DNA-Tests enthüllen Haiarten in Westaustraliens Fish and Chips

DNA-Tests von 167 Gerichten aus Westaustralien fanden 16 Tierarten. Mehr als die Hälfte war mehrdeutig, gut ein Drittel falsch gekennzeichnet.

Sharky3. September 2026
Fish and Chips mit Zitrone auf einem Teller in Blackpool
Fish and Chips in Blackpool. Matthias Meckel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Auf das Format 2:1 zugeschnitten.

Wer in Westaustralien Hai bei einem Fish-and-Chips-Laden bestellt, erfährt häufig nicht, welche Art tatsächlich auf dem Teller liegt. Eine neue Studie in Marine and Freshwater Research untersuchte gekochte Haifilets mit DNA-Methoden. Von 167 auswertbaren Produkten waren 56,3 Prozent mehrdeutig und 35,3 Prozent falsch gekennzeichnet.

Das bedeutet nicht, dass 91,6 Prozent aller Proben gleichzeitig falsch waren: Die Kategorien überschneiden sich teilweise und beschreiben unterschiedliche Probleme. „Mehrdeutig“ waren Bezeichnungen wie „shark“, „fish and chips“ oder „flake“, die keine eindeutige Art nennen. Als falsch gekennzeichnet galten Produkte, bei denen die genetisch bestimmte Art nicht zur angegebenen Bezeichnung passte.

167 DNA-Proben aus 132 Geschäften

Das Forschungsteam kaufte zwischen März 2023 und Februar 2024 insgesamt 174 gekochte Produkte in 132 Geschäften. 108 Läden lagen im Großraum Perth, 24 in anderen Teilen Westaustraliens. Aus 167 Proben ließ sich ausreichend hochwertige DNA gewinnen.

Analysiert wurde ein Abschnitt des mitochondrialen COI-Gens, der bei der Artbestimmung von Fischen häufig als genetischer Barcode dient. Die Sequenzen wurden mit Referenzen aus GenBank und der Barcode-of-Life-Datenbank verglichen und bei Knorpelfischen zusätzlich mit phylogenetischen Verfahren geprüft.

Elf Haiarten, zwei Chimären und drei Knochenfische

In den 167 Produkten identifizierten die Forschenden insgesamt 16 Arten: elf Haie, zwei Chimären und drei Knochenfische. Am häufigsten kamen der Dunkelhai mit 55 Proben, der Australische Glatthai mit 32 und der Bartel-Glatthai mit 28 Proben vor. In 19 Produkten steckte der südafrikanische Kap-Elefantenfisch, eine Chimäre und damit kein Hai.

Fünf Proben wurden vorläufig dem Sandbankhai zugeordnet. Weil sich dessen COI-Sequenzen nur schlecht von denen des Großnasenhais trennen ließen, prüfte das Team zusätzlich einen Abschnitt der mitochondrialen Kontrollregion. Bei 55 als Dunkelhai eingeordneten Proben war die Abgrenzung zum Galapagoshai genetisch ebenfalls schwierig; Verbreitungs- und Fischereidaten stützten jedoch die Zuordnung zum Dunkelhai.

Die Aufschrift „Hai“ verbarg besonders viele Arten

Die häufigste Bezeichnung auf Speisekarten war schlicht „shark“ und stand bei 89 Produkten. Dahinter steckten vor allem Dunkelhaie, Australische Glatthaie, Bartel-Glatthaie und Kap-Elefantenfische. Die Bezeichnung ist bei einem echten Haiprodukt zwar nicht zwangsläufig falsch, bietet Verbraucherinnen und Verbrauchern aber kaum Informationen über Art, Herkunft oder Schutzstatus.

42 Produkte wurden als „gummy shark“ angeboten. Tatsächlich fanden die DNA-Tests darunter am häufigsten Bartel-Glatthaie, gefolgt von Australischen Glatthaien und Dunkelhaien. Von 22 als „bronze whaler“ angebotenen Produkten enthielten zwölf Dunkelhai und fünf Australischen Glatthai.

Wenn das Personal bei mehrdeutigen Bezeichnungen nach einer konkreten Art gefragt wurde, waren 64,1 Prozent der 78 Antworten unzutreffend. Auch die Lieferungen innerhalb eines Geschäfts waren nicht völlig konstant: Bei zwei Käufen unter derselben Bezeichnung im Abstand von etwa sechs Monaten enthielten nur 16 von 28 Produkten dieselbe Art.

Falsche Kennzeichnung ist nicht automatisch Betrug

Die Forschenden warnen davor, jede Abweichung als absichtliche Täuschung auszulegen. Dunkelhai, Australischer Glatthai und Bartel-Glatthai erzielen in Westaustralien ähnliche Preise. Werden mehrere ähnliche Arten bei einem Fang gemeinsam verarbeitet und verpackt, können Bezeichnungen entlang einer komplexen Lieferkette verloren gehen oder ungenau werden, ohne dass ein finanzieller Vorteil beabsichtigt ist.

Für Verbraucher und Fischereikontrollen bleibt das Ergebnis trotzdem problematisch. Ohne eindeutige Artnamen lassen sich Herkunft, Fangmethode, Schutzstatus und Nachhaltigkeit kaum beurteilen. Der freiwillige Australian Fish Names Standard definiert zwar Handelsnamen, ist für gekochte oder im Inland verkaufte Produkte aber nicht durchgehend verpflichtend.

Global betrachtet stammten 43,7 Prozent aus bedrohten Arten

Nach den globalen IUCN-Einstufungen enthielten 43,7 Prozent der Produkte Arten aus bedrohten Kategorien. Dazu gehörten insbesondere Dunkelhaie sowie einzelne Sandbankhaie und ein Kurzflossen-Mako. Nach einer speziell australischen Bewertung fiel dagegen nur die Mako-Probe in eine bedrohte Kategorie. Der Unterschied zeigt, dass globale und regionale Einstufungen verschiedene Bestände und Maßstäbe abbilden können.

Nur 26 Prozent der Produkte trugen direkt eine Herkunftsangabe. Wurden zusätzlich Auskünfte des Personals einbezogen, gab es bei 47 Prozent irgendeine Herkunftsinformation. Die DNA des verwendeten COI-Abschnitts kann die Fangregion jedoch nicht bestimmen; die Forschenden konnten Angaben nur mit den bekannten Verbreitungsgebieten der identifizierten Arten vergleichen.

Die Studie fordert deshalb strengere und einheitlichere Kennzeichnungsvorschriften für australische Meeresfrüchte. Eine präzise Artbezeichnung würde keine nachhaltige Fischerei garantieren, wäre aber eine notwendige Grundlage für Rückverfolgbarkeit, glaubwürdige Kontrollen und eine informierte Kaufentscheidung.

Quellen

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