New York baut die Haiüberwachung an den Stränden von Long Island deutlich aus. Nach Angaben der Regierung des Bundesstaates New York sollen zur Hauptsaison 46 Drohnen verfügbar sein. Zugleich steigt die Zahl der dafür zertifizierten Beschäftigten von derzeit 47 auf voraussichtlich 67. Rettungsschwimmer, Parkpolizei und weiteres Strandpersonal suchen aus der Luft nach Haien, aber auch nach großen Fischschwärmen, die Raubtiere in Küstennähe locken können.
Der Ausbau klingt zunächst nach einem eindeutigen Sicherheitsgewinn. Doch mit jeder zusätzlichen Kamera am Himmel wächst auch die Zahl der Beobachtungen. Das kann den Eindruck erwecken, vor den Stränden schwämmen plötzlich viel mehr Haie. Fachleute halten diese Schlussfolgerung für voreilig: Möglicherweise werden die Tiere schlicht häufiger entdeckt, weil intensiver nach ihnen gesucht wird.
16 neue Drohnen für Long Islands Badesaison
Für die Saison 2026 ergänzt New York seine Flotte um 16 neue Geräte. Der Bundesstaat investierte dafür laut Guardian 322.000 US-Dollar. An den State-Park-Stränden beobachten die Teams nicht nur einzelne Haie, sondern auch Wasserbedingungen und Ansammlungen von Beutefischen. Eine solche Kombination kann den Rettungskräften einen besseren Überblick verschaffen als die Beobachtung vom Wachturm allein.
Wird ein Hai gesichtet oder eine Begegnung gemeldet, räumen die Rettungskräfte das Wasser. Das Schwimmen bleibt nach einer bestätigten Sichtung mindestens eine Stunde lang untersagt. Zusätzlich informiert der Bundesstaat eine Küstengruppe mit mehr als 200 Vertretern von Gemeinden, Behörden und privaten Strandbetreibern zwischen Queens und Long Island. Damit können auch benachbarte Strände schnell reagieren.
Mehr Sichtungen sind nicht automatisch mehr Gefahr
Der Guardian beschreibt eine mögliche Rückkopplung: Behörden erhalten mehr Meldungen, kaufen daraufhin mehr Drohnen und finden mit diesen wiederum mehr Haie. Die Statistik der Sichtungen steigt, ohne dass zwangsläufig mehr Tiere vorhanden sind. Gleichzeitig kann jede neue Meldung die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen und den politischen Druck für weitere Überwachung erhöhen.
Dazu passt die Entwicklung an den von New York City verwalteten Rockaway-Stränden. Seit Ende Mai führten Haisichtungen dort bis Anfang Juli zu 23 Sperrungen. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren es elf; 2024 wurden im gesamten Jahr ebenfalls elf Sperrungen gezählt. Diese Zahlen zeigen eine deutliche Zunahme der Reaktionen, belegen für sich genommen aber weder mehr Haie noch ein gestiegenes Risiko für Badende.
Tatsächliche Bisse bleiben selten. Nach den im Guardian genannten Daten wurden 2025 weltweit 65 unprovozierte Haibisse dokumentiert. Das lag unter dem jüngsten Zehnjahresmittel von 72 Fällen. Die Wahrscheinlichkeit eines Bisses wird für einen Menschen mit etwa eins zu 4,3 Millionen angegeben. Solche globalen Werte ersetzen keine lokale Risikobewertung, ordnen alarmierende Einzelmeldungen aber ein.
Was Drohnen sehen und was ihnen entgeht
Drohnen sind vergleichsweise günstig, schnell einsetzbar und können große Strandabschnitte absuchen. Bei klarem Wasser lassen sich Haie nahe der Oberfläche gut erkennen. Genau darin liegt jedoch auch die wichtigste Grenze: Bei trübem Wasser, Wellengang oder ungünstigem Licht kann selbst ein Tier nur rund anderthalb Meter unter der Oberfläche unsichtbar bleiben.
Die Überwachung ist deshalb kein lückenloses Frühwarnsystem. Eine Drohne kann eine konkrete Sichtung liefern, aber nicht bestätigen, dass sich in einem nicht einsehbaren Abschnitt kein Hai befindet. Fachleute warnen vor einer falschen Sicherheit, wenn Badegäste den Einsatz der Technik mit einer Garantie verwechseln.
Andere Regionen kombinieren Luftbilder mit markierten Haien und akustischen Empfängern im Wasser. Nähert sich ein besendertes Tier, speichern solche Stationen Zeitpunkt und Identität. New York setzt an seinen State-Park-Stränden bislang nicht auf dieses System. Allerdings erfassen auch Empfänger nur jene Haie, die zuvor markiert wurden. Keine einzelne Methode kann sämtliche Tiere erkennen.
Sicherheit braucht Technik und Augenmaß
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Drohnen Haie finden können – das können sie –, sondern wie Behörden die Bilder interpretieren. Eine bestätigte Sichtung nahe vieler Schwimmer rechtfertigt eine vorsorgliche Räumung. Dauernde Sperrungen bei unklaren Beobachtungen können dagegen Angst verstärken, Besucher abschrecken und den Eindruck erzeugen, jede Anwesenheit eines Hais sei ein unmittelbarer Angriff.
Haie gehören natürlicherweise zu New Yorks Küstenökosystem. In den Meeresgewässern des Bundesstaates kommen mehr als 13 wandernde Arten vor. Sie regulieren Beutepopulationen und tragen zum ökologischen Gleichgewicht bei. Ihre Sichtung ist deshalb nicht nur ein Sicherheitsereignis, sondern kann auch ein Zeichen eines lebendigen Meeres sein.
Für Badegäste bleiben einfache Verhaltensregeln wichtig: nicht in Schwärme von Fischen oder zwischen jagende Seevögel schwimmen, trübes Wasser und die Dämmerung meiden, in Gruppen und nahe am Ufer bleiben sowie den Anweisungen der Rettungskräfte folgen. Drohnen können diese Vorsicht unterstützen. Sie ersetzen sie ebenso wenig wie erfahrenes Strandpersonal und eine nüchterne Bewertung des tatsächlichen Risikos.

