China Daily berichtet über wachsenden Druck auf den Raja-Ampat-Epaulettenhai (Hemiscyllium freycineti). Die kleine, nachtaktive Haiart lebt in flachen Küstenhabitaten der Raja-Ampat-Inseln in Südwestpapua und ist vor allem dafür bekannt, dass sie sich mit Brust- und Bauchflossen über Riffe, Seegras und seichte Böden „laufend“ fortbewegen kann.
Weltweit sind zehn sogenannte Walking-Shark-Arten bekannt, sechs davon kommen vor allem in ostindonesischen Gewässern vor. Der Raja-Ampat-Epaulettenhai kann schwimmen, bleibt aber stark an kleine Reviere gebunden. Genau diese Standorttreue macht ihn empfindlich, wenn wichtige Riff-, Seegras- oder Mangrovenflächen gestört werden.
Ein Hai mit sehr kleinem Aktionsradius
Der Bericht fasst eine im Juni 2026 veröffentlichte Studie zusammen, die zwischen Februar 2024 und April 2025 Beobachtungsdaten sammelte. Für die Gattung wurde eine sehr hohe Dichte von bis zu 2462 Individuen pro Quadratkilometer genannt. Zugleich zeigten die Daten, dass 69 Prozent der unreifen Tiere in Korallenriffen beobachtet wurden.
Korallenriffe dienen demnach vor allem als Kinderstuben. Erwachsene Tiere wurden häufiger bei der Nahrungssuche zwischen Seegras und Mangrovenwurzeln beobachtet. Diese Aufteilung ist für Schutzmaßnahmen wichtig, weil nicht ein einzelner Habitattyp genügt: Jungtiere, adulte Tiere und Beuteflächen brauchen zusammenhängende, intakte Flachwasserbereiche.
Tourismusausbau trifft die Fressplätze
Edy Setyawan vom Elasmobranch Institute Indonesia, leitender Autor der Studie, nennt im Bericht besonders den raschen Ausbau touristischer Infrastruktur als Risiko. In Raja Ampat entstehen vielerorts Unterkünfte auf Stelzen über Seegraswiesen, unter anderem im Bereich Arborek. Genau dort suchen die Haie nach Nahrung.
Die Forschenden fanden außerdem kaum Bewegung zwischen Standorten. Die größte gemessene Distanz lag bei rund 475 Metern; zwischen Inseln wurde keine Wanderung beobachtet. Wenn ein lokales Habitat schlechter wird, kann die Art also nicht einfach in großem Maßstab ausweichen.
Klimawandel und Abwasser
Neben direkter Habitatveränderung nennt der Bericht steigende Wassertemperaturen als Gefahr. Die Art kann laut Studie Temperaturen bis 36 Grad Celsius tolerieren, doch häufigere marine Hitzewellen könnten Gesundheit und langfristiges Überleben trotzdem belasten.
Weniger sichtbar, aber ebenfalls problematisch ist Nährstoffbelastung durch ungeklärte Abwässer aus touristischer Nutzung. Die Meeresökologin Agustin Capriati warnt im Artikel, dass überschüssige Nährstoffe Algenwachstum beschleunigen und Korallenriffe schädigen können. Wenn Riffe schlechter werden, verlieren die Haie nach und nach Lebensraum.
Schutzstatus reicht nicht allein
Indonesien stellte Walking Sharks 2023 per Ministerialverordnung vollständig unter Schutz. Der Raja-Ampat-Epaulettenhai wird von der IUCN als potenziell gefährdet geführt. Laut Setyawan verhindert die Regel vor allem Fang und Verzehr, enthält aber noch keinen klaren Plan, wie die Lebensräume vor Ort gesichert werden sollen.
Das ist für eine standorttreue Art entscheidend. Wenn ein Hai kaum zwischen Inseln wandert, müssen Schutzmaßnahmen dort greifen, wo die Tiere wirklich leben: an Riffkanten, in Seegraswiesen, in Mangroven und in touristisch genutzten Flachwasserzonen.
Was Raja Ampat jetzt braucht
Capriati fordert laut Bericht mehr Überwachung in Meeresschutzgebieten, auch in der Dampier Strait. Für ein Ziel wie Raja Ampat bedeutet das, Tourismus nicht nur über Besucherzahlen zu steuern, sondern auch über Abwasser, Bauplätze, Abstand zu Kinderstuben und die Belastbarkeit einzelner Buchten.
Der Fall zeigt, warum kleine Haie im Schutz oft übersehen werden. Sie sind nicht groß, nicht gefährlich und wirtschaftlich nicht so sichtbar wie andere Meerestiere. Gerade deshalb kann ihr Wert als lokales Aushängeschild für gesunde Riffe leicht unterschätzt werden. Für Taucher ist der Raja-Ampat-Epaulettenhai ein besonderes Tier; für das Ökosystem ist er ein Hinweis darauf, wie fein abgestimmt und verletzlich Flachwasser-Lebensräume sein können.


