Jeden Winter versammeln sich Schwarzhaie und Sandbankhaie am Warmwasserauslass des Kraftwerks Orot Rabin bei Hadera in Israel. Eine neue Telemetriestudie zeigt nun genauer, wie die Tiere den technisch veränderten Küstenabschnitt nutzen. Die Ergebnisse sprechen für eine saisonale Bindung an den Standort und für eine Rolle der Wassertemperatur – aber nicht dafür, dass alle Tiere jedes Jahr zuverlässig zurückkehren.
58 Haie wurden über Jahre akustisch verfolgt
Das Forschungsteam versah 35 Schwarzhaie (Carcharhinus obscurus) und 23 Sandbankhaie (Carcharhinus plumbeus) mit akustischen Sendern. Empfänger zeichneten ihre Anwesenheit an Küsteninfrastruktur und natürlichen Lebensräumen auf. Bei einem Teil der Tiere wurden zusätzlich Körpertemperaturen erfasst. So ließen sich Aufenthaltsdauer, Tagesmuster und Temperaturverläufe miteinander vergleichen.
Über mehrere Jahre hinweg kehrten nur relativ wenige markierte Tiere in die größere Untersuchungsregion zurück. Innerhalb einer Saison hielten sich einzelne Haie am Kraftwerk dagegen deutlich und wiederholt auf. Das spricht für eine starke kurzfristige Standortbindung, nicht automatisch für eine dauerhafte jährliche Tradition der gesamten Population.
Die Körpertemperatur stieg während der Besuche
Während der Aufenthalte am Kraftwerk stieg die Körpertemperatur der untersuchten Haie schrittweise an und lag zeitweise über der Temperatur des umgebenden Wassers. Die Autoren sehen darin einen Hinweis auf verhaltensbedingte Thermoregulation. Wärmeres Wasser könnte Stoffwechsel und Muskelleistung unterstützen; auch Fortpflanzung oder Informationsaustausch innerhalb der Ansammlung werden als mögliche Funktionen diskutiert. Die Studie weist diese einzelnen Vorteile jedoch nicht direkt nach.
Die Besuchszeiten und die Aktivität im Tagesverlauf waren strukturiert. Das zeigt, dass die Haie den Ort nicht einfach zufällig passieren. Zugleich lässt sich aus den Daten keine genaue Zahl aller Tiere am Standort ableiten: Erfasst werden nur markierte Haie, die sich in Reichweite der Empfänger bewegen.
Ein energetischer Vorteil kann neue Gefahren schaffen
Küsteninfrastruktur kann kleinräumig günstige Umweltbedingungen erzeugen. Die gleiche Anziehung erhöht aber die Nähe zu Fischerei, Booten, Badegästen und anderen menschlichen Aktivitäten. Die Forschenden beschreiben deshalb einen möglichen Zielkonflikt zwischen kurzfristigen energetischen Vorteilen und langfristigen Risiken für die Population.
Wie ernst dieser Konflikt werden kann, zeigte der tödliche Vorfall vor Hadera im April 2025. Die neue Bewegungsstudie untersucht nicht die Ursache dieses Angriffs und erlaubt keine Aussage darüber, welches einzelne Tier beteiligt war. Sie liefert jedoch eine bessere ökologische Grundlage für Regeln, die Menschen und die gefährdeten Haie an diesem außergewöhnlichen Ansammlungsort trennen sollen.
Was die Studie offenlässt
Die Untersuchung beschreibt einen besonderen Standort im östlichen Mittelmeer und eine begrenzte Zahl markierter Tiere. Die Ergebnisse sind deshalb weder eine Bestandszählung noch ohne Weiteres auf andere Kraftwerke oder Haiarten übertragbar. Weitere Daten müssen zeigen, wie sich Veränderungen des Kraftwerksbetriebs, steigende Meerestemperaturen und Schutzmaßnahmen auf die Ansammlung auswirken.



