Neuer laufender Hai vor Papua-Neuguinea beschrieben

Forschende haben vor Papua-Neuguinea eine neue Art der laufenden Haie beschrieben: Hemiscyllium dudgeonae. Der kleine Riffhai dürfte wegen seiner engen Verbreitung besonders anfällig sein.

Sharky22. Juni 2026
Queensland Epaulettenhai Hemiscyllium ocellatum
Queensland Epaulettenhai - Hemiscyllium ocellatum. Jim Capaldi, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Vor Papua-Neuguinea ist eine neue Art der sogenannten laufenden Haie beschrieben worden. Hemiscyllium dudgeonae, auf Englisch Dudgeon’s epaulette shark, gehört zu einer kleinen Gruppe benthischer Riffhaie, die ihre Brust- und Bauchflossen nutzen können, um über den Meeresboden zu laufen.

Wie Sci.News berichtet, stammt die neue Art aus dem Osten Papua-Neuguineas, genauer aus der Milne Bay Province. Das beschriebene Tier wurde bei Nubwageta dokumentiert; die zugrunde liegenden Untersuchungen fanden zwischen 2023 und 2025 statt.

Die Facharbeit von Jessica-Anne Blakeway und Kolleginnen und Kollegen wurde im Journal of the Ocean Science Foundation veröffentlicht. Sie überprüft die Verbreitung mehrerer Hemiscyllium-Arten in Papua-Neuguinea und beschreibt H. dudgeonae als neue Art.

Klein, standorttreu und sehr lokal

Laufende Haie sind keine wandernden Hochseejäger. Sie leben meist in flachen Küstenhabitaten wie Korallenriffen, Seegrasbereichen und Mangroven, oft in weniger als zehn Metern Tiefe. Viele Arten erreichen nur etwa 70 bis 80 Zentimeter Länge und bewegen sich über sehr kleine Aktionsräume.

Genau diese Lebensweise macht die Entdeckung für den Artenschutz spannend. Wenn eine Art nur an wenigen Riffabschnitten vorkommt, kann ein lokaler Eingriff schnell den gesamten bekannten Bestand betreffen. Anders als weit wandernde Haie können solche Arten Verluste nicht einfach durch Zuwanderung aus entfernten Regionen ausgleichen.

Die Forschenden unterscheiden Hemiscyllium dudgeonae unter anderem über das Farbmuster: braune Sprenkel, weiße Flecken und Striche sowie ein auffälliger augenähnlicher Fleck hinter dem Kopf. Genetisch liegt die neue Art nahe bei Hemiscyllium michaeli.

Warum neue Arten sofort Schutzfragen stellen

Neue Haiarten werden nicht häufig beschrieben. Noch seltener ist es, dass eine neu beschriebene Art direkt als potenziell gefährdet diskutiert wird. Im Fall von H. dudgeonae liegt das vor allem an der offenbar engen Verbreitung und der sehr begrenzten Mobilität dieser Hai-Gruppe.

Sci.News zitiert die Forschenden mit dem Hinweis, dass auf der nächsten Forschungsreise weitere Daten gesammelt werden sollen, um eine Bewertung für die IUCN Red List vorzubereiten. Im Raum steht nach derzeitigem Kenntnisstand eine Einstufung als gefährdet oder stark gefährdet.

Für Papua-Neuguinea ist das ein klassischer Fall von Schutz, der sehr lokal gedacht werden muss. Ein Riff, eine Bucht oder eine kleine Inselzone kann für eine solche Art nicht nur ein Teil des Lebensraums sein, sondern praktisch die ganze bekannte Welt.

Ein Hotspot für Teppichhaie

Die Gattung Hemiscyllium ist auf Australien und die Insel Neuguinea beschränkt. Diese Region gilt als globaler Hotspot für Teppichhaie. Tektonische Geschichte, Meeresspiegelschwankungen und isolierte Küstenlebensräume haben dort offenbar eine Mosaikstruktur entstehen lassen, in der nahe verwandte Arten räumlich eng beieinander liegen können.

Die Übersicht zu walking sharks zeigt, wie stark diese Gruppe über Farbmuster, Genetik und Verbreitungsgebiete bestimmt wird. Für Taucherinnen und Taucher sind solche Haie oft faszinierend, weil sie die Erwartung an einen Hai umdrehen: klein, nachtaktiv, bodennah und eher kletternd als gleitend.

Mehr als eine schöne Entdeckung

Die Beschreibung von Hemiscyllium dudgeonae ist deshalb nicht nur eine taxonomische Nachricht. Sie erinnert daran, dass selbst in bekannten Riffregionen noch unvollständig verstanden ist, welche Arten dort leben und wie eng ihre Lebensräume begrenzt sind.

Für Haischutz ist das eine wichtige Lektion: Nicht jede relevante Art ist groß, spektakulär oder touristisch bekannt. Manche der empfindlichsten Haie sind kleine Riffbewohner, deren Schutz davon abhängt, ob sehr lokale Lebensräume ernst genommen werden, bevor sie durch Fischerei, Küstenbau, Sedimente oder Korallenverlust verändert werden.

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