Die Debatte an der Küste von New Jersey in den USA hat nun eine verbindliche Folge: Bay Head und Mantoloking untersagen den Einsatz von Drohnen, um beköderte Haken zum Haifischen hinter die Brandung zu tragen. Wie Patch berichtet, kündigten die Polizeibehörden am 17. und 18. August 2026 die strikte Durchsetzung an.
Grundlage ist kein neu beschlossenes kommunales Haifangverbot, sondern das bereits seit 2018 geltende Landesrecht. Abschnitt 2C:40-28(d) des New Jersey Legislature stuft es als Vergehen der Kategorie „disorderly persons offense“ ein, ein unbemanntes Luftfahrtsystem wissentlich zur Entnahme von Wildtieren oder als Hilfe dabei einzusetzen. Beide Polizeibehörden wenden diese Vorschrift auf den drohnengestützten Haifang an.
Kajaks und Drohnen bringen Köder nach draußen
Nach Angaben des Bürgermeisters nutzen manche Angler Kajaks oder Drohnen, um blutige Köderfische weiter draußen im Wasser abzusetzen. Nicht gefressene Reste könnten anschließend mit Wind und Strömung näher an den Strand treiben. Curtis sagt, er habe solche Köderaktionen auch tagsüber selbst beobachtet.
Der Bericht nennt mindestens vier gefangene Bullenhaie und einen Tigerhai. Die Tiere wurden beim Brandungsangeln an der Jersey Shore legal an Land gebracht. Ein Anbieter von Hai-Angeltouren betont zugleich, dass sein Team vorwiegend nachts arbeitet, wenn die Strände leer sind, und gefangene Haie nach dem Entfernen des Hakens wieder freilässt.
Als dieser Beitrag am 8. August erstmals erschien, hatte Bay Head lediglich eine Resolution zur Einhaltung bestehender staatlicher und bundesweiter Fischereiregeln verabschiedet. Die damals von der New York Post beschriebene Praxis war vor Ort noch nicht ausdrücklich als Vollzugsschwerpunkt benannt. Neu ist daher die angekündigte Durchsetzung, nicht der Wortlaut des Landesgesetzes.
Anlockung ist nicht dasselbe wie Bestandszunahme
Geruchsstoffe aus Köderfisch können Haie in der näheren Umgebung auf eine mögliche Nahrungsquelle aufmerksam machen. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass Ködern die Zahl der Haie in der gesamten Region erhöht. Entscheidend wären Entfernung zum Badestrand, Strömung, Ködermenge, Dauer und die bereits vorhandenen Tiere.
Zugleich finden Haie im Atlantischen Ozean natürliche Nahrung. Große Ansammlungen von Tintenfischen und Sandaalen werden als mögliche Erklärung dafür genannt, dass Räuber nahe an der Küste jagen. Wärmeres Wasser kann außerdem beeinflussen, wann einzelne Arten eintreffen und wie lange sie in nördlichen Küstengewässern bleiben.
Ein Biologe von New Jersey Fish and Wildlife berichtete von außergewöhnlich häufigen Meldungen über Bullenhaie. Solche Meldungen und einzelne Fänge sind wichtige Hinweise, aber kein standardisierter Bestandsindex. Mehr Angler, mehr öffentliche Aufmerksamkeit oder besonders gute Fangbedingungen können die Zahl der dokumentierten Nachweise ebenfalls erhöhen.
Die Haiangriffe von 1916 sind kein direkter Vergleich
Die zugespitzte Debatte greift immer wieder auf die Angriffserie von 1916 zurück. Damals wurden an der Küste und im Matawan Creek innerhalb von zwölf Tagen fünf Menschen angegriffen; vier starben. Welche Art verantwortlich war, ist bis heute umstritten. Diskutiert werden vor allem Weißer Hai und Bullenhai.
Diese historischen Ereignisse prägten später die Erzählung rund um „Jaws“. Sie sind aber kein Beleg dafür, dass sich 2026 dieselbe Situation wiederholt. Auch die aktualisierte Berichterstattung nennt für 2026 keinen Haiangriff an der Jersey Shore. Das Drohnenverbot ist eine Vorsichts- und Vollzugsmaßnahme, keine Reaktion auf einen aktuellen Angriff.
Bullenhai und Tigerhai richtig einordnen
Bullenhaie können küstennahes und sehr flaches Wasser nutzen und zeitweise auch in Brack- oder Süßwasser vordringen. Tigerhaie sind ebenfalls große, weit wandernde Küsten- und Hochseehaie. Beide Arten verdienen in belebten Badegebieten Aufmerksamkeit, doch ihre Anwesenheit allein bedeutet nicht, dass ein Angriff bevorsteht.
Auch ein Fang beweist nicht, dass das Tier ohne den Köder Menschen gefährdet hätte. Haken, Drill und die Landung im Brandungsbereich schaffen vielmehr eine zusätzliche Interaktion: Der Hai wird in Strandnähe gebunden, Menschen nähern sich dem Tier, und für den Hai entstehen Stress und mögliche Verletzungen.
Verantwortungsvolles Fang-und-Freilassen reduziert einige dieser Belastungen, beseitigt sie aber nicht vollständig. Besonders wichtig sind Abstand zu Schwimmern, eine kurze Drill- und Handhabungszeit, geeignetes Gerät und das zügige Freilassen im Wasser. Die konkrete Rechtslage und Artenschutzvorgaben müssen Angler vor Ort prüfen.
Bestehendes Landesgesetz wird jetzt durchgesetzt
Bay Head veröffentlichte seine Warnung am 17. August, Mantoloking folgte einen Tag später mit einem offiziellen Hinweis. Beide Polizeibehörden erklären, dass Verstöße konsequent verfolgt werden. Wer eine Drohne nutzt, um Köder oder Haken für den Haifang auszubringen, kann demnach wegen eines „disorderly persons offense“ belangt werden.
Das Verbot richtet sich gezielt gegen die Unterstützung des Fischfangs durch Drohnen. Haifischen vom Strand bleibt in New Jersey grundsätzlich legal, unterliegt aber weiterhin Genehmigungen sowie bundes- und landesrechtlichen Art-, Fang- und Gerätevorschriften. In Mantoloking gilt zusätzlich die örtliche Regel, beim Angeln mindestens 200 Fuß – rund 61 Meter – Abstand zu Schwimmern und anderen Personen im Wasser zu halten.
Badegäste sollten Warnungen und Anweisungen der Rettungsschwimmer beachten und Abstand zu erkennbaren Angelplätzen, Ködern oder gehakten Tieren halten. Angler wiederum können Konflikte vermeiden, indem sie nicht neben aktiven Badebereichen ködern und ihre gesamte Ausrüstung sowie Köderreste wieder mitnehmen.
Der Konflikt hat sich damit von einer politischen Warnung zu einer klar angekündigten Rechtsdurchsetzung entwickelt. Belegt sind Haifänge, der Einsatz von Ködern und nun das Verbot der Drohnenhilfe. Nicht belegt ist, dass diese Praxis 2026 einen Haiangriff verursacht oder die regionale Zahl der Haie erhöht hat.



