Vor Mullaghmore Head in County Sligo und in der Donegal Bay sind in den vergangenen Tagen ungewöhnlich viele Riesenhaie beobachtet worden. Lokale Berichte sprechen von dutzenden Tieren, die nahe der Küste fraßen, in Gruppen zogen und teils sogar aus dem Wasser sprangen.
Der Bericht von Donegal Daily fasst die Sichtungen als seltene Konzentration zusammen. Der Donegal Bay Conservation Trust hebt dabei besonders die Nähe zur Küste rund um Mullaghmore Head hervor: Für viele Menschen waren die Haie vom Land oder von Booten aus sichtbar, ohne dass man sie suchen musste.
Riesenhaie wirken durch ihre Größe spektakulär, sind für Menschen aber keine Jäger. Cetorhinus maximus ist nach dem Walhai der zweitgrößte Fisch der Welt und filtert Plankton aus dem Wasser. Wenn die Tiere mit weit geöffnetem Maul an der Oberfläche ziehen, folgen sie nicht Badegästen oder Fischen, sondern produktiven Wasserbereichen mit passender Nahrung.
Warum Donegal Bay jetzt auffällt
Irlands Atlantikküste gehört zu den wichtigsten saisonalen Riesenhai-Gebieten Europas. Im Frühjahr und Frühsommer können Wind, Strömungen und Planktonblüten dazu führen, dass die Haie sehr küstennah fressen. Genau solche Bedingungen machen Buchten, Kaps und Strömungskanten zeitweise zu Beobachtungspunkten.
Besonders spannend ist nicht nur die Zahl der Tiere, sondern ihr Verhalten. Mehrere Haie wurden beim Fressen nahe der Küste gesehen, andere zogen in Gruppen durch die Bucht. Auch Sprünge wurden beobachtet. Warum Riesenhaie springen, ist nicht abschließend geklärt; diskutiert werden unter anderem Kommunikation, Parasitenentfernung oder soziales Verhalten.
Sanfte Riesen, aber keine Kulisse
Für Taucherinnen, Bootscrews und Küstenbesucher ist eine solche Aggregation ein außergewöhnliches Naturerlebnis. Gleichzeitig ist sie ein guter Moment, um den Abstand zu betonen: Riesenhaie sollen nicht verfolgt, eingekreist, berührt oder zum Ausweichen gezwungen werden. Gute Beobachtung heißt, den Tieren die Richtung und Distanz zu überlassen.
Irland hat den Riesenhai 2022 offiziell als geschütztes Wildtier unter dem Wildlife Act eingestuft. Damit ist der Schutz nicht nur symbolisch: Die Art gilt global als gefährdet, und irische Gewässer werden als international wichtiger Raum für Riesenhaie beschrieben.
Warum jede Sichtung zählt
Die aktuelle Konzentration ist auch wissenschaftlich wertvoll. Riesenhaie sind groß, aber ihre Wanderungen, Aufenthaltszeiten und wichtigen Futterplätze sind noch immer nicht vollständig verstanden. Serien von Sichtungen helfen dabei, saisonale Muster besser zu erkennen und sensible Gebiete in Schutz- und Planungsfragen ernster zu nehmen.
Die Irish Basking Shark Group erklärt, dass Sichtungsdaten gemeinsam mit dem National Biodiversity Data Centre und der Irish Whale and Dolphin Group in einer nationalen Datenbasis zusammengeführt werden. Solche Meldungen können später Forschung, Umweltprüfungen und Schutzentscheidungen unterstützen.
Hotspot statt Hai-Alarm
Die Meldung aus Donegal Bay ist deshalb kein Hai-Alarm, sondern ein starkes Zeichen für ein funktionierendes Küstenökosystem. Wo Riesenhaie in großer Zahl fressen, ist genügend Plankton vorhanden, und die Tiere finden für kurze Zeit genau die Bedingungen, die sie brauchen.
Für Irland passt das in ein größeres Bild: Die Westküste ist nicht nur Kulisse für spektakuläre Wildlife-Momente, sondern ein realer Lebensraum für wandernde Großfische. Donegal Bay und Mullaghmore zeigen, warum Schutz bei Riesenhaien immer beides sein muss: respektvolle Begegnung vor Ort und langfristige Datensammlung über Jahre hinweg.


