Puerto Rico: Zwei Anbieter von Hai-Touren sollen ohne Zertifizierung arbeiten

Blue Kings PR und Island Scuba sollen Hai-Ausflüge anbieten, obwohl ihnen laut Puerto Ricos Tourismusbehörde die vorgeschriebene Zertifizierung für nautische Aktivitäten fehlt.

Sharky15. August 2026
San juan antiguo puerto rico tauchen mit haien

Zwei Unternehmen an der Südküste Puerto Ricos bieten nach einem aktuellen Bericht von El Nuevo Día Ausfahrten an, bei denen Gäste mit Haien tauchen oder schnorcheln können. Blue Kings PR und Island Scuba verfügten derzeit jedoch nicht über die dafür vorgeschriebene Zertifizierung für nautische Tourismusaktivitäten, schreibt die Zeitung unter Berufung auf die Compañía de Turismo de Puerto Rico (CTPR).

Die Formulierung ist wichtig: Es geht zunächst um den von der puerto-ricanischen Tourismusbehörde verlangten Betriebsnachweis. Der Bericht belegt nicht automatisch, dass sämtliche anderen Lizenzen, Qualifikationen oder Sicherheitsnachweise der beiden Anbieter fehlen. Tauchverbands-Zertifikate, Bootsregistrierung, Kapitänspatente und die tourismusrechtliche Zulassung sind unterschiedliche Dinge.

Zertifizierung ist keine freiwillige Auszeichnung

Die Pflicht ergibt sich aus dem Gesetz 241 aus dem Jahr 2010. Abschnitt 4 verlangt von jeder Person oder juristischen Einheit, die nautische Tourismusaktivitäten anbietet, eine Zertifizierung durch die CTPR. Sie gilt zwei Jahre und muss anschließend erneuert werden. Abschnitt 5 untersagt das Anbieten solcher Leistungen, solange die entsprechende Zertifizierung nicht beantragt und erteilt wurde.

Auf ihrer Rechts- und Regelwerksseite der Tourismusgesellschaft führt die CTPR außerdem das Regelwerk 8855 für nautische Tourismusaktivitäten und touristische Marinas. Damit handelt es sich nicht bloß um ein Gütesiegel für besonders nachhaltige Anbieter. Die Zertifizierung ist Teil des rechtlichen Rahmens für den Betrieb. Weil sie befristet ist, kann ein Unternehmen in älteren Verzeichnissen oder Empfehlungen erscheinen und trotzdem aktuell keinen gültigen Nachweis besitzen.

Was El Nuevo Día den beiden Anbietern vorwirft

Blue Kings PR bewirbt vor Santa Isabel vor allem Schnorchelausflüge mit Haien. Island Scuba startet in Guánica zu Tauchausfahrten an der Südwestküste. Nach Angaben der Zeitung bestätigte die Tourismusgesellschaft, dass beide Unternehmen aktuell nicht über die notwendige Zertifizierung verfügen. Haitauchen.com hat den Status nicht unabhängig in einem vollständigen öffentlichen Register verifizieren können; die Aussage wird deshalb ausdrücklich als behördliche Auskunft gegenüber der Zeitung wiedergegeben.

Die zugespitzte Bezeichnung der Betriebe als „Piratenunternehmen“ stammt aus der Überschrift des puerto-ricanischen Berichts. Sachlich präziser ist es, von Anbietern zu sprechen, die nach der zitierten Behördenauskunft ohne die vorgeschriebene Tourismus-Zertifizierung arbeiten sollen. Ob bereits ein Verwaltungsverfahren, eine Geldbuße oder eine rechtskräftige Entscheidung vorliegt, geht aus dem frei zugänglichen Teil des Berichts nicht hervor.

Die zweite Frage: Wie dürfen Haie angelockt werden?

Neben dem Zertifizierungsstatus beschreibt El Nuevo Día eine rechtliche Grauzone bei Praktiken, die mit den Hai-Ausfahrten verbunden sind. Die Behörden räumten demnach ein, dass ihre Möglichkeiten zum Eingreifen in einzelnen Punkten begrenzt seien. Die fehlende CTPR-Zertifizierung ist damit von der ökologischen und fischereirechtlichen Bewertung des Umgangs mit den Tieren zu trennen.

Die Hinweise des Umweltministeriums DRNA für geschützte Naturgebiete sind in der Sache eindeutig: Wildtiere sollen weder gefüttert noch mit Futter, Geräuschen oder anderen Reizen angelockt werden. Das könne natürliche Fresszyklen verändern, Tiere an Menschen gewöhnen und gesundheitliche Risiken schaffen. Diese Verhaltenshinweise allein beantworten jedoch nicht, welche konkrete Sanktionsnorm außerhalb eines Schutzgebiets auf jede Form des Hai-Anlockens anwendbar ist. Genau dort kann die beschriebene Vollzugslücke entstehen.

Konflikt mit der Fischerei

Der Bericht nennt zudem Behinderungen der örtlichen Fischerei. Wenn Haie regelmäßig mit Nahrung oder Gerüchen an einen bestimmten Ort gebunden werden, können sich Tiere zeitweise um Boote oder Fangplätze sammeln. Für Fischer kann das bedeuten, dass Fänge beschädigt werden oder ein Gebiet vorübergehend schlechter nutzbar ist. Dass eine einzelne Tour langfristig das Verhalten einer Population verändert, lässt sich daraus aber nicht ableiten. Dafür wären systematische Beobachtungen nötig.

Auch aus Sicht des Haischutzes ist eine pauschale Antwort schwierig. Verantwortungsvoll geführte Begegnungen können Wissen vermitteln und den wirtschaftlichen Wert lebender Haie sichtbar machen. Starkes oder unkontrolliertes Anfüttern kann dagegen Verhalten verändern, Konflikte verschärfen und Risiken für Tiere, Gäste und andere Nutzer des Meeres erhöhen. Entscheidend sind klare Regeln, transparente Methoden, kleine Gruppen und eine wirksame Aufsicht.

Worauf Gäste vor der Buchung achten sollten

Für Reisende ist der Fall ein guter Anlass, nicht nur nach Bewertungen und Tauchbreveten zu fragen. Ein seriöser Anbieter sollte auf Nachfrage erklären können, welche behördlichen Genehmigungen für Boot, Besatzung und touristischen Betrieb gelten und ob sie aktuell sind. Ebenso wichtig ist eine klare Auskunft dazu, ob und wie Tiere angelockt werden.

  • Gültige CTPR-Zertifizierung für nautische Tourismusaktivitäten zeigen lassen.
  • Nach Bootsregistrierung, Kapitänsqualifikation und Sicherheitsausrüstung fragen.
  • Klären, ob Futter oder andere Lockmittel eingesetzt werden.
  • Auf Sicherheitsbriefing, Gruppengröße und Abbruchkriterien achten.
  • Anbieter meiden, die Berührungen, Verfolgung oder das Bedrängen von Haien fördern.

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