Ein ungewöhnlicher Fund beschäftigt Meeresforschende an der Westküste von Südafrika: Nach einem Bericht des Weslander wurde am Samstag, 22. August 2026, ein Riesenmaulhai im Hafengebiet von St. Helena Bay angespült. Das Tier war zuvor für kurze Zeit lebend im Hafen gesehen worden und trieb schließlich nahe der Fischfabrik Pioneer Fishing an Land.
Der Fund wurde der Zeitung von Ettienne Swanepoel vom Sandveld Wildlife Rehabilitation Centre gemeldet. Die Karkasse kam zunächst in die Obhut der Fischfabrik. Am 24. August reisten die DFFE-Forschenden Sarika Singh und Steven McCue aus Kapstadt an, untersuchten das Tier und nahmen Proben. Diese sollen im Labor des südafrikanischen Umweltministeriums analysiert werden; anschließend ist die Bestattung der Karkasse vorgesehen.
Todesursache bislang unbekannt
Warum der Hai starb, ist derzeit nicht geklärt. Aus dem kurzen Aufenthalt im Hafen und dem späteren Anspülen lässt sich allein weder eine Krankheit noch eine Verletzung, Fischereibeifang, Sauerstoffmangel oder eine andere Umweltursache ableiten. Erst die Untersuchung von Gewebe, Organen und möglichen äußeren Verletzungen kann belastbare Hinweise liefern.
Der Fundort liegt an der zum Atlantik gerichteten Westküste. St. Helena Bay wird vom kalten Benguelastrom und von nährstoffreichem Auftrieb geprägt und gehört zum Atlantischen Ozean. Dass ein selten beobachteter Hochseehai dort in einem Hafen auftaucht, ist bemerkenswert, belegt aber für sich genommen weder eine dauerhafte lokale Population noch eine ungewöhnliche Wanderung.
Warum die Karkasse wissenschaftlich wertvoll ist
Der Riesenmaulhai (Megachasma pelagios) ist ein großer, planktonfressender Hai, der weite tropische und warm-gemäßigte Meeresgebiete nutzt. Obwohl die Art weltweit verbreitet ist, beruhen viele Kenntnisse noch immer auf einzelnen Fängen, Strandungen und wenigen Beobachtungen lebender Tiere. Jede gut dokumentierte Karkasse kann deshalb Daten zu Größe, Geschlecht, Ernährung, Reife, Gesundheitszustand und genetischer Zugehörigkeit liefern.
Besonders wichtig ist eine saubere Dokumentation des Fundes: genaue Maße, Gewicht, Geschlecht, Reifegrad, Mageninhalt, Parasiten, Verletzungen und Gewebeproben. Werden diese Angaben mit Fundort, Wassertemperatur und Beobachtungszeit verknüpft, lässt sich der südafrikanische Nachweis später in globale Verbreitungs- und Populationsanalysen einordnen.
Der Weslander nennt eine Körperlänge von bis zu fünf Metern als allgemeine Artangabe, veröffentlicht bislang jedoch keine belastbare Vermessung des aktuellen Tieres. Aus Fotos allein sollte die Länge deshalb nicht geschätzt werden. Auch zur Größe, zum Geschlecht und zum Erhaltungszustand der Karkasse sind die Untersuchungsergebnisse abzuwarten.
Dritter dokumentierter Riesenmaulhai-Fund in Südafrika
Der erste wissenschaftlich belegte südafrikanische Fund stammt vom 20. April 2002 aus Nature’s Valley im Westkap. Eine Veröffentlichung im South African Journal of Science bezeichnete das Tier ausdrücklich als ersten Riesenmaulhai von der Küste Südafrikas und als erstes gesichertes Exemplar aus Afrika. Die noch nicht ausgewachsene weibliche Hai maß schätzungsweise 4,66 Meter und wog etwa 260 Kilogramm; Skelett, Organe und Kiemen wurden unter der Sammlungsnummer SAM 36030 gesichert.
Der zweite Nachweis folgte am 6. November 2009 zwischen Mazeppa Bay und der Qora-Mündung an der Wild Coast. Das East London Museum dokumentierte die stark verwesten, mehr als drei Meter langen Überreste und bezeichnete sie ausdrücklich als zweiten Fund an einem südafrikanischen Strand.
Der am 22. August 2026 in St. Helena Bay angespülte Hai ist damit der dritte dokumentierte südafrikanische Nachweis: Nature’s Valley 2002, Wild Coast 2009 und St. Helena Bay 2026. Die im Weslander wiedergegebene Einordnung als „zweiter“ Fund lässt den Museumsnachweis von 2009 offenbar unberücksichtigt.
Welche Antworten die Proben liefern können
Eine Sektion kann zunächst klären, ob deutliche Traumata, Haken- oder Netzspuren, innere Blutungen, Mageninhalt oder krankhafte Veränderungen vorliegen. Histologische und mikrobiologische Analysen können zusätzliche Hinweise liefern, sofern das Gewebe noch ausreichend gut erhalten war. Selbst dann bleibt die Todesursache bei gestrandeten Meerestieren nicht immer eindeutig.
Genetische Proben könnten darüber hinaus zeigen, wie das Tier zu Funden aus dem Indischen Ozean, dem Pazifik und anderen Regionen gehört. Für eine Art mit wenigen dokumentierten Begegnungen ist auch ein Ergebnis ohne eindeutige Todesursache wertvoll: Es erweitert die Vergleichsbasis für spätere Funde und hilft, historische Angaben zu überprüfen.
Bis das DFFE Ergebnisse veröffentlicht, bleiben Todesursache und genaue Körperdaten offen. Die Einordnung als dritter dokumentierter südafrikanischer Fund ist dagegen durch die wissenschaftliche Veröffentlichung zum Tier von 2002 und die Museumsdokumentation des zweiten Fundes von 2009 belegt. Gesichert sind außerdem Fundort, Datum und Probenahme des aktuellen Tieres – eine außergewöhnliche Gelegenheit, einen der am seltensten beobachteten Großhaie wissenschaftlich zu untersuchen.


