Eine neue Risikoanalyse für Indiens handwerkliche Fischerei stuft den Bogenstirn-Hammerhai als besonders anfällig für den Fischereidruck ein. Der Bericht für die Thunfischkommission des Indischen Ozeans (IOTC) vergleicht ihn mit dem Seidenhai und dem Pelagischen Fuchshai.
Die Untersuchung ist als explorative Studie angelegt. Sie ersetzt keine vollständige Bestandsbewertung, sondern kombiniert biologische Eigenschaften mit der Wahrscheinlichkeit, dass die Arten den eingesetzten Fanggeräten begegnen und nach dem Fang überleben. Gerade für datenarme, tropische Kleinfischereien kann diese Methode Hinweise liefern, wo Schutzmaßnahmen zuerst ansetzen sollten.
Hammerhai mit höchstem Risikowert
Die sogenannte Produktivitäts-Suszeptibilitäts-Analyse ergab einen Gefährdungswert von 2,04 für den Bogenstirn-Hammerhai. Damit fiel er in die Kategorie „hoch“. Der Seidenhai erreichte 1,82 und wurde als „moderat“ bewertet, der Pelagische Fuchshai mit 1,68 als „niedrig“.
Diese Kategorien gelten nur innerhalb des verwendeten Modells und des untersuchten Fischereikontexts. „Niedrig“ bedeutet daher nicht, dass der Pelagische Fuchshai global ungefährdet ist. Das Ergebnis sagt vielmehr, dass er in dieser konkreten Analyse weniger anfällig erschien als die beiden anderen Arten.
Bei Hammer- und Seidenhaien dominierten Jungtiere
Für die Größenanalyse wertete das Team Anlandungen aus dem Jahr 2025 entlang der indischen Küste aus. Beim Seidenhai wurden 2.292 Tiere zwischen 56 und 278 Zentimetern Gesamtlänge vermessen; am häufigsten war die Größenklasse von 100 bis 110 Zentimetern. Die Studie bewertet die Anlandungen insgesamt als von Jungtieren geprägt.
Beim Bogenstirn-Hammerhai umfasste die Stichprobe 480 Tiere zwischen 34 und 292 Zentimetern. Die meisten waren nur 50 bis 60 Zentimeter lang, während Tiere über 170 Zentimeter selten waren. Junge Hammerhaie halten sich häufig in Küstengewässern auf und treffen dort auf Stellnetze, Langleinen, Schleppnetze und andere Geräte der handwerklichen Fischerei.
Anders sah es beim Pelagischen Fuchshai aus: Unter 783 vermessenen Tieren dominierten erwachsene Exemplare; am häufigsten war die Größenklasse von 190 bis 200 Zentimetern. Die Daten verschiedener Fanggeräte wurden für die Größenverteilung zusammengeführt, weshalb sie keine direkten Vergleiche einzelner Fischereien erlauben.
Mindestgröße von 220 Zentimetern für Hammerhaie vorgeschlagen
Für den Bogenstirn-Hammerhai wurde bereits eine gesetzliche Mindestgröße von 220 Zentimetern Gesamtlänge vorgeschlagen. Eine Umsetzung müsse nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren jedoch breit mit Fischern und weiteren Beteiligten beraten werden. Für Seidenhaie und Pelagische Fuchshaie sollten artspezifische Mindestgrößen dringend ermittelt und bewertet werden.
Eine Mindestgröße kann verhindern, dass besonders junge Tiere legal behalten und gehandelt werden. Sie löst das Problem allein aber nicht: Werden kleinere Haie nach dem Fang tot oder schwer verletzt zurückgeworfen, sinkt zwar die Anlandung, nicht aber zwingend die Fischereisterblichkeit. Entscheidend sind deshalb auch Fanggerät, Freilassungspraxis, Kontrollen und die Überlebensrate nach dem Zurücksetzen.
Mögliche Schutzgebiete vor Gujarat und den Andamanen
Die im IOTC-Sitzungsdokument IOTC-2026-WPEB22-39 ausgewerteten Forschungsfahrten von 2020 an zeigen unterschiedliche räumliche Schwerpunkte. Seidenhaie wurden vor allem am Rand der indischen Wirtschaftszone vor Gujarat erfasst. Pelagische Fuchshaie traten am häufigsten um die Andamanen und Nikobaren auf. Hammerhaie waren in den Erhebungen selten; der höchste relative Wert lag vor Maharashtra.
Die Forschenden schlagen vor, die Gebiete vor Gujarat und bei den Andamanen als mögliche Important Shark and Ray Areas genauer zu untersuchen. Weil Seiden- und Fuchshaie weiträumig über die Grenze der indischen Wirtschaftszone hinausziehen, wären Schutzmaßnahmen in angrenzenden internationalen Gewässern nur durch Zusammenarbeit mehrerer Staaten wirksam.
Erkundungsstudie zeigt Prioritäten, aber keine Bestandsgröße
Die Analyse stützt sich bei mehreren Suszeptibilitätsmerkmalen auf Experteneinschätzungen und begrenzte Beobachtungsdaten. Auch die Verteilungskarten beruhen auf Forschungsfängen mit niedrigen relativen Fangraten. Aus den Ergebnissen lassen sich deshalb weder nationale Bestandsgrößen noch genaue Sterblichkeitsraten ableiten.
Trotz dieser Grenzen verbindet die Studie drei praktisch wichtige Signale: hohe Anfälligkeit des Bogenstirn-Hammerhais, ein großer Anteil junger Tiere in den Anlandungen von Hammer- und Seidenhaien sowie räumliche Schwerpunkte für weitere Forschung. Damit liefert sie konkrete Ansatzpunkte für Mindestgrößen, schonendere Fangpraxis und gezielten Gebietsschutz.



