildtier in seinem Lebensraum, ohne Jagd, Fütterung oder eine andere gezielte Anlockung.
Das Tauchzentrum bezeichnete die Begegnung sinngemäß als großes Geschenk des Ozeans. Zugleich bestätigte das Team damit die Rückkehr eines weiblichen Schildzahnhais in das Mar de las Calmas im August. Die zuletzt in diesem Gebiet beobachteten Tiere waren im Vorjahr etwa Mitte September wieder verschwunden. Ob und wie lange sich das aktuelle Weibchen rund um El Hierro aufhalten wird, lässt sich aus einer einzelnen Begegnung jedoch nicht ableiten.
Warum zwölf Meter Tiefe so ungewöhnlich sind
Der Schildzahnhai (Odontaspis ferox) ist ein großer, aber nur vergleichsweise selten beobachteter Hai. Viele Nachweise stammen aus deutlich größeren Tiefen. Entsprechend überraschend ist ein etwa vier Meter langes Tier, das an einem regulären Tauchplatz in nur zwölf Metern Wassertiefe erscheint. Die Sichtung bedeutet allerdings nicht, dass sich die Art nun dauerhaft in flachen Bereichen aufhält. Sie dokumentiert zunächst einen einzelnen Aufenthalt zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort.
Für die acht Beteiligten war der flache Standort ein Vorteil: Anders als bei vielen Tiefseebeobachtungen konnten sie den Hai unter normalen Tauchbedingungen sehen. Auch für Fotoidentifikation und wissenschaftliche Meldungen sind solche Begegnungen wertvoll, sofern Aufnahmen, Datum, Ort und beobachtetes Verhalten sorgfältig dokumentiert werden. Aus einem spektakulären Moment können so Daten über die Nutzung des Lebensraums entstehen.
Bekannte Rückkehrer im Mar de las Calmas
Schildzahnhaie sind im Süden El Hierros keine völlig unbekannten Gäste. Nach den im Bericht zusammengefassten Angaben reichen dokumentierte Sichtungen in der Region bis 1965 zurück. Ein Fotoidentifikationskatalog hilft dabei, einzelne Tiere bei späteren Begegnungen wiederzuerkennen. Morán selbst hatte die Art bereits 2019 und 2025 in den Gewässern rund um die Insel beobachtet.
Besonders interessant ist die offenbar ausgeprägte Ortstreue zum Mar de las Calmas. Gemeint ist damit nicht, dass die Haie dort ständig am selben Tauchplatz bleiben. Vielmehr können dieselben Individuen nach einer Abwesenheit erneut in die Region zurückkehren. Laut den von Canarian Weekly wiedergegebenen Informationen der kanarischen Regierung zeigt sich dieses Verhalten besonders bei weiblichen Tieren.
Für Forschende eröffnet das wiederkehrende Auftreten die Möglichkeit, einzelne Haie über längere Zeiträume zu vergleichen. Markante Körpermerkmale, Narben und die Form der Flossen können dabei wie ein natürlicher Ausweis wirken. Je mehr zuverlässig zugeordnete Sichtungen vorliegen, desto besser lässt sich einschätzen, wann die Tiere auftauchen und welche Bereiche sie nutzen.
Abstand ist die wichtigste Regel
Die Tauchlehrer Jon und Carmen verbanden ihre Freude über die Sichtung mit einer klaren Bitte: Ein Schildzahnhai sollte weder verfolgt noch gezielt angenähert oder anderweitig beeinflusst werden. Der richtige Umgang ist, ruhig zu bleiben, dem Tier Raum und einen freien Weg zu lassen und die Begegnung nicht für eine nähere Aufnahme zu erzwingen. Das gilt gerade dann, wenn ein seltenes Tier viele Neugierige anzieht.
Dass das Weibchen während der Begegnung Abstand hielt und schließlich in tieferes Wasser schwamm, ist kein Anlass für dramatische Deutungen. Die Beobachtung beschreibt keine Attacke und auch keine bedrohliche Annäherung. Sie war eine seltene, friedliche Wildtierbegegnung. Verantwortungsvolles Verhalten der Gruppe sorgt dafür, dass aus einem besonderen Tauchgang keine Belastung für den Hai wird.
El Hierro als Beobachtungsort für große Haie
Das Mar de las Calmas bietet mit seinem geschützten Küstenabschnitt und den rasch in größere Tiefen abfallenden vulkanischen Strukturen sehr unterschiedliche Lebensräume auf engem Raum. Für Taucherinnen und Taucher ist die Region deshalb besonders attraktiv. Die aktuelle Sichtung erinnert aber auch daran, dass ein populärer Tauchplatz zugleich Teil des Lebensraums seltener Meerestiere ist.
Sollte sich das Weibchen in den kommenden Wochen erneut zeigen, könnten weitere dokumentierte Beobachtungen helfen, seinen Aufenthalt besser einzuordnen. Entscheidend ist dabei nicht, möglichst dicht an das Tier heranzukommen. Wertvoll sind verlässliche Angaben, eindeutige Bilder aus angemessener Entfernung und die Weitergabe an die zuständigen Beobachtungs- oder Forschungsstellen.
Die Begegnung von Baja Rosario ist vor allem deshalb eindrucksvoll, weil mehrere seltene Umstände zusammenkamen: ein sehr großes Weibchen, eine Tiefe von lediglich zwölf Metern und mehrere Minuten Beobachtungszeit. Für die Gruppe war es ein außergewöhnlicher Tauchgang. Für die Kenntnis der Schildzahnhaie rund um El Hierro ist es ein weiterer Baustein in einer langen, aber noch immer lückenhaften Sichtungsreihe.


