Quecksilber in Haifleisch: Studie warnt vor Brasiliens ‚cação‘

Eine neue Studie weist in importiertem, als ‚cação‘ verkauftem Fleisch hohe Quecksilberwerte nach. Kinder könnten die tolerierbare Wochenaufnahme besonders häufig überschreiten.

Sharky21. Juli 2026
Querschnitt durch Haifleisch mit sichtbarem weißem Knorpel
Foto: CostaPPPR, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons; cropped to 2:1 and converted to WebP

Brasilien ist der weltweit größte Absatzmarkt für Haifleisch. Im Handel erscheint es jedoch meist nicht als Hai, sondern unter dem Sammelnamen „cação“. Eine neue Studie im Fachjournal Regional Studies in Marine Science zeigt nun, dass diese fehlende Transparenz nicht nur ein Artenschutzproblem ist: Importiertes Haifleisch kann Verbraucherinnen und Verbraucher erheblichen Mengen Quecksilber aussetzen.

Das Forschungsteam um Lucas Cabrera Monteiro untersuchte 39 Muskelproben aus importierten Tierkörpern, die als „cação“ vermarktet worden waren. Mithilfe von DNA-Barcoding bestimmten die Forschenden zugleich die Tierarten. 38 Proben stammten vom Blauhai (Prionace glauca), eine weitere vom Blauen Marlin (Makaira nigricans). Damit bestätigt die Untersuchung, wie wenig der Verkaufsname allein über den Inhalt verrät.

Fast alle Proben über dem internationalen Grenzwert

Die gemessenen Gesamtquecksilber-Konzentrationen lagen zwischen 0,336 und 2,758 Milligramm pro Kilogramm Frischgewicht. Der Mittelwert betrug 1,363 Milligramm pro Kilogramm. Nach der Auswertung überschritten 95 Prozent der Proben den von der Studie herangezogenen internationalen Sicherheitsgrenzwert; 77 Prozent lagen auch über dem brasilianischen Grenzwert.

Quecksilber gelangt aus natürlichen und menschengemachten Quellen in die Meere und wird dort teilweise in Methylquecksilber umgewandelt. Dieser besonders problematische Stoff reichert sich entlang der Nahrungskette an. Große, langlebige Räuber können deshalb deutlich höhere Konzentrationen aufweisen als viele kleinere Fische. Haie stehen als Spitzenprädatoren weit oben in dieser Nahrungskette.

Kinder erreichen die tolerierbare Wochenmenge besonders schnell

Die Forschenden berechneten außerdem die mögliche Aufnahme über eine Woche. Für Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren ergaben sich Werte zwischen 0,805 und 6,613 Mikrogramm Quecksilber pro Kilogramm Körpergewicht. 91 Prozent der untersuchten Fleischproben hätten bei der zugrunde gelegten Verzehrmenge zu einer Überschreitung der vorläufig tolerierbaren wöchentlichen Aufnahme geführt.

Bei Erwachsenen lag die geschätzte Aufnahme zwischen 0,525 und 4,315 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht; hier führten 71 Prozent der Proben zu einer Überschreitung. Auf Basis des 90. Perzentils der Belastung errechnete die Studie eine maximale sichere Wochenportion von nur etwa 40 Gramm für Kinder und 75 Gramm für Erwachsene. Die Autoren empfehlen dennoch, importiertes Haifleisch nach Möglichkeit ganz zu meiden.

„Cação“ verschleiert Art und Herkunft

Das gesundheitliche Risiko trifft auf ein bereits bekanntes Problem des brasilianischen Marktes: „cação“ kann für verschiedene Hai- und Rochenarten stehen. Ohne eindeutige Artbezeichnung können Kundinnen und Kunden weder die Gefährdung einer Art noch Herkunft, Fangmethode oder typische Schadstoffbelastung einschätzen. Auch Kontrollen werden schwieriger, wenn Filets und Steaks keine äußerlich erkennbaren Merkmale mehr besitzen.

Dass als „cação“ bezeichnetes Fleisch sogar in Schulen, Krankenhäusern und anderen öffentlichen Einrichtungen angeboten wurde, zeigte bereits eine umfangreiche Recherche. Wir haben die Hintergründe in unserem Beitrag „Haifleisch auf dem Speiseplan“ zusammengefasst. Die neue Laborstudie liefert dazu konkrete Messwerte und verbindet die Debatte um Kennzeichnung und Haischutz unmittelbar mit dem Verbraucherschutz.

Kontrollen müssen Artbestimmung und Schadstoffe verbinden

Die Autoren fordern strengere Inspektionsverfahren, bessere Rückverfolgbarkeit und eine breitere Überwachung. Sinnvoll ist diese Kombination aus zwei Gründen: Eine chemische Analyse zeigt, ob ein Produkt gesundheitlich problematisch ist; die genetische Artbestimmung zeigt, welches Tier tatsächlich gehandelt wurde und ob Schutz- oder Handelsregeln greifen.

Für den Haischutz ist das ein wichtiger Punkt. Solange Haifleisch unter einem unscharfen Sammelnamen verkauft wird, bleibt die Nachfrage für viele Menschen unsichtbar. Klare Bezeichnungen, überprüfbare Lieferketten und regelmäßige Schadstoffkontrollen würden nicht nur Verbraucher schützen, sondern auch den Handel mit bedrohten Arten leichter erkennbar machen.

Erwähnte Arten

Blauhai prionace glauca im blauwasser

Blauhai

Quellen

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