Sensationsfund in der Antarktis: Erster Hai in antarktischen Gewässern „in freier Wildbahn“ gefilmt

Sensationeller Fund: Erstmals wurde nahe der Antarktis ein Schläferhai in freier Wildbahn gefilmt – in rund 490 Metern Tiefe bei nur 1,27 °C. Die Aufnahmen könnten helfen, offene Fragen zur Identität südlicher Schläferhai-Arten zu klären.

Ronny K10. Februar 2026
Unbekannter Schläferhai in der Antarktis

Ein australisches Forschungsteam hat etwas dokumentiert, das viele für nahezu unmöglich gehalten hätten: Ein Hai in der Südsee direkt vor der Antarktis – und zwar auf Video, in seinem natürlichen Lebensraum. Die Aufnahme stammt von einer beköderten Tiefsee-Kamera, die nahe der Südlichen Shetlandinseln (vor der Antarktischen Halbinsel) in rund 490 Metern Tiefe ausgebracht wurde.

Auf dem Material ist ein langsam schwimmender Hai zu sehen, den Fachleute der Schläferhai-Familie (Somniosidae) zuordnen. Welche Art genau es ist, lässt sich anhand der Bilder allein nicht sicher sagen – Schläferhaie ähneln sich äußerlich stark. Ein unabhängiger Experte hält es jedoch für möglich, dass es sich um den Südlichen Schläferhai (Somniosus antarcticus) handeln könnte – eine Art, die als „am weitesten südlich vorkommender Hai“ gilt.

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Warum dieser Clip so besonders ist

Haie sind zwar extrem anpassungsfähig und weltweit verbreitet – je näher man dem Südpol kommt, desto seltener werden direkte Nachweise. Zwar tauchen Haie gelegentlich als Beifang in subantarktischen Fischereien auf, aber „in situ“-Beobachtungen (also im echten Lebensraum, nicht als Beifang) sind in dieser Region eine echte Ausnahme. Laut ABC wurden in der Südsee rund um die Antarktis bislang nur wenige Haiarten nachgewiesen – und Video-Belege aus natürlicher Umgebung sind praktisch nicht vorhanden.

Hinzu kommt: Das Tier wurde in Wasser gefilmt, das bei etwa 1,27 °C lag. Für viele Meeresbewohner ist das schlicht zu kalt – und selbst für kälteaffine Haie ist das eine Grenze, die wir noch nicht gut verstehen.

Schläferhaie: Räuber der Kälte und Tiefe

Schläferhaie gelten als Tiefsee-Spezialisten: groß, kräftig, mit eher kleinen Flossen und oft marmorierter Färbung. Vieles, was wir über die südlichen Arten wissen, stammt aus seltenen Fängen als Beifang. Spannend (und ziemlich wild): In Mägen südlicher Schläferhaie wurden laut Bericht immer wieder Reste von Riesenkalmaren gefunden – darunter auch vom Koloss-Kalmar, dem schwersten bekannten wirbellosen Tier.

Art-Rätsel: Ein Hai oder doch zwei?

Im Fokus steht jetzt eine Frage, die die Forschung schon länger beschäftigt: Sind Südlicher Schläferhai und Pazifischer Schläferhai wirklich getrennte Arten – oder genetisch (nahezu) identisch? Der ABC-Beitrag beschreibt, dass genetische Hinweise diese Trennung bereits infrage stellen. Um das sauber zu klären, sollen Genanalysen (inkl. eDNA aus Wasserproben und Gewebeproben) ausgeweitet werden; ein größeres internationales Projekt plant dafür neue Daten u. a. aus dem Südatlantik und Indischen Ozean.

Wie können Haie überhaupt so kaltes Wasser „aushalten“?

Rund um Antarktis (und Arktis) kann Meerwasser wegen des Salzgehalts unter 0 °C fallen – bis etwa -2 °C. Für die meisten Tiere wäre das lebensfeindlich. Bei Schläferhaien schaut die Biochemie vermutlich nach „Naturtrick“ aus: Beim nah verwandten Grönlandhai werden u. a. Trimethylamin-N-oxid (TMAO) und Harnstoff diskutiert, die wie eine Art „chemischer Frostschutz“ wirken könnten. Wie genau das bei den südlichen Schläferhaien aussieht, ist aber noch nicht abschließend geklärt.

Quellen

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